Kolumne

Levi Strauss, der fränkische Visionär

Von: Sebastian Herbst

foto-sebastian-22In den seltensten Fällen erwartet man von seinem Geburtsort irgendwelche neuartigen Technologien oder berühmte Persönlichkeiten. Das hat auch niemand im 2.000-Seelen-Ort Buttenheim bei Bamberg geglaubt, bis in den 80ern ein Zufall die Gemeinde aufhorchen und dahingehend intensive Nachforschungen anstellen ließ. Kurze Zeit später gab es schließlich keinen Zweifel mehr: Bei dem am 26.Februar 1829 geborenen Löb Strauß handelte es sich um niemand geringeren als den heute als Levi Strauss bekannten Erfinder der Jeanshose.

Das Geburtshaus von Levi Strauss in Buttenheim - Foto: Levi-Strauss-Museum

Das Geburtshaus von Levi Strauss in Buttenheim – Foto: Levi-Strauss-Museum

Dabei war das Leben für die fränkische Berühmtheit zunächst alles andere als rosig. Er wuchs in armen Verhältnissen auf, die sich nochmals drastisch verschlimmerten, als Strauß‘ Vater sehr früh an Tuberkulose verstarb. Zusammen mit der damaligen schwierigen Lage für Juden war dies der Auslöser für die Auswanderung der Familie Strauß nach Amerika, die sich fortan aufgrund des fehlenden „ß“ in der amerikanischen Rechtschreibung „Strauss“ nannten. Auch der Vorname Löbs bereitete aufgrund von fehlenden Umlauten Probleme, weshalb er ihn gegen „Levi“ eintauschte: Der Mythos war geboren.

Der Goldrausch führte Strauss in den1850ern schließlich nach San Francisco, wo er, wie zuvor auch in New York, einen Textilhandel betrieb. Schnell fand er heraus, dass die Minenarbeiter dort strapazierfähige Kleidung benötigten, und so kam ihm die Idee des Schneiders Jacob Davis, eine mit an den Taschen und am Hosenlatz durch Nieten verstärkte Hose zu schaffen, gerade recht. Er bezahlte die Anmeldung des Patents und bald schon wurden die zunächst aus Hanf gefertigten Hosen unter den Arbeitern überaus beliebt. Es dauerte nicht lange, da stieg die Levi Strauss & Company auf blau gefärbten Denim um. Erst ein dreiviertel Jahrhundert später wurde die Hose als „Jeans“ bezeichnet.

Das Levi-Strauss-Museum zeigt die Geschichte des berühmten Oberfranken - Foto: Levi-Strauss-Museum

Das Levi-Strauss-Museum zeigt die Geschichte des berühmten Oberfranken – Foto: Levi-Strauss-Museum

Zwar hatten sich bis dahin unzählige Nachahmer auf der ganzen Welt gefunden, doch das Original blieb eben das Original, was die bis heute sich ausschließlich im Familienbesitz befindliche Firma mit eindrucksvollen Zahlen beweisen kann: Über 11.000 Angestellte, einen Umsatz von 4,4 Mrd. Dollar. Und wenn Sie jetzt das nächste Mal einen Bayern sehen, der sich über Franken lustig macht, können Sie ihn ja gerne darauf ansprechen, dass er mit ziemlicher Sicherheit ein Stück fränkische Geschichte im Schrank hängen hat, und das auch noch in mehreren Waschungen und Ausführungen.

Und natürlich hat man in der fränkischen Heimat, also im oberfränkischen Buttenheim, dem berühmten Sohn ein Denkmal gesetzt. 1987 kaufte der Markt Buttenheim das Geburtshaus von Strauss und baute es zum Museum um. Im September 2000 konnte es schließlich eröffnet werden. Auf 136 Quadratmetern kann man sich im Levi Strauss Museum über das Leben und die Arbeit des berühmten Oberfranken informieren. Geöffnet ist das Museum dienstags  und donnerstags von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr.

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