Kolumne

Tod dem Pauker!

Von: Tilman Weigel

Als der Pauker von Niklashausen am 19. Juli 1476 in Würzburg auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, steckten dahinter keine wütenden Schüler. Zumals Hans Böhm auch kein Lehrer war, sondern ein echter Pauker, ein Musiker also.

Hans Böhm bei einer seiner Predigten (aus der Echter-Chronik, Mitte 16. Jahrhundert)

Auch das hätte ihn vermutlich nie auf den Scheiterhaufen gebracht. Der Name lässt vermuten, dass seine Familie aus Böhmen kam. Möglicherweise waren sie Anhänger des Reformators Jan Hus, die wie viele Glaubensbrüder nach Franken geflohen waren. Sicher ist, dass er wohl zur ärmeren Bevölkerungsschicht zählte und sich außer als Musiker sein Geld als Hirte verdiente.

Doch dann soll ihm nach der Fastnacht 1876 Maria erschienen sein. Aus dem Pauker – teilweise wird er auch als der Pfeifer von Niklashausen beschrieben – wurde ein Prediger. Er rief die Menschen auf, nach Niklashausen zu wallfahren. Dafür versprach er ihnen die Vergebung ihrer Sünden. Bis zu 40.000 Menschen sollen diesem Aufruf gefolgt sein. Nicht nur aus Franken, auch aus Altbaiern, Thüringen, Schwaben, dem Rheinland und aus dem Elsass sollen sie gekommen sein.

Hans Böhm auf dem Scheiterhaufen (aus der Echter-Chronik, Mitte 16. Jahrhundert)

Das hätte der geistlichen Obrigkeit durchaus gefallen können. Wallfahrten waren damals ein gutes Geschäft. Doch Hans Böhm äußerte einige Ansichten, die den Bischöfen in Mainz und Würzburg überhaupt nicht passten. So kritisierte er die Macht und die Verschwendungssucht der Priester und Bischöfe.

Die Kirche war aufgrund ihrer Reichtümer damals längst Beute des Adels geworden. Bischof wurde man nicht aus Frömmigkeit, sondern wegen der damit verbundenen Macht. Noch immer war Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg damit beschäfigt, die Schulden abzutragen, die seine Vorgänger aufgetürmt hatten. Allen voran Johann II. von Brunn, der auch den Frauen sehr zugetan gewesen sein soll. Kein Wunder, dass die Kritik an der Geistlichkeit auf offene Ohren stieß. Hans Böhm wurde sogar vom Mönch eines Bettelordens unterstützt.

Der Pauker forderte nicht nur mehr Bescheidenheit und Frömmigkeit der kirchlichen Würdenträger. Auch die Überführung von Land und Gewässern in gemeinsamen Besitz stand auf der Liste. Also musste der Pauker weg. Mittlerweile sollte er bis zu 70.000 Anhänger gehabt haben. Also lies man ihn unter dem Vorwurf der Ketzerei verhaften. Zwar zogen tausende Wallfahrer friedlich vor den Würzburger Amtssitz des Fürstbischoffs, doch das Todesurteil stand schon fest.

Am 19. Juli 1476 wurde er nach nur wenigen Monaten des Wirkens verbrannt. Einige seine Anhänger sollen bis zum Schluss auf ein Wunder gehofft haben. Die Revolution der Bauern war damit aber nur verschoben. Rund 50 Jahre später war Würzburg eines der Zentren des Bauernaufstandes.

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