Kolumne

Tattoos: Lebensgefühl, Statement und Kunstform

Gib es zu: Du hast schon einmal darüber nachgedacht, dir ein Tatoo machen zu lassen. Vielleicht nur ein ganz kleines. Viele denken, Tätowierungen sind ein relativ neuer Trend, eine aus der Rock-Kultur entstandene Mode. Doch ganz im Gegenteil: Schon der bekannte Eismann „Ötzi“ hatte Tattoos – vor 5250 Jahren. Es gibt sie (fast) seitdem die Menschheit besteht.

Tätowierte Frau | © panthermedia.net /olly18 Tätowierte Frau | © panthermedia.net /olly18

Erst in den letzten zwei Jahrhunderten haben wir in Europa Manifestationen der Tätowierung erlebt, die auf den Ober- und Unterarmen und Oberkörpern von Soldaten, Seeleuten und den Ausgestoßenen der Gesellschaft eher unschöne „Kainsmale“ bildeten. In Form von militaristischen und rebellischen Emblemen oder als Teufel, Delfine, Dolche und gebrochene Herzen stellten diese eher Statements als eine Zierde dar.

Heute wird das Design von Tätowierungen zu einer immer anspruchsvolleren Disziplin und von vielen Kunsttheoretikern als neuer Zweig der bildenden Kunst angesehen. Der Tätowierer, einst an den Rand der Gesellschaft verbannt, ist heute ein fester Bestandteil der zeitgenössischen Populärkultur und ihre Aufnahme in den Mainstream steht außer Zweifel.

Keine „schwarze Kunst“ mehr

Was einst als „schwarze Kunst“ galt, ist heute eine stark regulierte Branche, in der akkreditierte Praktiker tätig sind, von denen viele über formale Qualifikationen auf Kunst- und Designebene verfügen. Die Debatte darüber, ob Tätowierungen als Kunstform in Betracht zu ziehen sind oder nicht, ist noch voll im Gange. Unbestritten ist die Bedeutungstiefe und Dauer des Erbes, die das Tätowieren in der Menschheitsgeschichte ausmachen.

Die Ursprünge des Tattoos

Tätowiermaschine | © panthermedia.net /ivanriver

Tätowiermaschine | © panthermedia.net /ivanriver

Der Begriff „Tätowierung“ ist ungefähr 12.000 Jahre alt, hat seinen Ursprung in der Kultur Tahitis und bedeutet „Markieren“.

Die Praxis des Tätowierens wird auch in Quellenmaterial aus dem alten Ägypten erwähnt. Als sich das ägyptische Reich in ganz Asien und Europa ausbreitete, manifestierte sich das Tätowieren in Griechenland, Arabien und Persien, bevor es etwa 2000 v. Chr. in China auftauchte. Parallel dazu entwickelte sich das Tätowieren in der Kultur der Kelten ebenfalls schon tausende Jahre.

Das Tätowieren hatte verschiedene Zwecke. Dies wurde durch die Entdeckung einer Leiche nachgewiesen, die im Gletschereis der Ötztaler Alpen zwischen Italien und Österreich eingefroren wurde. Der Körper des „Ötzi“ genannten Mannes trug etwa 3250 v. Chr. dutzende von Tintenlinien, Markierungen und Kerben, die in Hautbereiche eingraviert waren, die mit den Gelenken und der Wirbelsäule in Verbindung standen. Dies deutet darauf hin, dass diese eher einer medizinischen als einer dekorativen Funktion dienen sollten.

Die Geschichte des Stammestätowierens

Während die Römer Tätowierungen verwendeten, um Sklaven und Verbrecher zu identifizieren bzw. zu markieren, kennzeichneten die Polynesier und Ainu im Norden Japans den sozialen Status im Allgemeinen mit Tätowierungen. Beispielsweise wurden verheiratete Frauen und Frauen im heiratsfähigen Alter mit Tätowierungen gekennzeichnet.

Die Polynesier unterschieden visuell zwischen Stämmen und anderen Gemeinschaften mit Tätowierungen, und dies entwickelte sich zu dem unverkennbaren Moko-Stil, der im modernen Neuseeland – und nicht nur dort – noch immer verwendet wird.

Nicht alle Tätowierungen sollten die Aufmerksamkeit auf sich und ihren Träger lenken. Einige Tätowierungen waren als subtile Verschönerung und Schmuck gedacht, und manche Kulturen setzen die seit Tausenden von Jahren zurückgehenden Traditionen des Tätowierens bis heute fort. Zum Beispiel die Stammesfrauen aus der Republik Mali in Westafrika, die ihr Zahnfleisch tätowieren, um Alter und Familienstand zu zeigen.

Die kriminelle Welt der Tätowierungen

Rücken tätowiert | © panthermedia.net /nuitgarden

Rücken tätowiert | © panthermedia.net /nuitgarden

Für viele geht die Bedeutung des Tattoos weit über die dekorative oder kosmetische Attraktivität hinaus. Für Bandenmitglieder und solche, die mit anderen Formen krimineller Aktivitäten, einschließlich der Inhaftierung im Gefängnis, in Verbindung stehen, ist Körperkunst eine sehr ernste Ausdrucksform und zeigt Status, Zugehörigkeit und vergangene Taten an. Für diese Subkultur ist das Tattoo symbolisch von großer Bedeutung für diejenigen, die deren verschlüsselte Botschaften lesen können.

