Kolumne

Haustiere in Bayern – in der Stadt oft unerwünscht

Haustiere unerwünscht Haustiere unerwünscht
Haustiere unerwünscht

Haustiere unerwünscht

In Bayern und Deutschland haben es Menschen mit Haustieren offensichtlich immer schwerer. Nicht nur das Anmieten einer Wohnung kann schon mit Katzen misslingen, auch in Altenheimen müssen die Pfleglinge ihre geliebten Vierbeiner und Vögel oftmals zurücklassen.

Das berichten unter anderem die Augsburger Allgemeine und der Münchner Merkur. Wirklich traurig. Die Augsburger Allgemeine schildert beispielsweise einen bemerkenswerten Fall in Landsberg.

Ein Paar findet seit drei Jahren keine neue Wohnung- wegen zweier Hauskatzen. Der Fall wirkt zunächst kurios, wirft aber ein Schlaglicht auf die bayerische Tierliebe, denn das Resümee auch von Fachleuten bestätigt den allgemeinen Trend: Es ist tatsächlich schwer, schon mit einer Katze in Bayern adäquaten Wohnraum zu finden.

Tierhaltung in Mietwohnungen


Keine Wohnung mit Katzen in Landsberg

Die beiden Katzen des Landsberger Paares werden als verträglich, sanftmütig und pflegeleicht beschrieben, das Besitzerpaar erlebt dennoch eine Absage nach der anderen, wenn die Rede auf die Tiere kommt.

Offensichtlich haben Vermieter Angst vor zerkratzten Türen oder beschädigtem Parkett, was Kenner zum Schmunzeln verleitet. So starke Krallen haben Katzen selten. Zudem begegnen die Besitzer dem natürlich Instinkt der Tiere mit einem Kratzbaum.

Der Augsburger Wüstenrot-Immobilienfachmann Günter Strehle bestätigte jedoch auf Anfrage von Journalisten die bestehenden Vorbehalte in der Region. Dreiviertel aller Vermieter lehnen Haustiere ab der Größe einer Katze ab, vielfach wird diese Haltung sogar inseriert. Die Landsberger Immobilienvermittlerinnen Susanne Denkmann und Gertrud Neumair machen die Marktlage mitverantwortlich: Es werden in Bayern wesentlich mehr kleine und mittlere Mietwohnungen gesucht als angeboten. Die Vermieter können sich die Kundschaft daher aussuchen.

Gehören Tiere in einem Seniorenheim?


Grundsatzentscheidung des BGH zur Tierhaltung in der Wohnung

Der Bundesgerichtshof hat sich Anfang 2007 zur Problematik generell im Urteil VIII ZR 340/06 geäußert. Ein Mieter hatte auf Zustimmung des Vermieters zur Katzenhaltung geklagt.

Im Mietvertrag war diese Zustimmung ausdrücklich als Voraussetzung für die Tierhaltung formuliert worden. Nachdem der Vermieter die Zustimmung verweigert hatte, klagte der Mieter mit Erfolg vor dem Amtsgericht.

Der Vermieter ging in Revision vor das Landgericht und schließlich vor den BGH. Dieser verwarf die Zustimmungsklausel im Mietvertrag zu Haustieren, sie stelle eine unzumutbare Benachteiligung der Mieter dar. Ausdrücklich bemerkten die obersten Richter, dass von kleineren Tieren wie Katzen und kleinen Hunden keine Gefahren ausgehen. Sollte das dennoch in Ausnahmefällen geschehen, müsse der Vermieter auf Unterlassung klagen. Dennoch gaben die BGH-Richter dem Mieter nicht grundsätzlich recht, sondern verwiesen den Fall an das Landgericht zurück. Zur Begründung hieß es, die Interessenabwägung müsse in jedem Einzelfall vorgenommen werden.

Altenpflegeheim Sonnhalde – SWR-Reportage „Ein Haus voller Leben“


Tiere in bayerischen Altersheimen unerwünscht

Der Münchner Merkur verweist darauf, dass auch in bayerischen Altersheimen die früheren Haustiere der Bewohner zumeist unerwünscht sind.

Direkt verboten werden sie zwar nicht, doch die Seniorinnen und Senioren werden auch keinesfalls ermuntert, ihre kleinen Freunde mitzubringen. Vielfach reicht ein sanftes Ausreden mit Verweis auf Hygienevorschriften und die zusätzliche Belastung von Pflegern: Man wolle doch auch nicht, dass das Tier vernachlässigt würde?

Die alten Heimbewohner schaffen es indes meist nicht mehr genügend, sich um Katze und Ziervogel zu kümmern. Es gibt auch Altenheime, welche die Tierhaltung generell und strikt verbieten, so das Theresianum in Fürstenfeldbruck und das Haus Elisabeth in Puchheim. Man beruft sich auf Hygienevorschriften. Dass es auch anders geht, beweist das BRK-Altenheim in Bruck. Die Einrichtung hat einen speziellen Raum für Vögel eingerichtet, der als Freizeitraum für die Senioren dient. Diese spielen dort nachmittags Karten, im Hintergrund zwitschern die lustigen Gesellen. Doch auch in Bruck sieht man Katzen und erst recht Hunde eher ungern. Das Olchinger Laurentiushaus lässt Vögel nur zu, wenn sich die Besitzer selbst darum kümmern, in den meisten anderen Heimen finden sich ähnliche Regelungen.

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Michael Pettigrew

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