Kolumne

Uli Hoeneß | Steuer und Cup 2013 – Wie schaut’s aktuell aus?

Uli Hoeneß

Uli HoeneßSeit der Koks-Affäre um Christoph Daum hat den deutschen Fußball kaum ein Skandal so sehr erschüttert wie die Debatte um die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß. Hoeneß, der bis dato nicht nur zu den wichtigsten und einflussreichsten Personen im Umfeld des erfolgreichsten deutschen Fußballvereins – dem FC Bayern München – galt, sondern der auch zudem bei seinen Fans und in den Medien als außerordentlicher Sympathieträger bekannt war, hatte nun mit Vorwürfen zu kämpfen, die seine äußere Glaubwürdigkeit deutlich untergraben sollten.

Begonnen hat die Affäre um den möglichen Steuerbetrug im Januar diesen Jahres, als ein Journalist von „Stern Online“ berichtete, dass Hoeneß auf einem Schweizer Privatkonto dreistellige Millionenbeträge vor dem deutschen Steuersystem verstecke. Wenige Tage nach den Veröffentlichungen der Recherche reichte Hoeneß daraufhin eine Selbstanzeige ein, mit der die Affäre schließlich ihren Lauf nahm.

Steueraffäre um Uli Hoeneß in Kurzfassung

Schaut man sich die Medienberichte um Uli Hoeneß im darauffolgenden Frühjahr des Jahres 2013 genauer an, bekommt man schnell den Eindruck, der Aufsichtsratsvorsitzende wollte nicht nur größere Imageschäden, sondern vor allem auch mediale Aufmerksamkeit eigentlich vermeiden.

Nicht nur sollte die Selbstanzeige weitgehend diskret bleiben, auch die Präsenz von Hoeneß selbst in seinen täglichen Geschäften wollte dieser zunächst auf Eis legen. Bemerkenswert ist hierbei zum Beispiel dessen Angebot bei der Sitzung des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG im Mai 2013, sein Amt bis auf Weiteres niederzulegen, was der Aufsichtsrat jedoch aufgrund der unklaren Beweislage um Hoeneß‘ Steueraffäre ablehnte.

Im Sommer des Jahres 2013 erhob die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen Uli Hoeneß. Die durch eine Selbstanzeige gewährleistete Straffreiheit konnte Hoeneß nicht mehr genießen, da diese nur gestattet wird, wenn Details zum betreffenden Steuerbetrug noch nicht hinlänglich bekannt sind. Wie zu erwarten war, legten Hoeneß‘ Anwälte Einspruch gegen die Anklage ein, um Zeit zu gewinnen. Sollte die Anklage zugelassen werden, könnte Hoeneß schon im Januar des nächsten Jahres vor Gericht stehen.

Hoeneß selbst hat mittlerweile übrigens die Existenz eines Privatkontos in der Schweiz bestätigt, bestreitet aber die in den Medien genannten Summen. Statt den laut verschiedenen Quellen erwähnten Spitzenständen des Kontos von bis zu 800 Millionen Schweizer Franken hätte das Konto zu seinen besten Zeiten lediglich Beträge zwischen 15 und 20 Millionen Euro aufgewiesen. Die Staatsanwaltschaft München beantragt als Strafmaß für den Steuerbetrug zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen.

Fußball von der Affäre weitestgehend unbeeindruckt

Während sich die Debatte um Hoeneß‘ Steuerhinterziehung in den letzten Monaten immer weiter aufgeheizt hat und in manchen Medien auch sehr emotional geführt wird, bleiben die Aktivitäten des FC Bayern München von den Vorwürfen um ihren Aufsichtsratsvorsitzenden in großen Teilen unberührt.

Hoeneß erscheint Souverän zu den Topspielen des Vereins und scheut sich auch nicht vor der Kamera, Interviews gibt er allerdings eher wenig bis keine. Auch der Uli Hoeneß Cup wurde im Sommer 2013 erfolgreich ausgetragen. Das sportliche Event ist ein verspätetes Geburtstagsgeschenk zum 60. Lebensjahr des ehemaligen Bayern-Trainers Hoeneß, der im Januar diesen Jahres bereits 61 geworden ist.

Zu Ehren der Leistungen von Hoeneß spielten im Juni 2013 der Triple-Sieger FC Bayern München gegen den spanischen Champion FC Barcelona. Zuvor besiegten die Bayern die Spanier in einem furiosen Champions-League-Halbfinale mit einem bemerkenswerten 4:0. Barcelona, die bis zu diesem Zeitpunkt als der wohl beste Fußballclub Europas galten, mussten an diesem Tag diesen Titel an die Bayern abgeben. Am Spieltag des Uli Hoeneß Cup traten die Spanier nur mit einer leicht aufgestockten Jugendmannschaft an, die der Top-Aufstellung des FC Bayern deutlich unterlegen war. Der FC Bayern München siegte abermals mit einem 2:0. Uli Hoeneß überreichte an diesem Tag den Pokal an Kapitän Philipp Lahm mit einer bemerkenswerten Bescheidenheit und verschwand relativ schnell wieder von der Bildfläche.

Ausblick: Bekommen die Bayern bald einen neuen Chef?

Mit einem Blick in die Zukunft könnte nun vor allem die Frage interessant werden, wie Hoeneß‘ Karriere weitergehen wird. Wie bereits zuvor erwähnt, kündigte der Aufsichtsrat des FC Bayern an, einen Rücktritt von Hoeneß nur zuzulassen, wenn tatsächlich Strafanzeige erhoben wird.

Dies dürfte aufgrund der erdrückenden Beweislage auch trotz des Einspruchs von Hoeneß‘ Anwälten nur noch eine Frage der Zeit sein. Auf lange Sicht sollte sich die Aktiengesellschaft des momentan besten Fußballclubs Europas schon einmal nach einem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden umsehen. Arbeitslos wäre Uli Hoeneß aber auch mit Verlust seines Postens bei den Bayern noch lange nicht. Über seine Tätigkeit im Fußball hinaus ist der ehemalige Fußballtrainer nämlich auch dafür bekannt, als Firmengründer eines Nürnberger Wurstwarenunternehmens zu sein, was vor allem in den Tagen rund um das Bekanntwerden des Steuerskandals von populären immer wieder gern auf die Schippe genommen wurde.

Uli Hoeneß Video

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Andre Bonn

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