Kolumne

Otfried Preußler, nicht aus Preußen

Das kleine Gespenst Das kleine Gespenst
Das kleine Gespenst

Das kleine Gespenst

Der Schriftsteller hieß Preußler und der Wachtmeister Dimpfelmoser trug eine Pickelhaube. Für mich als kleines Kind war das beruhigend, offenbar war der Räuber Hotzenplotz ein Preuße und bei uns in Bayern nicht anzutreffen.

Tatsächlich ist Otfried Preußler, der Schöpfer des Räuber Hotzenplotzes, weder in Preußen noch in Bayern geboren, sondern in Reichenberg in Böhmen. Gleich nach dem Abitur wurde er zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt. Weitere zwei Jahre später geriet er in Kriegsgefangenschaft und musste fünf Jahre in verschiedenen Lagern verbringen.

Als er 1949 frei kam waren seine Verwandten und seine Freundin aus Böhmen vertrieben worden und hatten sich in der Nähe von Rosenheim niedergelassen. Dorthin ging auch Otfried Preußler und dort lebt er bis heute. Schon als Kind hatte sich Preußler für Märchen, Sagen und Legenden begeistert. Bereits 1951 veröffentlichte er seine ersten Geschichten. Allerdings wurde er zunächst Volksschullehrer. „Lehrer erzählt zu viel, Klasse zu laut“ soll eine Schulräten über den Unterricht geschrieben haben.

Die kleine Hexe kapitel 1: die kleine Hexe hat Ärger

Ehemaliger Schulrektor

Trotzdem stieg Otfried Preußler bis zum Rektor der Volksschule in Stephanskirchen auf. Bis 1970 blieb er in diesem Amt. Da war er längst ein erfolgreicher Schriftsteller. 1956 hatte die Geschichte vom kleinen Wassermann veröffentlicht, 1957 die von der kleinen Hexe und 1962 betrat der Räuber Hotzenplotz die Bühne.

Eigentlich wollte sich Preußler damit nur eine Auszeit von Krabat nehmen, jener sorbischen Volkssage über einen Waisenjungen, der bei einem Zauberer in die Lehre geht, die Preußler als sein Hauptwerk bezeichnet.

Kritiker waren streng

Bekannter sind andere Bücher geworden. Beispielsweise das vom kleinen Schlossgespenst und immer wieder der Räuber Hotzenplotz, über den Preußler gleich drei Bücher geschrieben hat. Gut angekommen ist er damit bei Kritikern und Pädagogen der 1960er und 1970er Jahre nicht. Statt den Atomkrieg, die Dritte Welt, Arbeitslosigkeit oder Drogensucht zu thematisieren besaß dieser Mann die Frechheit über Bratwurst klauende Räuber und Pflaumenkuchen backende Großmütter zu schreiben. Nicht einmal ein bisschen Waldsterben kam im Hotzenplotz vor, der seinen Namen übrigens von einer Stadt in Mähren hat. Dabei sind Preußlers Bücher längst nicht alle unpolitisch. Nicht nur Krabat nicht, in dem es um Verführung und Macht geht. Doch letztendlich, da ist sich der langjährige Volksschullehrer sicher, sollen Kinder erst mal Kinder sein und keine Jungpolitiker.


Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Linda Brotkorb

Kommentar hinterlassen