Kolumne

Hammelburg: Burg am Hang

Von: Tilman Weigel

Hammelburg also. Zwei Monate hatte ich meine Grundausbildung in einer Artillerieeinheit in Baden-Württemberg geleistet, da wurde mir als neuer Standort Hammelburg zugewiesen. “Super Standort”, sagte mein Unteroffizier. “Fast nur Infanterie”. Da sei die Militärwelt noch in Ordnung.

Das Rathaus von Hammelburg – Foto: Heidas

Im Endeffekt war mein größter Feind als Mitarbeiter in der Pressestelle der Infanterieschule dann doch die Langeweile. Aber Hammelburg hatte weiterhin einen Ruf als eine Art bayerisches Sibirien. Was allerdings die Realität nicht besonders trifft. Hammelburg liegt im warmen Unterfranken an der Bocksbeutelstraße und nennt sich die älteste Weinstadt Deutschlands.

Seinen schlechten Ruf in unserem Zug verdankte der Ort der Tatsache, dass die meisten nur den Ortsteil Lager Hammelburg kannten, der etwas außerhalb liegt und ausschließlich aus Kasernen besteht. Eine Attraktion gibt es immerhin auch hier. Auf dem Truppenübungsplatz liegt das aufgegebene Dorf Bonnland. Besichtigt werden kann es aber nur zu besonderen Anlässen.

Das Kellereischloss – Foto: R. Stein

Die (schriftlich dokumentierte) Geschichte Hammelburgs selbst beginnt ebenfalls militärisch. 716 wird “Hamulo Castellum” erstmals urkundlich genannt. Der Name hat allerdings nichts mit Hammeln zu tun, sondern bedeutet Burg am Hang.

Wegen seiner Lage an einer Furt der Fränkischen Saale war Hammelburg von strategischer Bedeutung. Rechts der Saale entstand deswegen ein Königshof, auf der gegenüberliegenden Seite erbaute das Kloster Fulda im 12. Jahrhundert die Burg Saaleck.

Hammelburg befand sich lange in der paradoxen Situation, dass der Ort zwar zum Herrschaftsbereich des Klosters Fulda gehörte, kirchlich aber zum Bistum Würzburg, das über große Teile Unterfrankens auch weltlich herrschte und sich sicher auch gerne Hammelburg einverleibt hätte. So wurde der Ort als Grenzbefestigung ausgebaut. Noch heute sind drei der ehemals 14 Wehr- und Tortürme sowie ein Teil der Stadtmauer erhalten.

Das ehemalige Dorf Bonnland auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg wird noch zu Militärzwecken genutzt – Foto: Foto: Denny Sander

Erst die Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 beendete die kirchliche Herrschaft. Hammelburg wurde zunächst Teil von Oranien-Nassau, wurde drei Jahre später unter Napoleons Schwager Joachim Murat französisch und vier Jahre später Teil des neuen Großherzogtums Frankfurt. Schließlich kam es 1816 zunächst zu Österreich und dann zu Bayern.

1895 errichtete die bayerische Armee den Truppenübungsplatz Hammelburg, vor allem als Schießplatz für das II. Königlich Bayerisches Armee-Korps. Bis heute ist die Bundeswehr der größte Arbeitgeber vor Ort.

Allerdings versucht die Stadt seit langem, ihre Abhängigkeit von der Bundeswehr zu verringern. So positioniert sich Hammelburg als Solarstadt. Außerdem versucht die Stadt, Touristen in das liebliche Saaletal zu locken. Ein wichtiger Magnet ist dabei natürlich der Wein. Mit der Weinkellerei Schloss Saaleck unterhält die Stadt ein eigenes Weingut. Ist das Geld für Schulen und Kindergärten also mal knapp, müssen die Bürger einfach nur mehr Wein trinken.


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