Kolumne

Schloss Neuschwanstein – Märchenschloss als königliche Therapie

Von: Jutta Schneider

Schloss NeuschwansteinWahrzeichen Bayerns, und Publikumsmagnet (pro Jahr 1,3 Millionen Besucher aus aller Welt) – so hatte sich das der Bauherr, König Ludwig II., nicht gedacht!

Er wollte eine Burg bauen, die ihm seine Königswürde zurückgeben sollte. Nur ihn alleine und seine Träume sollte sie beherbergen, höchstens sein verehrtes Idol, Richard Wagner hätte in einem der Gästezimmer unterkommen dürfen, und damit dieser sich einst wohlfühlen sollte, ließ Ludwig die meisten der Gemächer mit Szenen bemalen, die aus Wagneropern, bzw. aus dessen Vorlagen aus der deutschen Sagenwelt entsprangen.

Bayerisches Symbol: Schloss Neuschwanstein – Foto: Softeis

Es kam aber alles ganz anders. Als 1866 Bayern zusammen mit Bündnispartner Österreich den Krieg gegen Preußen verlor, wurde dem Königreich Bayern sozusagen als Strafe ein Schutz- und Trutzbündnis auferlegt. Im Falle eines weiteren Krieges sollte König Ludwig II. keinerlei Macht mehr über sein Heer haben dürfen, sondern es stattdessen der Siegermacht Preußen überlassen. Zwar war Ludwig II. wohl der friedliebendste bayerische König aller Zeiten, diese Entmachtung ärgerte ihn aber trotzdem. Zu seinem Glück verfügte er über die Kraft, sich in seine Fantasiewelt zu flüchten. Er nahm sich vor, sein eigenes, unverwundbares Königtum zu bauen und zu erhalten.

Schloss Neuschwanstein noch im Bau (um 1883)

Die Idee für Neuschwanstein war geboren. Vorderhohenschwangau und Hinterhohenschwangau waren die beiden Burgruinen aus dem Mittelalter, die als Grundlage für den Neubau dienten, der zunächst „Neue Burg Hohenschwangau“ heißen sollte. Zu Anfang waren mittelalterliche Ritterburgen im Allgemeinen als Vorbild für das neue Bauprojekt im Gespräch, dann war es die Nürnberger Burg, die als Vorlage dienen sollte. Als der König die Wartburg in Eisenach gesehen hatte, änderte er seine Pläne erneut und wollte nun eine Burg bauen, die in etwa der Burg entsprach, die damals schon als Wiege der deutschen Geschichte galt.

Den Namen Schloss Neuschwanstein erhielt das fertiggestellte Märchenschloss erst im Jahr 1886 – das war auch das Todesjahr des Königs. Er konnte nur wenige Monate in seinem Traumschloss wohnen. Richard Wagner war dort übrigens nie zu Gast.

Schloss Neuschwanstein ist heute im Besitz der Bayerischen Schlösserverwaltung, die sich um den Erhalt des Bauwerks bemüht. Es gehört zum Ort Hohenschwangau in der Nähe von Füssen in Oberbayern. Besuchern sei empfohlen, ein Ticket zur Besichtigung bereits unterhalb des Schlosses im dortigen Ticketcenter zu erstehen, da direkt am Schloss kein Verkauf von Eintrittskarten stattfindet.

Kommentar hinterlassen