Kolumne

Hermann Göring – Das Monster aus Rosenheim

Von: Tilman Weigel

Eine „Bande von Biersäufern“ sei die NSDAP, soll er geschimpft haben. Trotzdem wurde Hermann Göring einer der führenden Köpfe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Ihr Programm kam wohl seinem militaristischen Wesen und seiner Suche nach „Heldentum“ entgegen. Schon an der Schule in Ansbach und in Fürth – die Familie lebte eine Zeit lang bei seinem Paten Hermann von Eppstein auf Burg Veldenstein in Mittelfranken – fiel er weniger durch gute Leistungen auf als vor allem durch seine Vorliebe für Kriegsspiele.

Hermann Göring im Jahr 1932 – Foto: Bundesarchiv, Bild 102-13805 / CC-BY-SA

Nach der Schule wurde Göring Offizier und im Ersten Weltkrieg ein erfolgreicher Jagdpilot. Vielleicht hätte Göring Karriere beim Militär gemacht und hätte nie die politische Bühne betreten, hätte Deutschland nicht den Krieg verloren. Die Luftwaffe wurde aufgelöst und Göring wurde Kunstflieger und arbeite in der Zivilluftfahrt in Skandinavien.

1922 lernte er Adolf Hitler kennen. Schon 1923 war er beim Hitler-Putsch mit dabei. Er trug nicht unwesentlich dazu bei, den erfolglosen Maler Adolf Hitler, der in Wien mitunter in Obdachlosenheimen gelebt hatte, bei den Industriellen und Reichen salonfähig zu machen.

Während sein Bruder Albert von der Rohheit der Nationalsozialisten abgestoßen war, stieg Hermann in der Partei immer weiter auf und war ab 1928 Mitglied des Reichstages, ab 1930 Berater Hitlers und 1932 sogar Reichstagspräsident.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde Hermann Göring einer der mächtigsten Männer hinter Hitler. Er erhielt die Kontrolle über die preußische Polizei und baute diese im Sinne der NSDAP um. Dazu zählte neben der Entlassung von mehr als zwei Drittel der Polizeipräsidenten und ihrem Austausch durch Nationalsozialisten auch die Gründung des Preußische Geheime Staatspolizeiamt, der Gestapo.

Göring kurz nach seiner Festnahme durch die Amerikaner im Jahr 1945

In dieser Funktion wird Hermann Göring eine Schlüsselfigur bei der Ausschaltung der Opposition und der Einrichtung der ersten Konzentrationslager. Er wird unter anderem preußischer Ministerpräsident, Luftfahrts- und Forstminister sowie Beauftragter für den Vierjahresplan. Er spielt eine wesentliche Rolle beim Einsatz der Legion Condor in Spanien und der Verfolgung der Juden.

Privat gilt er als großspurig und eitel. Er zeigt sich gerne in Fantasieuniformen mit seiner erlegten Jagdbeute und führt einen protzigen Lebensstil. Er füllt sein Schloss mit geraubten Kunstwerken, ist drogensüchtig und wiegt 140 Kilogramm.

Durch militärische Misserfolge sinkt sein Ansehen immer mehr. Trotzdem bleibt er eine der wichtigsten Personen im Reich. 1945 bittet er Hitler sogar, ihm die Staatsgeschäfte zu übertragen. Dieser befiehlt daraufhin die Verhaftung Görings und seine Enthebung aus allen Ämtern. Schon wenig später wird er von den Amerikaner inhaftiert.

Als Hauptangeklagter bei den Nürnberger Prozessen sitzt Göring auf der Anklagebank versteht sich als Sprecher der übrigen Angeklagten. Schnell zeigt sich seine wesentliche Beteiligung am Holocaust. Er wird in allen Anklagepunkten für schuldig empfunden und zum Tode verurteilt. Doch wenige Stunden vor der Hinrichtung tötet er sich selbst.

2 Kommentare zu Hermann Göring – Das Monster aus Rosenheim

  1. Elke Höfer // 9. Februar 2012 um 07:42 //

    Er ist zwar in Rosenheim geboren, aber die Familie war in Rosenheim nicht ansässig, der Geburtsort kam durch einen Besuchsaufenthalt der Mutter zustande.
    Nur die ersten drei Jahre war er zur Pflege bei der Familie Graf in Rosenheim, während seine Eltern im Ausland waren. Aufgewachsen ist er dann in Mittelfranken.

  2. Genauer gesagt wuchs er auf Burg Veldenstein auf, wie in dem Beitrag ja auch steht. Auch dort war die Familie aber nicht wirklich „zuhause“, die Burg gehörte Hermann von Eppstein, einem Freund der Familie und Pate aller Göring-Kinder.

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