Kolumne

Gott mit Dir, dem Ministerpräsidenten – Die Bayern und ihre Hymne

Von: Tilman Weigel

Vom Deutschlandlied hat es nur die dritte Strophe zur Nationalhymne gebracht. Die ersten beiden gehören nicht mehr dazu. Bei der Bayernhymne dagegen ist es umgekehrt. Hier gibt es heute keine dritte Strophe mehr.  Das „Gott mit ihm, dem Bayern-König“ wurde mit dem Ende der Monarchie abgeschafft. Ein „Gott mit ihm, dem Ministerpräsidenten“ würden Seehofer, Stoiber und Co zwar sicher gefallen, hört sich aber reichlich holprig an.

Der Freistaat hat seine eigene Hymne – Foto: © Stihl024 / PIXELIO

Gedichtet hat den Text der Münchner Lehrer Michael Öchsner im Jahr 1860. Die Melodie steuerte Konrad Max Kunz bei. Der hatte als Sohn des Schwandorfer Stadttürmers schon früh Musikunterricht bekommen und arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Komponist und Chordirigent in der Landeshauptstadt. Beide waren Mitglieder der Bürger-Sänger-Zunft München, die das Lied der Bayern am 15. Dezember 1860 auch das erste Mal aufführte.

Allerdings war es keineswegs von Beginn an eine offizielle Hymne. Diesen Status hatte das Lied „Heil unserem König, heil„, das wie das preußische „Heil Dir im Siegerkranz“ zur Melodie von „God save the Queen“, der Urmutter als Königs- und Nationalhymnen, gesungen wurde. Das Lied „Für Bayern“ war damals eher ein Volkslied, von dem schnell verschiedene Versionen kursierten. Gerne sang man es auch zur Melodie der österreichischen Kaiserhymne von Joseph Haydn, die heute auch für die deutsche Nationalhymne verwendet wird. Die Texte beider Lieder lassen sich nämlich problemlos auf die Melodie der jeweils anderen Hymne singen – übrigens auch auf die der untergegangenen DDR.

Die Bayernhymne: Gott mit dir, du Land der Bayern

Dass heute vielfach zwei verschiedene Versionen zu hören sind, hat seinen Grund allerdings in der jüngeren Vergangenheit. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Bayern eine starke Tendenz, sich von Deutschland abzuspalten. Die separatistische Bayernpartei beauftragte daher den Schriftsteller Joseph Maria Lutz die Hymne umzuarbeiten. Übrigens jener Lutz, der auch Franz von Kobells Erzählung vom Brandner Kasper in ein Theaterstück umarbeitete. Aus der deutschen Erde wurde in der neuen Version der Bayernhymne die Heimaterde und statt „mit Deutschlands Bruderstämmen“ wollte man sich nun „vom Alpenland zum Maine“ einig sein. Außerdem bekam das Lied der Bayern wieder eine dritte Strophe, in der aber nicht der König sondern jene besungen wurden, die „der Menschen heilig Recht treu beschützen und bewahren„.

1952 beschloss der Landtag aber zunächst, dass die ersten beiden Strophen des Öchsner-Textes an den Schulen zu lehren seien. Doch als das Lied der Bayern 1966 offiziell zur bayerischen Hymne wurde, wählte Ministerpräsident Alfons Goppel die neue Fassung von Joseph Maria Lutz. Anders als das Sachsenlied, die Hamburg-Hymne oder „Thüringen, holdes Land“ ist „Für Bayern“ eine offizielle Hymne. Diesen Status hat sonst nur das Hessenlied und das Saarlandlied, das bis zum Beitritt des Saarlands zur Bundesrepublik 1957 dort sogar Nationalhymne war.

Ärger um die Bayernhymne gab es 1982, als die Volksmusikgruppe „Biermösl Blosn“ die Hymne zu „Gott mit Dir, Du Land der BayWa“ umdichteten und den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft kritisierten. Weil das dem Kultusminister nicht gefiel, wurde 1998 sogar ein Musikbuch für den Schulunterricht zurückgezogen, in dem die parodistische Fassung vorkam. Den Mitarbeitern im Kultusministerium war das womöglich selbst peinlich. Denn im Inhaltsverzeichnis blieb das Lied weiter aufgeführt.

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