Kolumne

Nach der Flut | Wie gehen die Aufräumarbeiten in Bayern voran

Nach der Flut Nach der Flut
Nach der Flut

Nach der Flut

Anfang Juni hat das Hochwasser in Deutschland unsere Nachrichten bestimmt.

Am stärksten betroffen war die Region Niederbayern um Deggendorf und Passau herum. Uns sind noch die Bilder präsent, die ein Hochwasser von bisher nicht gekanntem Ausmaß zeigten. Eine Autobahn, die völlig überflutet war und dann das für uns alle Unvorstellbare: ganze Ortsteile waren förmlich in den Hochwasserfluten untergegangen. Nur die Dächer waren teilweise noch sichtbar. Wir haben immer noch die Berichte über Bauern vor Augen, die mit ihren Tieren auf ihrer vom Hochwasser umgegebenen Hofstelle ausharrten, ihr eigenes Leben riskierten, um das ihrer vielen Tiere nicht aufzugeben.

Inhalte des Artikels
Nach der Flut | Wie gehen die Aufräumarbeiten in Bayern voran
Traurige Bilanz nach der Flut
Aufräumarbeiten größtenteils abgeschlossen
Quellen

Die braune Brühe, die teilweise mehrere Meter hoch stand, hat die Häuser zum größten Teil unbewohnbar gemacht. Bis zuletzt hatten Bewohner noch versucht, ihr Eigentum, ihr Hab und Gut zu retten. Selbst bei äußerster Lebensgefahr harrten viele Menschen auf den Dächern ihrer Häuser aus. Schließlich mussten auch sie den hoffnungslosen Kampf gegen die Flut aufgeben und wurden teilweise unter Einsatz von Hubschraubern gerettet.

Traurige Bilanz nach der Flut

Das langsam weichende Wasser hat materielle Schäden in Milliardenhöhe hinterlassen. Nicht zu beziffern sind sicherlich die immateriellen und seelischen Schäden, die durch die Macht der gewaltigen Flut bei den Menschen zurück geblieben sind. Als die Menschen in Bayern nach der Flut wieder in ihre Häuser zurückkehren können, müssen sie das, was sie dort erwartet, erst einmal verarbeiten. Die gesamten Einrichtungen der Häuser sind überwiegend völlig zerstört und müssen entsorgt werden. Auch persönlich Dinge und Erinnerungsstücke sind der Flut zum Opfer gefallen. Kleidung, Handtücher und Wäsche muss entsorgt werden. Die Menschen haben teilweise nur noch das, was sie am Körper tragen.

Die Häuser müssen teils entkernt, teils aber auch abgerissen werden. Menschen haben ihre Existenzen und Geschäfte verloren. Ebenso wie bei den Versuchen, das Wasser mit Sandsäcken fernzuhalten, halten die Menschen auch bei den Aufräumarbeiten zusammen. Helfer kommen aus allen Teilen Deutschlands in die Hochwassergebiete und stellen ihre Hilfe uneigennützig zu Verfügung.

Eine Solidarität von bisher nicht gekanntem Ausmaß macht sich in Deutschland breit.

Meisten Schäden sind beseitigt

Meisten Schäden sind beseitigt

Aufräumarbeiten größtenteils abgeschlossen

Nach der schrecklichen Jahrhundertflut sind die Aufräumarbeiten in den Flutgebieten in Bayern weitestgehend abgeschlossen Zumindest auf den ersten Blick! Innerhalb der bereits wieder hergerichteten Fassaden beginnen jetzt erst die Sanierungsarbeiten. Die Betroffenen haben zuvor mit Versicherungen verhandelt, aber auch abwarten müssen, ob und in welcher Höhe finanzielle Hilfe für jeden einzelnen aus Berlin zu erwarten ist. So wurden in Passau bisher rund 7,4 Millionen Euro an staatlichen Hilfsgeldern auf 1500 Privathaushalte und 500 Gewerbebetriebe verteilt. Der Schaden der Stadt Passau selbst beläuft sich auf etwa 10 Millionen Euro.

Den nüchternen Zahlen stehen aber auch nach teilweise erledgten Aufräumarbeiten traurige Hinterlassenschaften der Flut gegenüber. So hat beispielsweise das Kellergewölbe im berühmten „Scharfrichterhaus“ in Passau einen derart großen Schaden erlitten, dass es in der ursprünglichen Form nicht mehr existieren wird. Auch in Deggendorf laufen die Aufräum- und Sanierungsarbeiten auf Hochtouren. Teilweise ist die Färbung des Wassers noch an den Hauswänden zu sehen. Vielfach wird am Putz der Fassaden gearbeitet. Aber auch hier gibt es Menschen, die stärker betroffen sind als andere. So musste beispielsweise die Doppelhaushälfte einer Familie komplett abgerissen werden, da Öl in das gesamte Mauerwerk eingedrungen war. Die Familie steht nun vor einer leeren Baugrube und hofft auf die zugesagte Wiederaufbauhilfe des Staates.

Auch der Wiederaufbau von zwei durch die Flut beschädigten Brücken im Landkreis Deggendorf wird erst im kommenden Jahr beginnen. Eine Reparatur der Brücken wäre aufgrund des beträchtlichen Schadens unwirtschaftlich.

Die Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe werfen aber noch weitere Probleme auf. Die dringend für die Reparaturen und den Wiederaufbau benötigten Handwerkerfirmen sind teilweise selbst vom Hochwasser derart stark betroffen, dass eine Annahme von Aufträgen kaum möglich ist. Auch alle umliegenden Betriebe sind bis auf Weiteres mit Aufträgen eingedeckt. Auch hier zeigte sich erneut die starke Solidarität in der Bevölkerung.

In der Region Deggendorf haben sich 17 Mitarbeiter aus Betrieben der Sanitär- und Heizungstechnik-Innung bereit erklärt, zwei Arbeitstage unentgeltlich am Wiederaufbau eines durch die Flut stark geschädigten Handwerkbetriebes zu helfen. Beispielhaft haben diese Mitarbeiter ihre betroffenen Kollegen unterstützt, statt ihnen etwa durch die Übernahme von Aufträgen Konkurrenz zu machen. So hat die Hochwasserkatastrophe vor allem in Bayern viele Geschichten geschrieben. Zum einen die vielen traurigen Schicksale, zum anderen aber auch die mutmachenden Begebenheiten um die einzigartige Solidarität der Menschen untereinander. Die bayrische Staatsministerin Emilia Müller beschrieb diese einzigartigen Eindrücke mit den Worten: „die Welle der Solidarität war größer als die Flut.“

Aber: Nach der Flut ist vor der Flut.
Inwieweit die Menschen aus der Katastrophe gelernt haben, muss sich in der Zukunft zeigen. Auf das nächste Hochwasser sollten wir jedenfalls vorbereitet sein.

Quellen:

http://www.br.de/nachrichten/niederbayern/bruecken-hochwasser-deggendorf-100.html

http://www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Pfoerring-Heizungsbauer-aus-dem-Landkreis-packen-in-Deggendorf-mit-an;art5

http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/artikel/1000-helden-in-der-uni-mensa/947615/1000-helden-in-der-uni-mensa.htm

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Manuela Schüler
Artikelbild Mitte: ©panthermedia.net Jens Siggelkow

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