Ein herausragendes Beispiel für die Verwendung von Tätowierungen durch Banden sind die japanischen Yakuza, ein organisiertes Verbrecherkollektiv, dessen Mitglieder seit Jahrhunderten anhand ihrer Ganzkörper-Tätowierungen, die als „Irezumi“ bekannt sind, identifiziert werden können. Normalerweise werden diese mit einer einzigen Nadel manuell aufgetragen, und daher ist ihre Anschaffung sowohl arbeitsintensiv, teuer als auch schmerzhaft.

In amerikanischen und russischen Gefängnissen, in denen Tätowieren streng verboten ist und die Ausrüstung notwendigerweise selbst hergestellt wird, sind Tätowierungen zu einem komplexen Mittel geworden, um Geschichte, Erbe und Status oder bedeutende Lebensereignisse durch ein ausgeklügeltes Symbolsystem zu kommunizieren. Mitgefangene können die gesamte kriminelle Vergangenheit und das aktuelle Ansehen eines Mithäftlings an den Tattoos ablesen.

In Strafsubkulturen werden Tätowierungen mit einer Vielzahl von Hilfsgeräten, die von Stiftspitzen und Büroklammern bis zum spitzen Ende einer Metallgitarrensaite reichen, in die Haut eingefärbt. Der Prozess ist schmerzhaft und gefährlich und impliziert, dass der Empfänger in der Lage ist, die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu ertragen. Infektionen kommen dabei häufig vor.

Tätowierungen in den 1960er-Jahren

Tätowierte Frau | © panthermedia.net /AllaSerebrina

Tätowierte Frau | © panthermedia.net /AllaSerebrina

Die 1960er-Jahre markierten einen entscheidenden Punkt in der Geschichte der Tätowierung. Ein amerikanischer Künstler namens Lyle Tuttle trug viel dazu bei, das soziale Ansehen des Tattoos zu verbessern, indem er sein Handwerk an mehreren Prominenten der Zeit übte. Dazu gehörten die Musikerinnen Cher, Janis Joplin, der Filmschauspieler Henry Fonda und der Gitarrist Paul Stanley. So wurden Tattoos als Teil der Pop- und Rockkultur in der westlichen Welt wieder „salonfähig“.

Tätowierungen in der Gegenwart

Seit mehreren Jahrzehnten wird das Tätowieren nicht länger als Teil der von Männern dominierten Subkulturen betrachtet: Da das Tatoodesign immer raffinierter und innovativer wird, ist das Tätowieren weithin akzeptabel geworden, auch für Frauen.

Das Tätowieren als Kunstform ist schon seit Jahrtausenden Teil der Universalkultur und wird in absehbarer Zeit nicht aussterben. Auch wenn sich Geschmäcker und Techniken ändern und weiterentwickeln, scheint das Tattoo die Fähigkeit zu haben, sich an die Bedürfnisse und Wünsche jeder neuen Welle der Jugendkultur anzupassen. Nur wenige Modeerscheinungen können diesen Anspruch geltend machen.

Ein paar Fakten zu Tätowierungen

  • 1. Vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Tätowieren ein rein manueller Vorgang. Im Jahr 1891 wurde die elektrisch betriebene Rotationstätowiermaschine jedoch von dem New Yorker Samuel O’Reilly erfunden. O’Reilly stützte sich bei seiner Erfindung auf den autografischen Druckstift von Thomas Edison, im Wesentlichen ein Gravurwerkzeug.
  • 2. In Bezug auf maschinell erzeugte Tätowierungen ist es interessant zu wissen, dass moderne Geräte eine feste Nadel verwenden, um die Haut zwischen 50 und 3.000 Mal pro Minute zu durchstechen.
  • 3. Die Leistungsspanne der Tätowierer ist sehr weitreichend und weist große Unterschiede auf. Daher ist es wichtig, sich vorher gut über das Tattoostudio, was man favorisiert, zu informieren. Damit die Qualität des Tattoos später wirklich deinen Vorstellungen entspricht, ist eine Profi-Beratung im Voraus unabdingbar. Kompetente und erfahrene Tätowierer, wie zum Beispiel im Tattoo Studio Anansi in München, verfügen über ein geschicktes Handwerk und können dein Tattoo genau so gestalten, wie du es wünschst.
  • 4. Die Tätowierung ist über den Faktor Ästhetik im Mainstream angekommen, wobei die Popularität kosmetischer Tätowierungen in den letzten Jahren enorm angestiegen ist. Zum „Permanent Make-up“ gehören das Schattieren der Augenbrauen, das Nachzeichnen der Umrisse der Lippen und die Nachahmung von Eyeliner.
  • 5. Eine Tattooentfernung kann kostspielig, langwierig und schmerzhaft sein. Deshalb ist es wichtig, ein Tattoo niemals aus einer Laune heraus machen zu lassen. Wende dich an ein Tattoo-Studio deines Vertrauens und überlege genau, welches Motiv du wirklich bis zu deinem Lebensende auf deinem Körper tragen möchtest. Sehr gute Tattookünstler sind in der Lage, mit sogenannten „Cover-Ups“ schlecht gemachte Tattoos oder unerwünschte Motive gekonnt zu kaschieren.
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