Kolumne

Trotz gutem Landeshaushalt – jeder 10. Privatbürger ist überschuldet!

Überschuldung in Deutschland Überschuldung in Deutschland
Überschuldung in Deutschland

Überschuldung in Deutschland

Die wirtschaftliche Krise in Europa hält immer noch an und ein Ende der finanziellen Talfahrt ist gerade jetzt nach dem Fall Zypern noch immer nicht in Sicht.

Dieser Umstand ist Grund genug für die Ministerpräsidenten der Bundesländer, sich noch ausführlicher mit den Finanzhaushalten auseinander zusetzen. Bayern steht finanziell gesehen an der Spitze der Länder und kann einen verhältnismäßig gesunden Haushalt vorweisen.

Ministerpräsident Horst Seehofer indes reicht das noch nicht. Er kündigte an, den Freistaat bis zum Jahre 2030 vollständig schuldenfrei bekommen zu wollen. Experten sind sich allerdings uneins darüber, wie er das schaffen möchte. Bayerns Schulden sind zwar mit 32 Milliarden im Vergleich zu den anderen Bundesländern relativ gering aber dennoch nicht unerheblich, zumal der Freistaat erst kürzlich 10 Milliarden Euro als Finanzspritze in die BayernLB gesteckt hat. Es bleibt zu hoffen, dass Horst Seehofer dieses bei seiner Ankündigung bedacht hat.

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Trotz gutem Landeshaushalt ist jede 10.Privatperson überschuldet!

Obgleich die Voraussetzungen für den Freistaat gut sind, bis zum Jahre 2030 schuldenfrei zu sein, so sieht die Prognose für jede 10. Privatperson indes nicht ganz so rosig aus. Fakt ist, dass noch immer jede 10. Privatperson überschuldet ist und ohne fremde Hilfe aus diesen Schulden auch nicht mehr herauskommen werden.

Betroffen sind hiervon in der Regel junge Menschen, die in die Schuldenfalle tappen und denen das Ausmaß der finanziellen Englage oftmals viel zu spät bewusst wird. Menschen im Alter von 17 bis 30 Jahren bilden mit 17,7 % den stärksten Anteil.

Die Gründe hierfür sind oft vielfältig und es ist nicht allein die Folge von übermäßigen Konsums, wobei natürlich ganz klar gesagt werden muss, dass es den jungen Menschen heutzutage viel zu leicht gemacht wird, sich über alle Maßen zu verschulden. Große Elektronikverkaufsmärkte bewerben 0% Prozent-Finanzierungen, die Banken verschicken Kreditangebote mit horrenden Zinsen und auch die Autoindustrie handelt dementsprechend. Da ist es nicht verwunderlich, dass gerade jungen Menschen sehr leicht der Kopf verdreht wird.

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Die häufigsten Ursachen für die Überschuldung

Es hat sich übrigens gezeigt, dass speziell junge Menschen sehr leicht beeinflussbar für ein spezielles Konsumverhalten sind, wobei hier sicherlich nicht verallgemeinert werden sollte.

Die Medien prägen allerdings unsere heutige Zeit stärker denn je und hier wird ein Lebensbild vermittelt, welches oftmals völlig unrealistisch ist. Den jungen Menschen wird suggeriert, dass das Leben eine einzige große Party ist, in welcher man gewisse Luxusgegenstände schlichtweg einfach benötigt. Mobilfunkverträge, welche auf den ersten Blick monatlich günstig erscheinen doch mit versteckten Kosten aufwarten, das Konsumieren an den Wochenenden, die Urlaubsreisen etc. bieten gefährliche Fallen für die Überschuldung.

Eine gute Ergänzung zu diesem Thema haben wir in dem Artikel Tipps zum Umgang mit Geld auf Kredite.net gefunden:

Jeder kennt die Situation, wenn vor dem inneren Auge ein Gegenstand der Begierde auftaucht. Das kann ein aktueller Tablet-Computer sein oder auch ein Paar sündhaft teure Schuhe. Subjektiv entsteht nun der Eindruck, dass dieses Objekt unbedingt angeschafft werden muss. Wehren Sie sich zunächst nicht dagegen. Allerdings machen Sie nun über mehrere Tage Internet-Recherchen und besuchen Sie auch Ladenlokale. Stellen Sie Preisvergleiche an und informieren Sie sich über Vor- und Nachteile zu anderen Modellen. Sie werden sehen, alleine durch diese Beschäftigung wird der Wunsch zum Kauf deutlich in den Hintergrund gedrängt und Sie erkennen, ob die Anschaffung wirklich nötig ist oder nicht.

Was passiert, wenn ich meine Schulden nicht bezahlen kann?

[sws_red_box box_size=“630″] Das Bewusstsein für dieses Problem ist also durchaus vorhanden. Zudem spart der Gesetzgeber seit Jahren an der Bildung der Menschen. Sie werden oftmals mit unzureichenden Kenntnissen über das Leben aus der Schule entlassen und mit völlig falschen Voraussetzungen für einen vernünftigen Start in den Alltag geschickt.[/sws_red_box]

Der statistisch gesehen häufigste Grund für die Überschuldung eines Menschen ist übrigens ein niedriger Verdienst. Billiglöhne haben sehr viel in der Marktwirtschaft kaputtgemacht, denn trotz des Umstandes, dass der Verdienst bei Weitem nicht ausreicht, wird dem Menschen vorgelebt, dass er konsumieren muss.

