Kolumne

Guardiolas Änderungen auf dem Prüfstand

Welche Änderungen stehen an? Welche Änderungen stehen an?
Welche Änderungen stehen an?

Welche Änderungen stehen an?

Die spielfreie Zeit ist vorbei. Heute Abend startet mit dem Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem Triple-Gewinner Bayern München die neue Bundesliga-Saison. Besonders für den neuen Bayern-Coach Pep Guardiola wird es ein brisantes Duell. Nach glanzvollen Auftritten seiner Schützlinge in der Vorbereitung, etwa gegen den FC Barcelona und Inter Mailand, folgte die Niederlage gegen den Rivalen aus Dortmund im Supercup.

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Guardiolas Änderungen auf dem Prüfstand
Alles neu macht der Pep
„Wir brauchen mehr Zeit“ [/sw[/sws_yellow_box]

Alles vergessen. Spätestens heute sollen sich die Bayern von ihrer neuen Seite präsentieren. Mit dem Start in die neue Saison wird sich zeigen, wie gut die Vorbereitung der Münchner wirklich war. Das Duell mit Mönchengladbach soll Aufschluss geben, ob und wie die von Guardiola vorgenommenen Änderungen sich auf die Mannschaft auswirken.

Alles neu macht der Pep

Seit der 42-jährige Katalane Guardiola am 24. Juni offiziell vorgestellt wurde, scheint sich beim bayrischen Rekordmeister einiges verändert zu haben. Kein Stein blieb zuletzt von Guardiola auf dem anderen, kein Spieler war gesetzt. So auch auf der Doppel-Sechs. Künftig will der Spanier nur noch mit einem Sechser spielen.

Der Weltmeister Javi Martinez spielte daher in der Vorbereitung meist in der Innenverteidigung. Generell lies Guardiola in der Vorbereitung viel rotieren, ändern und verbessern.

So durfte gelegentlich Tom Starke für Nationaltorwart Manuel Neuer zwischen die Pfosten. Phillip Lahm, etatmäßiger Verteidiger, wurde im Mittelfeld eingesetzt. Beim Bayern-Kapitän Lahm stieß das jedoch auf wenig Begeisterung. „Ich habe immer gesagt, dass es gut ist, wenn man auf einer Position Erfahrung hat. Und die habe ich als rechter Verteidiger“, sagte er gegenüber dem Sportmagazin „Kicker“.

Generell lies Guardiola quasi als erste Amtshandlung den Kader umstrukturieren. Mario Gomez verließ ob des großen Konkurrenzdrucks den Verein Richtung Florenz. Guardiolas Wunschspieler Thiago Alcantara, den er noch aus seiner Zeit beim FC Barcelona bestens kennt, wurde gekauft und verschärft den sowieso schon immensen Druck im Mittelfeld. Für Mario Mandzukic, letztes Jahr immerhin Angreifer Nummer 1 beim Rekordmeister mit 15 Saisontreffern, droht zum Saisonbeginn nur die Bank. Grund ist die Änderung im Spielsystem. Mit Guardiola hält auch der typisch spanische Fußball Einzug in die Bundesliga. Im typischen 4-1-4-1-System setzt der Bayern-Trainer auf viel Ballbesitz. Einen echten Stoßstürmer soll es nicht mehr geben.

Hackentricks sollen zum großen Teil aus dem Spiel verschwinden. Mit dieser zielstrebigen Spielweise unterscheidet er sich deutlich von seinem Vorgänge Jupp Heynckes, der noch auf den „altmodischen“ echten Mittelstürmer setzte. Ansonsten kann man unter Neu-Trainer Guardiola noch die üblichen Veränderungen feststellen. Es gibt neue Laufwege, neue Spielzüge und neue Regeln. So dürfen die Spieler vor Heimspielen bei ihren Familien übernachten. Außerdem bringt Guardiola Teile seines bekannten Trainerstabes mit.

Was wird noch kommen?

Was wird noch kommen?

„Wir brauchen mehr Zeit“

Bei so vielen Änderungen in Spielweise und Ausrichtung ist klar, dass nicht alles sofort funktioniert. Das weiß auch der spanische Star-Trainer. „Wir brauchen mehr Zeit“, forderte dieser gegenüber dem Onlineportal „Goal.com“ vor dem ersten Saisonspiel.

Gleichzeitig wisse der Trainer, dass er eine schwierige Aufgabe vor sich habe. Dennoch sieht man sich in München auf einem guten Weg, eventuell sogar das historische Triple der vergangenen Saison zu wiederholen. Auch die Spieler kommen gut mit ihrem neuen Cheftrainer klar. Seine Veränderungen werden positiv gesehen.

So kommentiert Mittelfeld-Star Arjen Robben gegenüber dem „Münchner Abendblatt“ die Veränderungen des Spaniers: „Das spornt jeden an und treibt uns noch mehr an. Man lernt dazu und das ist immer gut. Es erfrischt uns“.

Und genau das ist es, was Guardiola nach seinem Amtsantritt erreichen wollte – frischen Wind. Das hat er, zumindest oberflächlich geschafft. Dennoch werden auch erste kritische Stimmen laut, die Vergleiche zwischen Guardiola und Jürgen Klinsmann ziehen. Klinsmann wurde 2008 Bayern-Trainer und sollte den Verein „reformieren“ und modernisieren. Seine zahlreichen Änderungen und Umstellungen zeigten jedoch in der Liga keine Wirkung und Bayern schien sogar Gefahr zu laufen, sich nicht für die Champions-League zu qualifizieren. Bis heute gilt die Verpflichtung Klinsmanns als größter Irrtum der jüngeren Bayern-Geschichte. Ein ähnliches Schicksal will mir dem Spanier Pep Guardiola niemand ein zweites Mal erleben. Das weiß auch Sportvorstand Matthias Sammer, der gegenüber der „WAZ“ die von Guardiola vorgenommenen Änderungen herunterspielt. „Jeder Trainer verändert Nuancen. Und es sind auch jetzt wirklich nur Nuancen verändert worden“. Damit will der Sportvorstand seinen Cheftrainer vor der immensen Erwartungshaltung der Öffentlichkeit schützen.

Dennoch wird sich Guardiola am ersten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison zum ersten Mal seit dem Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund den hohen Erwartungen ausgesetzt fühlen. Das Spiel wird zeigen, ob Guardiolas Änderungen schon greifen. Falls nicht, und Bayern sogar mit einer Niederlage in die neue Saison startet, werden die kritischen Stimmen rund um die Säbener Straße wohl ein wenig lauter. Doch das ist ein Erwartungsdruck, den Guardiola wohl noch aus seiner Zeit beim FC Barcelona bestens kennt und dem er gewachsen zu sein scheint.

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Michael Rosenwirth
Artikelbild Mitte: ©panthermedia.net Melinda Nagy

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