Kolumne

Kultureller Aspekt der Trachten

Kultureller Aspekt der Trachten Kultureller Aspekt der Trachten
Kultureller Aspekt der Trachten

Kultureller Aspekt der Trachten

Wenn man versucht, die wichtigsten Modetrends für den Sommer 2013 zusammenzufassen, indem man zu diesem Zweck einige Highlight-Stylings hervorhebt, ergäben sich etwaige extravagante Kombinationen aus typischen Komponenten, die traditionellen Bestandteile asiatischer Bekleidungskulturen darstellen mit dem, was wir in Europa bereits lange an modischer Entwicklung beobachten.

Ein denkbares Beispiel wäre das Kombinieren von breiten Harem-Hosen aus edler Seide oder Satin mit Asia-Blusen und drapierten Cardigans – alles durch noble Accessoires abgerundet, ohne die kaum ein Europäer seine Wohnung verlässt. Es geht jedoch weniger darum, unzählige Beispiele für gelungene Trendstylings zu finden als möglicherweise eine Tendenz aufzugreifen, die ich hier als Internationalisierung der Mode kurz zusammenfassen will. Somit ist die Rückkehr traditioneller Komponenten in die Modewelt die logische Konsequenz, die Antwort auf die Globalisierung unserer Welt, die auch die kreativen Bereiche immer mehr mit sich hinzieht. Und tatsächlich sind bei uns in Deutschland die Trachten „in“.

Street-Style Trachten

Das, was früher nur eine Komponente des bayerischen Flairs darstellte, indem es die Vorstellung vom Oktoberfest prägte oder den bildhübschen Landschaften und ordentlich eingerichteten Bauernhöfen im meist bekannten deutschen Bundesland die typische Atmosphäre verlieh, hat in den letzten Jahren in ganz Deutschland „sauber abg’rahmt“.

Trachten sind nicht nur in Bayern zurück

Vor diesem so geschilderten Hintergrund etwaiger Modetendenzen scheint nicht mehr so überraschend zu sein, dass eine ganz andere Moderichtung, deren Anhängerschaft bislang nur einen engen Kreis umfasste, nämlich diejenigen, die das Karnevaleske und das Volkstümliche zum Ausdruck bringen und dadurch das Traditionelle bewahren und weitergeben wollten, sich heute über immer mehr Popularität erfreuen kann.

Diese Feststellung ist, wenn man es so will, eine logische Konsequenz, die sich aus führenden gesellschaftlich-politischen Tendenzen unserer Gegenwart ergibt.

Die Mode bzw. das Manier sich entsprechend anzukleiden, wird durch das unstillbare Bedürfnis bestimmt, einen ganz persönlichen Ausdruck des eigenen Ichs zu finden. Dass hier die Rede von Trachten ist als eine Modekomponente, die zu immer mehr Anlässen getragen wird, erweist sich als umso weniger überraschend, umso mehr man sich mit der Welt auseinandersetzt, so wie sie heute ist: globalisiert, unpersönlich und ja sogar bedrohlich für die Gruppe, der scheinbar nichts anderes übrig bleibt als authentisch sein zu wollen, aber auch Zugehörigkeit zu zeigen und Identität zu bewahren.

Coole Tracht

Trachten als beliebte Inspirationsquelle der Mode

Erstaunlich in wie vielen Aspekten des Aktuellen die Trachten als Modetendenz eigentlich punkten könnten. Sie erweisen sich als besonders produktiv in der Rolle einer Inspirationsquelle modeschöpferischen Tuns aufgrund der Aktualität vieler Bestandteile.

Auf internationaler Ebene hat beispielsweise die ganz beliebte im letzten Jahrzehnt Tunika einen direkten Bezug zur römischen Antike und das Dirndl hierzulande hat bereits früher die städtische Mode stark beeinflusst und hat heute noch eine besondere Rolle in der Mode für Kinder und Jugendliche.

Eindeutig auf die Trachten zurückführend ist auch der bis vor Kurzem in der Mode herrschende Ethno-Stil, der sich der handgearbeiteten Stickereien und Zierelementen bediente, die häufig auch bei den Trachten vorkommen.

Fazit:

Die Trachten sind nicht nur in Bayern zurück. Diese Tendenz greift auch auf die ganze Welt über. Denn Trachten werden zum Identitäts-Kennzeichen in der globalen Welt, in der Grenzen von Personifizierungen verschmelzen und dennoch Originalität stark gebraucht wird.

Junge Trachtler – BR Brunch

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Arne Trautmann

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