Kolumne

Pfingstrituale in Bayern | Wie wird gefeiert?

Pfingstrituale Pfingstrituale
Pfingstrituale

Pfingstrituale

Pfingsten ist nach Weihnachten und Ostern der wichtigste christliche Feiertag. Die Gläubigen feiern die Entsendung des Heiligen Geistes.

Über die Jahrhunderte haben sich rund um das Fest viele Bräuche überliefert. Diesen wird auch noch heute in vielen Gegenden Deutschlands nachgegangen. Genannt seien hier der Pfingstbaum, das Pfingstfeuer, der Pfingstkranz und das Pfingstwasser.

Am Bekanntesten ist sicher der Pfingstochse. Hierbei wird ein mit Blumen und Kränzen festlich geschmückter Ochse durch das Dorf getrieben. Umgangssprachlich hat sich der Begriff auch für denjenigen durchgesetzt, der am Pfingstsonntag am längsten im Bett bleibt. In Bayern werden diese Langschläfer jedoch als Pfingstesel bezeichnet. In dem nun folgenden Artikel möchte ich auf weitere bayerische Pfingsttraditionen und Brauchtümer näher eingehen.

Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ – Pfingsten 2009

Das Pfingstvogelsingen und das Engelmarisuchen

Im Passauer Raum gibt es die Tradition des Pfingstvogelsingens. Am Pfingstsonntagabend, nach Einbruch der Dunkelheit, ziehen die Sänger, die sich „Wasservögel“ nennen, von Haus zu Haus.

Nach dem Ständchen werden sie von den Bewohnern aus deren Fenstern und Balkonen mit Wasser begossen. Anschließend erhalten die „Wasservögel“ ein Geschenk, meist in Form von ein paar Münzen. Die Tour endet in einem kleinen Fest, welches von den Einnahmen bestritten wird. In Sankt Engelmar gibt es einen Pfingstbrauch, der schon über 900 Jahre alt ist.

Eine lebensgroße Figur des Ortsheiligen Egelmar wird im Wald versteckt. Nun begibt sich eine Prozession auf die Suche. Wird die Figur entdeckt, verkündet ein „Engel“ auf einem Felsen den Erfolg der Suche. Die gefundene Figur des Heiligen wird nun auf einen Wagen gestellt und in einer feierlichen Prozession in die Pfarrkirche zurückgebracht. Dieser Brauch geht auf eine Legende zurück. Der heilige Engelmar lebte als Einsiedler in den nahegelegenen Wäldern. Hier wurde er aus Missgunst von einem Gefährten erschlagen und anschließend verscharrt. Lange Zeit vermisste man den Heiligen. Eines Tages kam jedoch ein Geistlicher an dem Ort des Verbrechens vorbei und ein seltsames Licht zeigte ihm an, wo sich Engelmars Leiche befand. So konnte der tote Heilige zurück in den Ort gebracht werden. Seit dieser Zeit wird das Ereignis von den Einwohnern von Sankt Engelmar nachgespielt.

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Der Kötztinger Pfingstritt

Eine besonders spektakuläre Pfingsttradition ist der Kötztinger Pfingstritt. An dieser reinen Männerprozession beteiligen sich über 900 Reiter. Diese tragen historische Trachten und ihre Pferde sind festlich geschmückt.

Die Prozession geht über 7 Kilometer und zieht jedes Jahr an die 50.000 Touristen an. Auch dieser Brauch geht auf eine Legende zurück. In einer abgelegenen Gegend lag im Jahr 1412 ein Mann im Sterben. Der Ortsgeistliche von Kötztingen wollte dem Mann, die letzten Sakramente geben. Er hatte jedoch Angst vor den vielen Räubern, die in der Gegend ihr Unwesen trieben.

Die Burschen aus Kötztingen schlugen dem Geistlichen vor, ihn auf diesen Weg zu begleiten. Dankbar nahm dieser das Angebot an. Nach ihrer glücklichen Heimkehr gelobten sie, diesen Ritt alljährlich zu Ehre Gottes zu wiederholen.

Die bayerischen Pfingstbräuche zeichnen sich durch Originalität und Lebensfreude aus. Gerade in den vielen kleinen Dörfern des Landes gibt es noch viel zu entdecken. Sie sind Ausdruck eines gelebten Glaubens und einer Tradition, die nicht in Vergessenheit geriet, sondern über die Jahrhunderte gepflegt wurde.

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