Kolumne

Kosten einer PKW-Reparatur

Unnötig teure Autoreparaturen - Wo die Hersteller die Kosten anheben

Ein Schadensfall beim Auto ist für die Besitzer doppelt ärgerlich. Zum einen müssen die Fahrer mit ihren Wagen in die Werkstatt fahren, was bedeutet, dass sie ihr Auto für ein paar Stunden oder im schlimmsten Fall auch für ein paar Tage nicht benutzen können. Zum anderen bedeutet jede Reparatur aber oft auch horrende Kosten für die Fahrer, besonders wenn Teile des Fahrzeugs gegen neue Ersatzteile ausgetauscht werden müssen.

PKW-Reparatur PKW-Reparatur

PKW-Reparatur

PKW-Reparatur

Hinter hohen Reparaturkosten möchte man zunächst eine Taktik der Werkstätten vermuten, die extra hohe Preise für die Reparaturarbeiten ansetzen und auch aus kleinen Fehlern bereits einen großen Umbau machen.

Tatsächlich sind es aber die Autohersteller selbst, die die Preisschraube hochdrehen und die Besitzer von Fahrzeugen jedes Mal dazu nötigen tief ins Portemonnaie zu greifen. Der Handel mit Ersatzteilen ist ein florierendes Geschäft!

Rechtsschutz als Monopol

In der EU gilt der sogenannte „Designschutz“ für alle sichtbaren Teile eines Autos, also beispielsweise die Karosse, Stoßstangen, Felgen und dergleichen. Das bedeutet, dass in der EU niemand außer den Herstellern der Originalteile dazu berechtigt ist, die Ersatzteile nachzubauen und billiger anzubieten. Vereinfacht ausgedrückt darf Hersteller XY keine Stoßstangen bauen, die beispielsweise an einen Ford Focus montiert werden.

Gleichzeitig dürfen auch Vertragswerkstätten lediglich die Ersatzteile vom Hersteller vertreiben. Dadurch soll angeblich gewährleistet sein, dass die Wirtschaft nicht nur ausländische Händler beeinträchtigt wird und es so unter anderem nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen kommt. Tatsächlich ist der Designschutz aber nur eine Augenwischerei, da die meisten Hersteller den Großteil ihrer Autoteile ohnehin im Ausland produzieren lassen, wo weniger Kosten für Arbeiter und Materialien entstehen. Die Ersatzteile lassen sich dann auch nach Deutschland importieren, wo sie sie dann zu deutlich höheren Preisen verkaufen.

Da der Designschutz auch verhindert, dass die Hersteller untereinander im wirtschaftlichen Wettstreit stehen, können sie selbst entscheiden, wie hoch oder wie niedrig sie die Preise für die Ersatzteile ihrer Fahrzeuge ansetzen wollen. Die Kunden haben nur die Wahl, sich bei einer Reparatur in einer Vertragswerkstatt die teuren Teile zu kaufen oder sich nach anderen möglichen Bezugsquellen umzuschauen.

Aus Klein wird Groß

Aus klein wird gross

Aus klein wird gross

Viele Kosten entstehen auch einfach durch die Bauweise moderner Autos. Obwohl seit 2006 die EU-Richtlinie ECE 48 (-Link öffnet PDF-) gilt, deren Ergänzung 07 besagt, dass alle kleineren Reparaturen an einem Fahrzeug allein mit Hilfe der Bedienungsanleitung sowie einfachen Werkzeugen ausführbar sein müssen, hält sich kein Autohersteller an diese Vorgabe, sodass bereits für das Austauschen einer Glühbirne Spezialwerkzeug benötigt wird.

