Kolumne

Ingenieur, Komiker und Venus-Passagier – jou wergli!

Herbert Hisels Geschichte Herbert Hisels Geschichte
Herbert Hisels Geschichte

Herbert Hisels Geschichte

Gefühlt kommen Komiker meist aus sehr katholischen und konservativen Regionen.

Ludwig Thoma wurde in Oberammergau geboren, der Kabarettist Gerhard Polt verbrachte viele Jahre in Altötting, Bruno Jonas stammt aus der Bischofsstadt Passau und Frank Markus Barwasser (Erwin Pelzig) aus dem nicht nicht minder katholischen Würzburg.

Insofern ist es bemerkenswert, dass mit Herbert Hisel der sicher bekannteste fränkische Komiker der 1960er und 1970er Jahre aus der protestantischen Arbeiter- und Kaufmannsstadt Nürnberg stammte. Auch sein Beruf war für sein Fach eher ungewöhnlich, denn er hatte weder Politikwissenschaften noch Jura studiert. Er arbeitete nach Krieg und Kriegsgefangenschaft zunächst bei der Bahn, dann als Busfahrer und schließlich als technischer Angestellter und nach dem Maschinenbaustudium als Ingenieur.

Herbert Hisel Auf dem Oktoberfest.wmv

Der erste Auftritt

Mit 26 Jahren trat er 1953 das erste Mal als Büttenredner im Nürnberger Fasching auf. Nun führt der Karneval in Nürnberg im Vergleich zu Mainfranken oder dem Rheinland in Nürnberg eher ein Schattendasein.

Trotzdem wurde sein Auftritt als Faltbootfahrer zum Stadtgespräch. In der Folge trat er in seiner Freizeit immer wieder auf, zunächst im kleineren Rahmen. Mal im Bierzelt, dann auf einer Betriebsfeier bei Grundig, wo Hisel arbeitete und bis zum Abteilungsleiter aufstieg, ehe er 1961 ganz Berufskomiker wurde.

Sein Markenzeichen war die ständige Beteuerung „Jou wergli“. So erzählte er Geschichten aus dem Leben, vom Dasein als Strohwitwer, vom Fußballspielen und vom Kegeln. „Ich will die Leute unterhalten – aber nicht beleidigen oder belehren“, beschrieb Herbert Hisel seiner Arbeit. Daneben spielte er in Erotikkomödien wie „Heubodengeflüster“ oder „Ach jodel mir noch einen“ mit. Die Handlung ist dürftig, es geht beispielsweise um hübsche Veniusianerinnen, die wegen akutem Männermangel auf ihrem Planten zur Erde geschickt werden.

Herbert Hisel Der Mopedfahrer

Das Ende der Karriere

1975 endete die Karriere. Wegen hoher Steuerschulden setzte Herbert Hisel sich nach Kanada ab. Dort trat er vor deutschstämmigen Einwanderern auf.

Als er die Schulden bezahlt hatte und nach Deutschland zurückkehrte, wollte sich der Erfolg nicht mehr einstellen. 1982 verunglückte er mit dem Auto in den USA. Bis heute hat Hisel sich allerdings eine Fangemeinde bewahrt.

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Stanislav Popov

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