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Kolumne

Kreisreform in Bayern – Abschied von EG, LF und MOD

Von: Tilman Weigel

Manchmal begegnen einem auf kleinen Nebenstraßen noch sehr, sehr alte Traktoren mit sonderbaren Kennzeichen. Sie lauten MOD, PAR oder NAI. Was sich anhört wie Abkürzungen aus der Welt der Computer steht für die aufgelösten Landkeise Marktoberndorf (Schwaben), Parsberg (Oberpfalz) und Naila (liegt nicht in der Südsee, sondern in Oberfranken).

So sah Bayern vor der Kreisreform aus.

Mit der Kreisreform 1972 verschwanden sie. Verglichen mit der kommunalen Gebietsreform von 1872 bis 1978 mit zahlreichen Zwangseingemeindungen ging die Kreisreform vergleichsweise still über die Bühne. Das lag auch daran, dass die Opposition ebenfalls eine Reform wollte. Immerhin gab es 1971 noch fast 200 Kreise und kreisfreie Städte. Die kleinsten hatten weniger als 10.000 Einwohner. Die SPD wollte sogar noch weiter gehen. Sie schlug vor, Kreise, Bezirke und Regierungsbezirke zu neu zu schaffenden Regionen zusammenzulegen.

Denn seit 1862 war die Verwaltungsstruktur vielerorts unverändert geblieben. Damals waren Verwaltung und Justiz getrennt worden. Dazu wurden 154 Bezirke geschaffen, 29 Städte waren kreisunmittelbar. Denn die Kreise hießen damals Bezirke und die Regierungsbezirke Kreise. Nur unter den Nationalsozialisten hatte es eine größere Änderung gegeben. Die schafften zahlreiche kreisfreie Städte ab, doch 1948 wurden sie zum großen Teil wieder hergestellt, so dass es 1971 immer noch 143 Landkreise und 48 kreisfreie Städte gab.

Die Anzahl der Kreise hat sich stark reduziert.

Mit Ausnahme Oberbayerns reduzierte sich mit der Kreisreform die Zahl der Kreise in allen Regierungsbezirken um mindestens die Hälfte. Besonders stark traf es Unterfranken und die Oberpfalz. Das blieb nicht ohne Ärger. In Unterfranken beispielsweise wurde aus vier Landkreisen der neue Kreis Mittelmain mit Sitz in Lohr gegründet. Wenig später wurde der Landkreis in Main-Spessart umbenannt, der Kreissitz nach Karlstadt verlegt. Zahlreiche Verschwörungstheorien ranken sich darum. Der Landrat Erwin Ammann soll seine guten Kontakte nach München genutzt haben, um die Verlegung zu erreichen. Die Lohrer, so erzählt die Legende weiter, hätten daraufhin keine neuen Autos mehr gekauft, um statt LOH nicht KAR (erst Ende der 1970er Jahre wurde MSP eingeführt) als Nummernschild zu haben.

Verschiebungen gab es mitunter auch zwischen den Regierungsbezirken. Meist waren es aber nur einzelne Gemeinden, die den Regierungsbezirk wechselten. Ausnahme waren Stadt und Landkreis Eichstätt. Sie wechselten zusammen mit einigen Gemeinden des Landkreises Hilpoltstein komplett von Mittelfranken nach Oberbayern.

Heute ist die Kreisreform weitgehend vergessen. Außer wenn einem mal wieder ein Traktor mit dem Nummernschild EG (Eggenfelden), DKB (Dinkelsbühl) oder LF (Laufen) begegnet.

 

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