Kolumne

So wurde um 1930 in Niederbayern geheiratet und gefeiert – Teil 1

Von: Tanja Ranzinger

foto-tanja-27Geheiratet wurde schon immer, früher allerdings etwas anders als heutzutage. Wie eine Hochzeit in Niederbayern vor gut 80 Jahren ablief, das wollen wir Ihnen in drei Teilen verraten.

Hatten sich zwei die Ehe versprochen, wurde ein Hochzeitlader ausgesandt, der die Gäste eingeladen hat.

Mit folgendem Spruch ging er die Liste der Gäste ab.

Als Hochzeitslader wohlbekannt,
von einem Brautpaar ausgesandt,
zieh´ ich durch Wald und Feld,
zu jedem, dem ein Gruß bestellt.
Der tugendsame Jüngling Helmut
Und seine vielgeliebte Braut Maria
Geben sich die Ehre,
sie zur Hochzeit zu laden
am 2. Mai
im Gasthaus zur goldenen Post.
Alsdann erwünscht sich das Brautpaar bei Ihnen
einen frischfröhlichen Hochzeitsgast.

Geheiratet wurde schon immer, damals noch in schwarzweiß - Foto: © Foto: Dieter Schütz / PIXELIO

Geheiratet wurde schon immer, damals noch in schwarzweiß – Foto: © Foto: Dieter Schütz / PIXELIO

Anschließend malte der Hochzeitslader einen Hochzeitsstrauß an die Stubentüre, daneben schrieb er das Mahlgeld und das Datum der Hochzeit. Das Mahlgeld war zu früheren Zeiten vorgegeben, es diente dazu, die Kosten für das reichliche Essen zu decken. Wurden von einer Familie mehrere Mitglieder eingeladen, wurde für jedes ein Hochzeitsstrauß an die Stubentüre und das zugehörige Mahlgeld geschrieben.

Als dann der Tag der Hochzeit kam, holte der Hochzeitslader zusammen mit dem Bräutigam die Braut im Elternhaus ab. In der Stube des Elternhauses sprach er zu den Eltern.

Nachdem Eure Tochter heute das Elternhaus als Braut verlässt,
so darf ich für sie sprechen:
Sie bedankt sich bei ihren Eltern für die gute christliche Erziehung,
besonders der Mutter sei recht herzlich gedankt für die vielen schlaflosen Nächte,
die sie ihretwegen zugebracht.

Je nachdem, wie die Familiensituation war, schloss sich noch ein Dank an Geschwister oder Großeltern an.

Zum Schluss darf ich die Eltern ersuchen,
Ihrer Tochter zum Abschied den christlichen Segen zu geben.

Wie der eigentliche Hochzeitstag ablief, das erfahren Sie im 2. Teil der Hochzeitsreise durch die Geschichte.

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