Die Kosten für die Anschaffung solches Werkzeugs lohnen sich kaum, sodass die Kunden auch mit kleinen Problemen direkt in die Werkzeug fahren müssen. Dabei bleibt es oft nicht mal bei so einer Kleinigkeit. Denn es ist Gang und Gebe, dass gerade für die kleinen Schwierigkeiten größere Maßnahmen erforderlich sind. Wenn zum Beispiel bei der A-Klasse von Mercedes ein Sensor im Ansaugrohr, Luftmassenmesser genannt, mal kaputt geht, dann kann nicht einfach der Sensor ersetzt werden – stattdessen muss gleich ein ganzes Steuergerät ausgetauscht werden. Der Sensor selbst würde nur knapp 200 Euro kosten, der Austausch des Steuergeräts schlägt dagegen mit über 1000 Euro zu Buche. Das kommt erneut hauptsächlich den Herstellern zugute, die darum an dem Prinzip nichts ändern werden, solang es keine gesetzlichen Richtlinien dagegen gibt.

Keine Hilfe

Bereits seit Jahren setzten sich Verbände wie der ADAC dafür ein, dass zum Beispiel in Deutschland die Regierung die Autohersteller stärker in die Verantwortung nimmt. Dass das passieren wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Denn auch die Regierung verdient an dem Geschäft mit den teuren Autoteilen. Immerhin fallen beim Kauf unter anderem Mehrwertsteuern an, wodurch jede Autoreparatur direkt die Staatskasse auffüllt.

Für die Einfuhr von Ersatzteilen aus dem Ausland fallen zudem Zölle an, die im Endeffekt wieder an den Kunden weitergereicht werden. Darum sperrt sich die Bundesregierung bisher dagegen, den Autoherstellern vorzuschreiben, wie sie ihre Fahrzeuge konzipieren sollen. Dabei gibt es Beispiele, die wesentlich Verbraucherfreundlicher sind. So wurde unter anderem in den Niederlanden die sogenannte Reparaturklausel eingeführt. Diese bietet den Fahrern im Schadensfall die Wahl, ob sie die teuren Originalteile oder billigere Alternativen beziehen möchten, um die Reparaturkosten gering zu halten. Auch in Deutschland wünschen sich Autofahrer und Verbände so eine Klausel, was die Bundesregierung bisher aber noch ablehnt.

Auswege für die Fahrer

Alternativen suchen und finden

Alternativen suchen und finden

Auch wenn die Markenhersteller in der EU ihre Monopolstellung beibehalten wollen, gibt es dennoch Alternativen für Autofahrer, wenn sie weniger Geld für die Ersatzteile ausgeben wollen. Unter anderem kann man seinen Wagen statt in eine Vertragswerkstatt in eine freie Werkstatt aufzusuchen. Diese Werkstätten besitzen ihre Ersatzteile zwar auch zum Teil vom Hersteller, haben aber meistens auch noch andere Quellen, von denen sie günstiger ihre Ersatzteile beziehen können.

Eine andere Möglichkeit zum Sparen gibt es im Internet. So kann man auf Websites für Auto-Modder wesentlich günstiger seine Einzelteile beziehen und diese dann bei einer Reparatur mit in die Werkstatt nehmen. Ein Zahnriemensatz für Ihr Fahrzeug bei Teilestore.de (ein bekannter Shop im Internet) ist beispielsweise bei weitem günstiger als der originale Zahnriemensatz; bietet aber dennoch die gleiche Funktion. Abgesehen davon bieten zudem auch Händler von Altteilen passende Ersatzteile zu niedrigeren Preisen an, die dann auch bei neuen Fahrzeugen verbaut werden können. Es gibt also zu den teuren Produkten durchaus sehr gute Alternativen.

Die Hersteller der Autos argumentieren zwar, dass durch den Einbau von Fremd- oder Altteilen die Gewährleistung für ein Auto erlischt. Tatsächlich ist es aber so, dass eine Gewährleistung selbst besteht, wenn keine Originalteile verbaut werden – für die Fahrtauglichkeit haften nämlich die Werkstätte, die die anderen Teile verbauen sollen. Darum können Fahrer sich ruhig nach Alternativen umsehen, wenn sie nicht mehr überhöhte Preise für benötigte Autoteile bezahlen möchten.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net Arne Trautmann
Mitte: © panthermedia.net Peter Ploskonka
Unten-Mitte: © panthermedia.net Diego Cervo

 

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