Kolumne

Markt Wendelstein – wo der Jazz zuhause ist

Von: Jutta Schneider

Was hat ein beschaulicher Ort in Mittelfranken mit New Orleans zu tun? Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Gemeinsamkeiten um Jazz handelt und ebendiese Vermutung bestätigt sich auch. Aber zunächst ein paar historische Daten zum schönen Örtchen Wendelstein.

Die Ortsmitte von Wendelstein mit dem Wendenbrunnen – Foto: Kassandro

Als 1259 n. Chr. die erste urkundliche Erwähnung stattfand, gab es schon lange vorher menschliches Leben in der betreffenden Region. Entlang des Flusses Schwarzach, dessen liebliches Tal wohl schon zur Spätbronzezeit gute Lebensbedingungen versprach, hatten sich schon 1300 v. Chr. einige Familien niedergelassen. Heute wohnen ca. 16.000 Bürger im mittelfränkischen Markt Wendelstein, der sich im Süden von Nürnberg zur Metropolregion zugehörig fühlt. Über die Herkunft der Ortsbezeichnung gibt es zwei Theorien.

Stein oder slawischer Volksstamm?

„Der sich um einen Stein wendende Fluss“ – so nannte man die Schwarzach in frühesten Zeiten und es liegt nahe, dass diese etwas umständliche Formulierung zu Wendelstein abgekürzt und als Ortsbezeichnung für die Siedlung am Fluss verwendet wurde. Der Name könnte aber auch eine Hommage an die Wenden sein, ein slawischer Volksstamm, der sich in grauer Vorzeit an der Besiedelung der Gegend beteiligte. Fakt ist, dass es sowohl eine Schleife im Fluss gibt, als auch einen Brunnen im Ort, der nach dem besagten Volksstamm benannt wurde, der Wendenbrunnen. Wo Historiker uneins sind, müssen wir Laien nicht streiten. Nehmen wir den Ort so wie er ist: ein lebhafter Markt, der ein Gewinn für die Metropolregion Nürnberg darstellt und der einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.

Sehenswertes in Wendelstein

Die Kirche St. Georg – Foto: Kassandro

Tilmann Riemenschneider (um 1460 – 1531), der weit über die Grenzen Frankens hinaus als hervorragender Bildhauer und Holzschnitzer bekannt ist, schuf den Altar der Allerheiligenkirche in Kleinschwarzenlohe, das zum Gemeindegebiet Markt Wendelstein zählt. In Wendelstein selbst gibt es eine weitere Kirche zu sehen, nämlich St. Georg mit einem beachtenswerten Werk von Hans Süß. Er war ebenfalls einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit, als er 1510 den Altar für die Wendelsteiner evangelische Kirche baute. Die Grundlage für St. Georg bildet die Königshofkapelle, die schon 1325 dort gestanden hatte. Man musste sie aufgrund der nicht immer friedlichen Verhältnisse im Mittelalter zu einer Wehrkirche ausbauen und so zeigt sich St. Georg noch heute trutzig und nirgendwo könnte das Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ besser hineinpassen.

Nicht unerwähnt sollte der Ludwig-Donau-Main-Kanal bleiben, der einen Teil der Wendelsteiner Gemeindegebietes streift. Aber nun zurück zum Jazz.

New Orleans Jazz Festival in Wendelstein

Einmal im Jahr wird Wendelstein zur Mittelfränkischen Keimzelle des Jazz. Zur Eröffnung eines bunten Festivals wird jedes Jahr Ende April eine Parade abgehalten, die auch dann sehens- und erlebenswert ist, wenn man sich nicht direkt dem Jazz und Blues verschrieben haben sollte. Künstler und Besucher kommen aus aller Welt nach Wendelstein und feiern ein Jazz Festival, das bis vor Kurzem noch die Stadt New Orleans in seinem Namen hatte (New Orleans Musik Festival) und nun blues & jazz open Wendelstein heißt.

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