Kolumne

Mein Radweg, der Main-Radweg

Von: Sebastian Herbst

Ich habe den Main-Radweg einfach einmal zu meinem Radweg auserkoren. Nicht, weil ich irgendwie besonders mit ihm verbunden wäre oder ich jahrhundertealte Ansprüche auf irgendeinen Landstrich hätte, von denen ich erst jetzt durch eine mittelalterliche Urkunde erfahren habe. Nein, es ist einfach „Mein Radweg“, weil er wie kein anderer jedem eindrucksvoll die Schönheit der Natur, insbesondere die des Maintals, präsentiert.

Prallel zum Mainverlauf ist auch der Main-Radweg zu finden – Foto: SeballaOne

Dieser Eindruck ist nicht nur subjektiv, das bestätigt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, der im Jahr 2008 den Main-Radweg als ersten überhaupt mit fünf Sternen auszeichnete. Hier half ihm sicherlich die Tatsache, dass 90% der insgesamt rund 600 km langen Strecke durch landschaftlich reizvolle Gegenden führen, und das auf Radwegen oder wenig benutzen Nebenstraßen. 77% dieser Wege sind dann auch noch breiter als 2,5 Meter und dadurch überaus komfortabel zu befahren. So viel zumindest zu den harten Fakten. Für jemanden, der den Weg schlussendlich jedoch auch abfahren will, für den zählen wohl ganz andere Werte.

Hier entspringt der Weiße Main – Foto: Schubbay

Kommen wir also zunächst zum Startpunkt. Dieser kann, je nach Wunsch, entweder der Ursprung des Weißen Main und damit der Ochsenkopf in der Gemeinde Bischofsgrün, oder aber der des Roten Mains bei Creußen sein. Nach ca. 50 km vereinen sich dann beide Flüsse bei Kulmbach zum eigentlichen Main, und es gibt nur noch eine Streckenvariante.

Diese führt über die Deutsche Korbstadt Lichtenfels und Michelau in Oberfranken mit dem Deutschen Korbmuseum bis hin nach Bad Staffelstein, wo sich mit der Basilika Vierzehnheiligen und dem Kloster Banz genügend Möglichkeiten für interessante Zwischenstopps ergeben. Es geht weiter Richtung Ebensfeld, wo die Landschaft von wunderschönen Seen gesäumt ist, bis nach Bamberg, das aufgrund der zum UNESCO-Welterbe ernannten Altstadt auf jeden Fall einen etwas längeren Aufenthalt wert ist. Versumpfen sollte man trotz allem nicht, liegt noch das größte Stück der Strecke vor einem.

Der Main bei Würzburg – Foto: Tors

So geht es weiter nach Schweinfurt, und schon ist man mittendrin im fränkischen Weinbaugebiet, das man rund 100 km lang durchfahren kann. Es ist also etwas Gemächlichkeit angesagt, vor allem im Herbst bieten sich hier wunderschöne Ausblicke und viele kleine Winzerstädtchen bieten Gelegenheit zur Einkehr.

Der nächste größere Zwischenstopp sollte dann in Würzburg erfolgen, das mit der als UNESCO-Welterbe ausgezeichneten Residenz und der liebevoll nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wieder aufgebauten Altstadt. Allmählich verlässt man hier das Weinland und begibt sich mitten in den stark bewaldeten und hügligen, aber nicht minder schönen Spessart, in dem es mit Burg Wertheim und der Ruine bei Freudenberg wieder einiges zu besichtigen gibt.

Der Main schlängelt sich an Miltenberg vorbei – Foto: Karsten Kilian

Anschließend geht es wieder nach Norden, über Miltenberg mit seiner beschaulichen, kleinen Altstadt und Klingenberg am Main, das für seinen vorzüglichen Rotwein bekannt ist, hinauf nach Aschaffenburg, dem „Bayerischen Nizza“, was die letzte große Station im Freistaat Bayern darstellt. Hier sollte man unbedingt noch das Schloss Johannisburg besuchen, bevor man sich über den letzten Streckenabschnitt hermacht, der nun aber durch Hessen verläuft. Und jede Menge Abwechslung bietet. So gibt es hier einerseits mit dem Fachwerkstädtchen Seligenstadt Kultur pur, während man nur wenige Kilometer später einen einmaligen Blick auf die Frankfurter Skyline genießt.

Um dann wieder in die Natur zu kommen und, deja vu, sich inmitten von Weinbaugebieten wiederfindet, diesmal nur eben auf hessischem Terrain. In dieser schönen Landschaft fällt es einem dann leicht, auch die letzten Kilometer zu bewältigen, bis dann der konsequente Radler nach rund 600 km gebührend für den weiten Weg belohnt wird, nämlich dann, wenn der nun doch klein wirkende Main in den geradezu kolossal wirkenden Rhein mündet.

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