Viele Versuchungen vorhanden

Viele Versuchungen vorhanden

Die Medien vermitteln hier, dass sogar Studenten und Auszubildende ein Leben wie ein Großverdiener führen können, getreu dem Motto: Lebe jetzt – zahle später!

Doch gerade in der Ausbildung gilt Großvaters Lehrsatz heutzutage stärker denn je: Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Finanziell gesehen bietet ein Ausbildungsgehalt keine Grundlage für ein konsumgeprägtes Leben.

Einfach ausgedrückt – während der Ausbildung sind eine schicke Wohnung, ein tolles Auto und die Urlaubsreise schlicht und ergreifend nicht drin – besonders dann nicht, wenn die Verdienstaussichten nach der Ausbildung ebenfalls nicht rosig sind. Dieser Umstand jedoch wird von sehr vielen Menschen sehr gerne vergessen denn es ist heutzutage ja eine Selbstverständlichkeit, Schulden zu machen. Die daraus resultierende Überschuldungsgefahr wird sehr schnell auf die leichte Schulter genommen und ist immer noch ein Tabuthema, obgleich fast jeder in die Überschuldung reinrutschen kann.

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Präventivmaßnahmen gegen die Überschuldung!

Die Schuldenprävention sollte eigentlich schon sehr früh im Leben eines Menschen beginnen. Wichtig ist die Fähigkeit zu rechnen, die ein Mensch in der Schule erlernen sollte.

Es ist zwar richtig, dass an der Bildung gespart wird doch Mathematik gehört noch immer zum Lehrstoff und so merkwürdig es auch klingt, Schuldenprävention beginnt mit dem Rechnen von relativ simplen Zahlen. Als Ausgangslage gilt hierbei das stetig wiederkehrende monatliche Einkommen. Diese Zahl steht für das, was zur Verfügung steht und bildet die Grundlage für alles weitere.

Nunmehr kann der Auszubildende / arbeitende junge Mensch schauen, was mit dieser Zahl alles drin ist. Ein praktisches Beispiel soll ebenfalls genannt werden. Der Auszubildende Florian verdient monatlich 600€. Er lebt noch bei seinen Eltern und zahlt dort jeden Monat 150€ Kostgeld. Er hat seit geraumer Zeit eine Freundin, die jedoch nicht in seiner Stadt lebt. Aus diesem Grund hat er einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen, welcher ihn monatlich 40€ kostet. Dafür darf er telefonieren, soviel er will und auch simsen, soviel er will.

Florian und seine Freundin

Florian und seine Freundin

Der Junge ist darüber hinaus leidenschaftlicher Fußball-Fan von dem großen Verein seiner Stadt und hat in diesem Monat – da die Saison gerade startet – eine Dauerkarte im Wert von 400€ erworben.

Von seinen Eltern hat Florian ein Auto finanziert bekommen, dass er jedoch selbst betanken muss, da er seine Ausbildungsstelle in einer anderen Stadt innehat, die monatlichen Benzinkosten setzen wir mal mit 80 Euro an.

Seine Eltern zahlen die Versicherung, solange er bei ihnen wohnt! Seine Freundin hat vor Kurzem gefragt, ob er nicht Interesse hat mit ihm zusammenzuziehen. Sie hat aktuell immerhin eine Wohnung in Aussicht, die 600€ Warm kosten solle. Die Kosten könne man ja dann auch teilen. Allerdings hätte Florian dann einen weiteren Anfahrtsweg zur Arbeit, er müsste fast die doppelte Strecke fahren! Der Monat hat jedoch gerade erst angefangen, es ist der zweite Tag. Nun bekommt er einen Anruf von seinen Freunden, die mit ihm nach dem Stadionbesuch feiern gehen wollen. Bevor er jedoch feiern geht, verschafft sich der Auszubildende erst einmal einen genauen Überblick über seine derzeitigen Belastungen:

Ausbildungsgehalt 600€
– Kostgeld 150€
– Mobilfunkvertrag 40€
– Benzinkosten 80€
—————————
Gesamtergebnis 370€

Davon lässt sich sicherlich ein gemütlicher Abend finanzieren, könnte Florian jedoch eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin unterhalten? Nein, denn dann wäre er an seiner finanziellen Belastungsgrenze angelangt. Er müsste im Falle seines Auszuges seine KFZ-Versicherung selbst zahlen und hätte mit erhöhten Benzinkosten zu rechnen, ausserdem müsste er sich selbst verpflegen und man möchte ja noch Klamotten kaufen können usw. Wen man solche doch sehr schlichten Berechnungen schon nicht macht, wird man übrigens wohl erst recht kein Haushaltsbuch führen.

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Überschuldung kann jeden treffen und es ist wichtig, offen damit umzugehen. Der Gang zu einer Schuldnerberatung oder das Sprechen in der Familie ist keine Schande!

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Farzin Salimi
Mitte-Links: ©panthermedia.net Marc Dietrich
Unten-Links: ©panthermedia.net Runkersraith C.V. Schraml M.A.

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