Kolumne

Insolvenz der Münchner „Abendzeitung“

Abendzeitung

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Die traditionsreiche Münchner „Abendzeitung“ schafft es leider nicht mehr und bricht unter ihren Millionenverlusten zusammen. Die Geschäftsführung der Zeitung gab gestern bekannt, dass die „Abendzeitung“ einen Insolvenzantrag gestellt hat. Schon seit 2001 fing es mit den Problemen an: es hat sich insgesamt ein Minus von rund 70 Millionen Euro angehäuft. Alleine im letzten Geschäftsjahr machte der Verlag ein Verlust von etwa 10 Millionen Euro. Die Redakteure wollen jedoch weiter machen, weil „München ohne Abendzeitung ist wie Hirn ohne Beiß“.

66 Jahre Erfolgsgeschichte

[sws_red_box box_size=“630″]Die Münchner „Abendzeitung“ geht in die Insolvenz. Nach 66 Jahren seit der Gründung der liberalen Boulevardzeitung hat der Geschäftsführer gestern beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt. Dazu kam es, weil die Eigentümer der Zeitung – die Münchner Verlegerfamilie Friedmann –keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen konnte, um die Abendzeitung vor der Pleite zu retten. Die Geschäftsaussichten für das kommende Jahr ließen da auch keine Zweifel zu – es war keine Besserung in Sicht. Deswegen sah sich die Familie Friedmann außerstande, weiterhin zur Rettung des Verlages beizutragen. Die Verlegerfamilie besitzt unter anderem auch 18,75 Prozent am Süddeutschen Verlag (Süddeutsche Zeitung). [/sws_red_box]

Notverkäufe halfen nicht

Das ganze Geld, das der Verlag aus Verkaufserlösen bekam, wie etwa für den Verkauf des alten Verlagshauses in der Münchner Innenstadt oder der Nürnberger Ausgabe der AZ, diente ausschließlich dem Ausgleich der eigenen Verluste. Außerdem hat die Familie viele Millionen Euro aus der eigenen Tasche in den Verlag gepumpt, um zumindest ein Teil der Verluste aufzufangen. Wie Johannes Friedmann gegenüber der Presse sagte, hatte er sich diesbezüglich mit seiner Mutter Anneliese und seiner Schwester Anemone ausführlich unterhalten.

Es kam jedoch, wie es kommen musste: Angesichts der Tatsachen und des finanziellen Zustands des Unternehmens sah man sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Bei der Bekanntgabe dieser Entscheidung sprach der Verleger von einem „bitteren Augenblick für sich und seine Familie“.

Das waren die Gründe

Es gab insgesamt drei Hauptgründe, weshalb die angesehene Abendzeitung in die Knie ging. Als Erstes nannte Friedmann die sinkenden Anzeigeerlöse dafür verantwortlich. Des Weiteren wurde die Zeitung immer weniger gelesen, die Leserzahlen sanken immer mehr. Wachsende Druckkosten haben dem Verlag den Rest gegeben. Man hatte stets nach einer Lösung gesucht und wollte beispielsweise einen Partner finden.

Das war jedoch unter anderem aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Die Münchner „Abendzeitung“ erschien zum ersten Mal am 16. Juni 1948 in einer Auflage von 50.000 Stück. Zu Spitzenzeiten verkaufte das Blatt bis zu 300.000 Exemplare, heute sind es nur noch etwa 105.000.

Abendzeitung Das Gesicht dieser Stadt

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Artikelbild: © panthermedia.net / Dmitriy Shironosov

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