Kolumne

Kaufen für die Müllhalde | Das Prinzip der Geplanten Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz

Geplante ObsoleszenzDas Prinzip der geplanten Obsoleszenz, könnte durchaus auch als eine entartete Produktstrategie bezeichnet werden, in der nicht die Nachhaltigkeit des Produktes im Vordergrund steht, sondern dessen automatischer Verschleiß im Interesse des Herstellers ist.

Das Ergebnis einer Anfang 2013 durchgeführten Studie zeigt, dass mehr als 100 Milliarden jedes Jahr von den deutschen Haushalten aufgebracht werden müssen, um diese geplanten Obsoleszenzen zu finanzieren. Dabei scheint es den Herstellern nicht zu interessieren, das solide Marketing Strategien und fairer Umgang mit dem Verbraucher und dem Wettbewerb dadurch keine Relevanz mehr besitzen.

Qualität und Zertifikate bei der geplanten Obsoleszenz

Da bleiben Fernseher direkt nach dem Ablauf der Garantie dunkel, Kochplatten rosten von alleine, Toaster zerbrechen einfach und selbst Computer und entsprechende Zubehör versagen ihren Dienst. Oftmals ohne erkennbaren Grund. Das geliebte Auto scheint ebenfalls schon bei der Serienfertigung mit einer Schwachstelle vom Band zu laufen und auch Handys funktionieren plötzlich nicht mehr.

Zufall oder steckt hier eine geplante Obsoleszenz dahinter? Leider lässt sich das erst dann eindeutig klären, wenn viele Verbraucher sich zusammentun und eine Klärung fordern. Das geschieht trotz Internet und allen möglichen Plattformen aber offensichtlich kaum. Den Herstellern wird damit eine Option geboten, die sie weidlich ausnutzen, geht es doch um viel Geld und um die Möglichkeit, sich Vorteile und Marktanteile zu verschaffen. Was bei vielen Herstellern mit Qualitätssicherungssystemen und Zertifizierungen umworben wird, ist nicht für alle Produzenten verbindlich. Sollbruchstellen und andere Schwachstellen werden weiterhin dafür sorgen, dass Produkte frühzeitig defekt sind und wieder neu angeschafft werden müssen.

Braintuning : Obsoleszenz – Der eingebaute Tod

Folgen der geplanten Obsoleszenz

Die geplante Obsoleszenz gefährdet nicht nur die Reputation der involvierten Unternehmen in Deutschland, sondern hat natürlich einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Kundenverhalten. Während anfangs noch von Zufällen ausgegangen wird und der Verbraucher sich meist wieder auf die gleiche Marke einlässt, wird sich diese Produktpolitik langfristig negativ auf das jeweilige Unternehmen auswirken.

Die entartete Marketing- und Produktstrategie des Herstellers, mit der er eine Optimierung seiner Einnahmen bezweckt, wird nur so lange von Erfolg gekrönt sein, bis den Verbrauchern diese Vorgehensweisen und der Einsatz solcher abstrusen Marketing Instrumente transparent wird. Wer glaubt, dass diese bewusst mit Fehlern behafteten Produkte alle aus China kommen, der muss leider eines besseren belehrt werden.

Hintergrund der geplanten Obsoleszenz

Zum einen ist eine geplante Obsoleszenz ein Eingriff in den Markt mit der Intentionen den Wettbewerb zu beeinflussen und einen Preiskampf zu starten. Es zählt nicht mehr die Qualität der Produkte, die hinter solchen Produktstrategien stecken. Das Produkt wird immerhin oft weit unter dem handelsüblichen Preis angeboten. Der Hersteller erwartet einen optimieren Umsatz, den er in der Regel so auch erreicht. Die Einbußen durch den niedrigen Preis, gleicht er aufgrund der geplanten Obsoleszenz über die Quantität der verkaufen Produkte wieder aus.

So der perfide Plan, der dieser Produktpolitik zugrunde liegt. Die Konkurrenz kann erst einmal nur tatenlos zusehen, wie sich der betroffene Hersteller über seinen niedrigen Preis am Markt positioniert. Unter Umständen wird die Konkurrenz sogar ihren Preis anpassen müssen, um nicht zu viele Marktanteile zu verlieren.

Der Verbraucher wird zur Kasse gebeten

Der Verbraucher ist der eigentliche Betroffene, denn er kauft ein Produkt, dass er eigentlich gleich wieder auf die Müllhalde werfen muss. Der Hersteller hat das so bestimmt und stiehlt dem Verbraucher, der ja jetzt wieder eine Neuanschaffung tätigen muss, sein Geld aus der Tasche. Was jetzt bei allen Verbrauchern zu wahren Stürmen der Entrüstung führt, lässt Politik und Wirtschaft offensichtlich kalt.

[sws_yellow_box box_size=“640″]Weil auch keine Preisabsprachen nachgewiesen werden können, hält sich die Kartellbehörde bedeckt und auch die Stiftung Warentest hat keine Kapazitäten, um einen eindeutigen Hinweis für den Verbraucher zu geben. Eingebaute Sollbruchstellen werden nicht als solche erkannt – da hat der Verbraucher leider Pech gehabt. Mit einer Produktion nach dem Motto „Made in Germany“ hat das alles nichts mehr zu tun. [/sws_yellow_box]

Geplante Obsoleszenz kostet Arbeitsplätze

Durch den unrealistischen und unlauteren Wettbewerb, der bei der geplanten Obsoleszenz entsteht, werden natürlich viele nationale Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet. Ihre Mitarbeiter verlieren den Arbeitsplatz und die Kaufkraft der Deutschen sinkt, weil es einfach nicht zu schaffen ist, permanent neue Geräte zu kaufen. Das ist die Konsequenz, die sich aus dem Verhalten einiger Produzenten ergibt. Wer überlegt wie viele Arbeitsplätze mit mehr als 100 Milliarden Euro entstehen könnten, mit denen seriöse und innovative Unternehmen ihre Existenz aufbauen können, dann wird verständlich, warum sich viele deutsche Haushalte getäuscht fühlen.

Immerhin gibt es die ersten Anzeichen einer Genesung der Produktstrategien, denn seit April dieses Jahres gibt es ein neues Gütesiegel, das garantiert, das ein Produkt völlig frei „von geplanten und Lebensdauer-begrenzenden Sollbruchstellen“ hergestellt wurde. Diese Zertifizierung gilt allerdings bisher nur in der IT Branche. Bleibt also zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht.

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Tyler Olson

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