Kolumne

Karlstadt – Planstadt am Main

Von: Tilman Weigel

Ganz so rechtwinklig wie in der Mannheimer Altstadt ist es in Karlstadt nicht. Aber immerhin: auch Karlstadt wurde, wie Mannheim oder die Erlangener Neustadt, planmäßig angelegt, allerdings bereits um 1200. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, man weiß aber, dass die Stadt durch den Fürstbischof Konrad von Querfurt gegründet wurde, der nur von 1198 bis 1202 das Fürstbistum Würzburg regierte.

Vorne Altstadt, hinten Neubaugebiet – Karlstadt liegt direkt am Main – Foto: Gerdt

Beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass auch in Karlstadt ein Rastersystem mit rechtwinklig zueinander stehenden Straßen verwendet wurde. Allerdings bekam jedes der Stadtviertel ein eigenes Raster. Der Begriff Viertel ist hier übrigens wörtlich zu nehmen. Diese Anordnung hat wie die leicht gekrümmte Hauptstraße nichts mit Pfusch am Bau zu tun. Die neue Stadt sollte nämlich die Nordgrenze des Bistums gegen die Rienecker schützen. Damit der Feind Truppenbewegungen in der Stadt nicht gleich erkennen konnte, vermied man gut einsehbare, lange und gerade Straßen.

Bis heute hat Karlstadt sein mittelalterliches Flair erhalten, Fachwerkhäuser wohin man sieht. Das Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler spricht von einem „der ansprechendsten Städtebilder Frankens, besonders zum Main hin.“ Seit Erscheinen des Buches hat sich in der Altstadt sogar noch vieles verbessert. Der Verkehr wurde reduziert, die Straßen gepflastert und viele Häuser saniert. Fast 20 Gastwirtschaften soll es allein entlang der Hauptstraße geben. Denn Karlstadt gehört nicht nur zu Main-, sondern auch zu Weinfranken. Weiter im Norden beginnt dann schon der Spessart.

Maintorturm mit Maintor – Foto: Willy Horsch

Einen Blick verdient auch das Europäische Klempner- und Kupferschmiedemuseum mit seiner futuristischen Fassade, gleich hinter dem Katzenturm. Der heißt eigentlich Oberer Torturm, doch seitdem der letzte Türmer beim Holz hochziehen aus dem Fenster stürzte und fast unverletzt überlebte, heißt der Turm eben Katzenturm.

Dabei zeigt die Stadt Neuankömmlingen aus Würzburg zunächst nicht gerade ihre Schokoladenseite. Die riesigen Betontürme des Zementwerkes sind das Erste, was man von der Stadt sieht, dann kommt das Eisenwerk. Auch haben seit dem Zweiten Weltkrieg riesige Neubauviertel die ehemaligen Streuobstwiesen am Hang verdrängt. Aber noch immer ist die Aussicht von der Ruine Karlsburg von der anderen Mainseite auf Weinberge, sanft geschwungene Hügel, auf den Main und die Türme der zu großen Teilen erhaltenen Stadtbefestigung sehenswert.

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