Kolumne

Ludwig Feuerbach – fast Kasper Hausers Stiefbruder

Von: Tilman Weigel

Ludwig von Feuerbach? Heißt der Mann nicht Anselm mit Vornamen? Tatsächlich ist Paul Johann Anselm von Feuerbach sicher der bekannteste aus seiner Familie. Weniger, weil er 1813 das bayerische Strafgesetzbuch mit verfasste und sich für die Abschaffung der Folter einsetzte, sondern vor allem weil er Obervormund des Findelkindes Kaspar Hauser war und über dessen Fall das Buch Kaspar Hauser. Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen veröffentlichte.

Ludwig Feuerbach

Auch sein Sohn Ludwig brachte es aber zu einer gewissen Berühmtheit. Die Behauptung, er sei Kaspar Hausers Stiefbruder ist freilich übertrieben. Schließlich hatte sein Vater das Findelkind nie adoptiert, als hoher Beamter im Rezatkreis (1838 in Mittelfranken umbenannt) war er nur dessen Obervormund und Gönner.

Ludwig zog es dagegen nicht zur Juristerei. Statt dessen studierte er in Heidelberg ausgerechnet Theologie. Doch schon wenig später wechselte er das Studienfach. Er ging nach Berlin und studierte Philosophie, unter anderem bei Hegel.

Dass er wenig später wieder nach Bayern zurück kam, lag vor allem an einer Regelung für Stipendiaten des bayerischen Königs. Sie durften zwar außerhalb des Freistaats studieren, mussten aber an einer bayerischen Landesuniversität abschließen. Also kam er nach Erlangen, belegte Kurse in Anatomie, Botanik und Physologie und schrieb an seiner Doktorarbeit „Über die Unendlichkeit, Einheit und Allgemeinheit der Vernunft“.

In Erlangen blieb er auch nach dem Studium. Wie viele Gelehrte bekam er zunächst keine feste Anstellung und lebte als Privatdozent in Erlangen.

Ludwig Feuerbach wurde auf dem Nürnberger Johannisfriedhof beerdigt.

Fuß fasste er im akademischen Betrieb nie. Nicht zuletzt mit seinen religionskritischen Schriften macht er sich viele Feinde. Statt dessen heiratete er die Mitinhaberin einer Prozellanmanufaktur bei Ansbach. Die brachte ihm eine kleine Dividende und vor allem freies Wohnrecht und Naturaliennutzung.

Seine Religionskritik hatte ihm zwar die akademische Karriere verbaut, doch nicht zuletzt durch sie wurde er bekannt. Daneben engagierte er sich für ein liberaleres und demokratischeres Deutschland. Obwohl selbst als Mitinhaber einer Manufaktur „Kapitalist“, hegte er auch Sympathien für die Sozialdemokratie. Er stand unter anderem im Kontakt mit Karl Marx. Allerdings erkannte er auch die Gefahr politischer Heilslehren. „Jede Meinung, jede Überzeugung überhaupt, die nicht das Recht der Individualität, folglich auch das Recht derselben auf das Gegenteil dieser Überzeugung anerkennt, scheint mir in Fanatismus und Despotismus überzugehen“, schrieb er.

Nach dem Scheitern der Revolution von 1848 dachte Feuerbach eine Zeitlang sogar ans Auswandern. 1859 ging auch die Manufaktur pleite, die ihm bisher sein Auskommen beschert hatte. Allerdings sammelten Freunde für ihn, so dass er im damals noch außerhalb Nürnbergs gelegenen Rechenberg seinen Altersruhesitz fand. Gönner unterstützten ihn, unter anderem der Nürnberger Industrielle Cramer-Clett. Dort starb er 1872.

2 Kommentare zu Ludwig Feuerbach – fast Kasper Hausers Stiefbruder

  1. „Auch sein Sohn Ludwig brachte es aber zu einer gewissen Berühmtheit“: Ludwig Feuerbach zählt immerhin zu den bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts, er fehlt in keiner halbwegs ausführlichen Geschichte der Philosophie. Nachdem sein Denken lange im Schatten von Marx/Engels stand, stößt es (nicht nur die Religionskritik!) seit einigen Jahrzehnten wieder weltweit auf vermehrtes Interesse.

  2. Hallo Herr Wininger, das stimmt. Allerdings ist es als Philosoph meist schwerer berühmt zu werden als mit Sex and Crime (z.B. Kaspar Hauser). Wobei Anselm von Feuerbach natürlich auch jenseits von Hauser durch seine Arbeit als Juris Bekanntheit erlangte.

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