Kolumne

Max Grundig: Mit dem Heinzelmann zum Erfolg

Von: Tilman Weigel

Wenn es um den Niedergang der einst für Bayern so bedeutenden Wirtschaftsregion Nürnberg geht, fallen meistens eine Reihe von Namen. Die Kraftradhersteller Zündapp und Hercules, das Versandhaus Quelle, der Elektrokonzern AEG und Grundig. Noch Ende der 1970er Jahre arbeiteten fast 40.000 Menschen für Grundig, ein großer Teil davon in Mittelfranken. Sein Gründer Max Grundig gehört zu den Legenden des Wirtschaftswunders.

Max Grundig – Foto: Superikonoskop

Der 1908 geborene Sohn eines Lagerverwalters war schon früh durch Ideen und Tatkraft aufgefallen. Im Installationsbetrieb Jean Hilpert, in dem er mit 14 Jahren eine Lehre begann, wurde sein Talent schnell erkannt.

Neben seiner Energie hatte er noch eine weitere Eigenschaft, die ihm bei seinem Aufstieg half. Er war ein Bastler. Parallel zu seiner Arbeit bemalte er Zinnsoldaten, um mit deren Verkauf die Familienkasse aufzubessern. Als das Radio modern wurde, bastelte er sich sein erstes Empfangsgerät aus Geldmangel selbst.

Das gute Verhältnis zum kinderlosen Jean Hilpert war sein großes Glück. Der schickte ihn nach Berlin auf die Rundfunkausstellung und machte ihn zum Leiter der Fürther Filiale. Die lief dank eines Großauftrags beim Bau des Stadtkrankenhauses so gut, dass sich sein Gehalt von 60 auf 600 Mark verzehnfachte.

Sonst wäre es ihm vielleicht nicht möglich gewesen, 1930 mit Max Wurzer in Fürth ein eigenes Radiogeschäft aufzumachen. Auch so benötigte er eine Bürgschaft seiner Mutter für den Vermieter. Am Anfang verdiente er vor allem Geld mit Reparaturen, doch die Geschäfte liefen immer besser.

Mit dem Heinzelmann legte Grundig den Grundstein für seinen Erfolg – Foto: Superikonoskop

Wie so viele Unternehmer der Zeit profitierte auch Max Grundig von den ab 1933 regierenden Nazis. Er produzierte für die Kriegsindustrie und beschäftigte bis zu 150 Zwangsarbeiterinnen.

Nach dem Krieg wurde ihm allerdings bescheinigt, diese gut behandelt zu haben. Grundig wurde nur kurz verhaftet und begann dann erneut mit einem Radiogeschäft. Um die Regulierung des Rundfunkmarktes zu umgehen, beispielsweise den Verkauf von Radios nur auf Bezugsschein, produzierte und verkauft eer statt fertiger Geräte den Radiobausatz „Heinzelmann„. Daraus entwickelte sich nach und nach ein Elektroimperium. Nach dem Heinzelmann wurden „richtige“ Radios gebaut, ab 1951 Fernseher.

Die 1950er, 60er und 70er Jahre waren goldene Zeiten. Max Grundig selbst blieb trotzdem ein einfacher Mensch, vom Typus eher ein Handwerker als ein Unternehmer.

Dann rollten die Japaner den Markt auf. Hinzu kam, dass Grundig sich im neuen Medium Video zunächst nicht für ein Format entscheiden konnte und dann mit Video2000 aufs falsche Pferd zu setzten. Den eigentlichen Absturz bekam Max Grundig aber nicht mehr mit. 1984 hatte er das Unternehmen an Phillips verkauft, 1989 stirbt er. Die Firma Grundig ging 2003 pleite. Der Name allerdings besteht weiter, als Label eines türkischen Unternehmens.

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