Kolumne

Gustl Mollath | Wie kam es zur Zwangseinweisung?

Es sollte verschwiegen werden Es sollte verschwiegen werden
Es sollte verschwiegen werden

Es sollte verschwiegen werden

Man kann keinem in Deutschland vorwerfen, niemals von Gustl Mollath gehört zu haben. Er lebte die letzten sieben Jahre in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Die Berichterstattung seines Falles blieb Aktivisten, Bloggern oder Verschwörungstheoretikern überlassen. Am Mittwoch nun wurde sein Gesicht in praktisch allen großen deutschen Zeitungen abgelichtet, nachdem das Oberlandesgericht Nürnberg unerwartet seine sofortige Freilassung beschloss und ein Wiederaufnahmeverfahren anordnete.

Mollath‘s Freilassung am Dienstag erfolgte, nachdem das Gericht eines der medizinischen Hauptbelastungsgutachten für ungültig erklärt hatte. Nach Auffassung des Gerichts stelle das Gutachten ein „fiktives Dokument“ dar. Es basiert auf einem Fax des Rechtsanwaltes Frau Mollath‘s an das Amtsgericht, mit der Stellungnahme der Fachärztin Dr. Krach, welche per Ferndiagnose bestätigte, dass ihr Ehemann Mollath „mit großer Wahrscheinlichkeit“ an einer psychiatrischen Erkrankung leide.

Inhalte des Artikels
Gustl Mollath | Wie kam es zur Zwangseinweisung?
Der Mann der zu viel wusste?
Der Fall kann bayerische Wahlen beeinflussen
Quellen

Gustl Mollath, ein 56-Jähriger ehemaliger Restaurator von Oldtimern, wurde gegen seinen Willen im Jahr 2006 in eine Psychiatrie eingewiesen, nachdem das Gericht befunden hatte, er stelle eine Gefahr für die Gesellschaft dar. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte ihn, er habe seine Frau angegriffen sowie mehrere Fahrzeuge beschädigt. Anschuldigungen, derer er nie für schuldig gesprochen wurde. Mollath hatte die zuvor gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten und hatte behauptet, er werde für seinen Hinweis auf Steuerhinterziehung durch seine Frau und einige Mitarbeiter bei der HypoVereinsbank mundtot gemacht. Diese Aussage der systematischen Steuerhinterziehung innerhalb der Bank, welche von Mollath beschrieben worden war, wurde später vor Gericht als Beweis für seine paranoiden Wahnvorstellungen verwendet.

Der Mann der zu viel wusste?

Gustl Ferdinand Mollath wurde 1954 in Nürnberg geboren und ehelichte im Jahr 1991 seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau Petra Mollath. Petra Mollath war zu diesem Zeitpunkt Angestellte in der Vermögensverwaltung einer Großbank im Nürnberger Raum und pflegte geschäftliche Kontakte zu schweizerischen Tochterbanken.

In den 90er Jahren begann auch der Aufbau eines eigenen Kundenkreises, und der Transfer von Geldern in die Schweiz. Im Zeitraum zwischen 1990 und 2001 wurden Umbuchungen diverser Konten im Gesamtwert von 115.000 DM getätigt, dies teilweise auf privatem Wege.

Gustl Mollath war dadurch im Bilde, wie Bankmitarbeiter Ihre Kunden zu illegalen Geldtransfers auf Konten in der Schweiz animierten. In entsprechenden Seminaren wurden Bankmitarbeiter über die Möglichkeit und das Prozedere von unsauberen Geldanlagen in der Schweiz informiert. Der zunehmende Umfang der Transfers, zwischenzeitlich über mehrere 100 Mio. DM, ließ bei Gustl Mollath zunehmend Bedenken aufkommen. Im Jahr 2001 richtete er schließlich einen Brief an Banker der HypoVereinsbank in Deutschland als auch in der Schweiz, mit der Bitte diese Praktiken einzustellen. Der Briefwechsel ist hier nachzulesen.

Schließlich ging Gustl Mollath erst nach der Anzeige der Körperverletzung gegen seine Frau mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit. In einer Klage gegen seine Frau, einige andere Mitarbeiter und Kunden der Bank, warf er Ihnen illegalen Geldtransfers in die Schweiz vor. Die interne Revision der Bank folgte den Hinweisen und verfasste einen internen Bericht, der jedoch unter Verschluss blieb. Die Staatsanwälte wiesen Mollath‘s Vorwürfe als unzureichend detailliert ab um eine strafrechtliche Untersuchung einzuleiten.

Unter eidesstattlicher Erklärung sagte auch der Zahnarzt Petra Mollath‘s aus, sie habe ihm erzählt, dass, wenn ihr Mann Gustl sie und Ihre Bank anzeige, sie ihn „fertig mache“. Sie hätte “sehr gute Beziehungen“ und werde Ihn auf seinen Geisteszustand überprüfen lassen. Zudem versicherte sie Gustl 500 000 Euro seines Vermögens behalten zu können, sofern er davon ablassen würde, sie anzuzeigen. Sie gab an, das Mollath’s Oldtimer Geschäft keinen Gewinn brachte und nur durch ihre Beisteuerung, sie gibt Verbindlichkeiten bis zu 700 000 DM an, existieren konnte. Im vergangenen Jahr nun wurde der interne Bericht von der HypoVereinsbank in München der ansässigen Süddeutschen Zeitung zugespielt. Es wurde festgestellt, dass Bankangestellte tatsächlich interne Richtlinien und deutsche Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche verletzten. Ferner warnte der Bericht davor, dass Mollath „Insiderwissen“ hätte und mit den Informationen an die Öffentlichkeit gehen könne.

Wie geht es weiter?

Wie geht es weiter?

Der Fall kann bayerische Wahlen beeinflussen

Lange Zeit von den Medien ignoriert, hat Mollath‘s Fall letztlich gravierende Auswirkungen auf die bayerische Politik. Nur wenige Monate, bevor der vertrauliche Bericht der SZ zugespielt wurde, sagte die bayerische Justizministerin Beate Merk, dass Mollath‘s Vorwürfe der Steuerhinterziehung in keiner Weise im Zusammenhang mit seiner Verurteilung stünden. Als die Vorwürfe sich nun doch als wahr erwiesen, war Merk gezwungen, eine neue Verhandlung zu fordern. Der Landtag wurde einberufen, ebenfalls ein Untersuchungsausschuss, dessen Ergebnis eine Spaltung zwischen Gesetzgebern aus der Regierungskoalition, CSU und FDP – und den Angehörigen der Opposition ergab.

Trotz seiner Entlassung am Dienstag wird der Fall Mollath wahrscheinlich nicht aus den Schlagzeilen verschwinden. In Bayern sind nächsten Monat Parlamentswahlen und der „Whistleblower Fall„ hat sich zu einem zentralen Thema in der Wahlkampagne entwickelt.

Quellenangabe
http://www.gustl-for-help.de/chronos.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Gustl_Mollath
http://www.faz.net/aktuell/politik/verfahren-wird-neu-aufgerollt-gustl-mollath-kommt-frei-12399200.html
http://www.sueddeutsche.de/bayern/chronologie-zum-fall-gustl-mollath-schwierige-suche-nach-der-wahrheit-1.1542305
http://muschelschloss.blogspot.de/2013/06/the-case-gustl-mollath.html

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Artsem Martysiuk
Artikelbild Mitte: ©panthermedia.net Marc Dietrich

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