Kolumne

Landsberg am Lech – Kleinod im ehemaligen Grenzgebiet

Von: Michael Neißendorfer

Landsberg am Lech, ehemaliges Grenzgebiet? Ja, die Zeitreise geht zurück bis ins Mittelalter: einst war Landsberg der letzte Außenposten des Baierischen Herzogtums an der Grenze zum Hochstift Augsburg. Aus der früheren Bezeichnung Landesperch – etymologisch verwandt mit Landeshutheute Landshut -, wird der heutige Stadtname abgeleitet.

Im Mittelalter brachte es die Stadt am Lech dank ihrer Lage an der Salzhandelsroute zu beträchtlichem Reichtum. Davon zeugen noch heute die Bauten der pittoresken Altstadt, welche den Krieg unversehrt überstand und von der Denkmalbehörde unter Ensembleschutz gestellt wurde.

Das Lechwehr mit der Landsberger Altstadt – Foto: Patrick Huebgen, Pahu

Highlights in Landsberg am Lech

Die schönste Aussicht auf Landsberg am Lech bekommen Bahnreisende zwangsläufig zu sehen. Vom Bahnhof aus führt der kurze Fußweg ins Zentrum zunächst über die Lechbrücke, zu deren Beginn der Blick über das Lechwehr hinweg auf die bunten Fassaden der Altstadt fällt. Sehenswert sind neben dem Alten Rathaus mit seiner prächtigen Rokokofassade vor allem die kleine Kirche St. Johannes und das Bayertor.

St. Johannes ist wahrlich ein Juwel. Ein ungewöhnliches noch dazu. Der Grundriss beschreibt ein Oval kaum größer als ein großzügiges Wohnzimmer. Der Altar bildet dank nach vorn versetzter Säulen ein Theatrum sacrum (auf neudeutsch: einen total abgefahrenen 3D-Effekt), das Seinesgleichen sucht.

Im Linksverkehr zum Bayertor

Das Bayertor – Foto: Rudolf Bauer

Zum Hochufer des Lechs Richtung Bayertor hinauf führt die Alte Bergstraße. Die ist so steil, dass auf ihr aus Sicherheitsgründen viele Jahrhunderte lang Linksverkehr vorgeschrieben war. Denn nur allzu oft gerieten Fuhrwerke auf den 18% Steigung außer Kontrolle, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Den Anwohnern der Bergstraße war es sogar untersagt, am Tag ihre Türen zu verschliessen, damit sich Fußgänger angesichts einer drohenden Kollision in einen Hauseingang retten konnten.

Den Abschluss der Alten Bergstraße markiert das weithin sichtbare Bayerntor. Es gilt als schönste und größte spätgotische Toranlage Süddeutschlands. Von Mai bis Oktober (oder ganzjährig im Rahmen einer Stadtführung) kann man das 36 Meter hohe Bauwerk besteigen und bei schönem Wetter einen sagenhaften Rundumblick über Landsberg und die Alpen geniessen.

Gefängnis, Johnny Cash und Jungfernsprung

Es gibt noch einige andere Geschichten über Landsberg am Lech zu erzählen. Über das Gefängnis, in dem schon Adolf Hitler, der spätere Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer und Karl-Heinz Wildmoser jun. eingesessen haben. Johnny Cash diente einige Zeit lang am ortsansässigen Stützpunkt der US-Armee als Abhörfunker. Auch über ihn gäbe es etliche Anekdoten zu erzählen. Z.B. kaufte er in Landsberg seine erste Gitarre und spielte erste Konzerte in GI-Bars. Und auch die Geschichte vom Jungfernsprung wird um einiges anschaulicher, wenn man sich die Situation vor Ort bildlich vorstellt.

1 Kommentar zu Landsberg am Lech – Kleinod im ehemaligen Grenzgebiet

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