Kolumne

Säumerfest in Grafenau – als das Salz noch als weißes Gold bezeichnet wurde

Von: Tanja Ranzinger

Wie jedes Jahr findet auch 2011 das Säumerfest in Grafenau statt. Am ersten Samstag im August erlebt der Grafenauer Stadtplatz wieder eine Zeitreise. Dabei wird die Zeit um ein halbes Jahrtausend zurückgedreht in die Zeit der Säumer, welche den Stadtplatz zum Umschlageplatz für Salz und andere mittelalterliche Waren erklären.

Der Einzug der Salzsäumer und Gaukler – Foto: JNM

Grafenau war der Mittelpunkt des Salzhandels zwischen Böhmen und Bayern. Direkt an der Salzstraße gelegen, damals „Gulden Straß“ genannt, wurden über den goldenen Steig von den Säumern Waren von den Häfen der Donau (Passau, Vilshofen) bis nach Böhmen transportiert. Haupttransportmittel waren damals Pferde und Maulesel, welche schwere Planwagen zogen, auf denen sich das kostbare Salz, aber auch Gewürze, Wein und Tücher befanden. Die Säumer kamen allerdings nie leer nach Hause, so brachten sie dann im Austausch neben tierischen Produkten (Fisch, Schmalz, Eier) hauptsächlich Getreide mit nach Bayern, welches sie dann an die einheimische Bevölkerung verkauften. Für die Säumer war der Herbst die Haupthandelszeit, in der sie das meiste Geld verdienten.

Das Salzsäumerfest in Grafenau möchte an diese Zeit erinnern. Tradition ist es, dass ein Salzsäumerzug, welcher anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Ernennung zur Stadt Grafenau durch Kaiser Karl IV. begangen wurde, dieser das erste Mal im Jahr 1976 stattfand. Seitdem zieht bis heute jedes Jahr ein Säumerzug mit verkleideten Salzsäumern, Pferden und Planwagen von Haus im Wald bis nach Grafenau, wo sie bereits von vielen Marktbesuchern schon erwartet werden. Natürlich wird dabei der Säumerzug vom örtlichen Spielmannszug, vielen Gauklern sowie dem Trachtenverein und der Bürgerwehr begleitet.

Salz, damals wie heute ein wertvolles Gut – Foto: Ralf Roletschek

An besonderen Anlässen, wie zum Beispiel dann, wenn eine der beiden Partnerstädte Schärding in Österreich, oder Bergreichenstein in Tschechien ein Jubiläum feiern, gehen die Salzsäumer sogar den gesamten Weg von Schärding bis nach Bergreichenstein.

Das Säumerfest am Stadtplatz

Wie schon erwähnt, findet das Säumerfest immer am ersten Samstag im August statt. Neben vielen leckeren Schmankerln, kann man auch das Lagerleben der Säumer anschauen, welches sie so naturgetreu wie möglich darzustellen versuchen. Der mittelalterliche Markt dauert bis weit in die Nacht hinein. Neben dem erheiternden Komödiantenspiel, bekommt man Musik zu hören und kann sich das historische Handwerk ansehen. Action wird beim Bogenschießwettbewerb geboten, sollten auch Sie sich darin einmal versuchen wollen, können Sie das auf jeden Fall beim Säumerfest in Grafenau tun.

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