Kolumne

Fastnachts-Hochburg Unterfranken

Von: Tilman Weigel

Heißt es Fasching, Fastnacht oder Karneval? Der Bayerische Rundfunk spricht von Fastnacht, die Plakate verkünden den Faschingszug und in Karlstadt gibt es eine Karlstadter Karnevals Gesellschaft (KaKaGe). Bei letzterer war aber wohl eher die Alliteration für die Namensgebung ausschlaggebend, ansonsten spricht man in Unterfranken meistens von Fastnacht oder Fasching. Aber so eng wie am Rhein, wo einen die falsche Bezeichnung der fünften Jahreszeit schon mal in Schwierigkeiten bringen kann, wird es am Main nicht gesehen.

Sie dürfen auf keinem Veitshöchheimer Fasching fehlen: Waltraud und Mariechen – Foto: Stephan Kohler

Vielleicht liegt es am Wein, dass Unterfranken die bayerische Faschingshochburg ist. Und außerdem reichte das Kurfürstentum Mainz zwischenzeitlich bis zum Spessartstädtchen Lohr. Allerdings liegen die bekanntesten Faschings-Orte aller noch weiter südlich. Darüber, welche Stadt die unterfränkische Hochburg des Karnevals ist, wird heftig gestritten. Zuerst fällt einem natürlich Veitshöchheim ein. Schließlich findet dort jährlich die Prunksitzung des Fastnacht-Verbandes Franken statt, die unter dem Titel „Fastnacht in Franken“ (Live-Übertragung 2011 am 25.02. im BR) die erfolgreichste Sendung des Bayerischen Rundfunks ist. Fast jeder zweite Bayer schaltete sich 2010 bei der Übertragung ein. Zwischendrin war sogar mal ein Wechsel der Sendung zum ZDF im Gespräch, als der Bayerische Rundfunk die Mittel für die Fernsehübertragung kürzte. Wegen „Etateinschränkungen zugunsten Münchner Fernsehprojekte“, wie gemutmaßt wurde. Allerdings fürchtete man beim Fastnacht-Verband, dass dann zwar die Prunksitzung groß rauskommen könnte, der Bayerische Rundfunk aber aus Protest die sonstige Faschings-Berichterstattung aus Franken wie die „Närrische Weinprobe“ einstellen könnte.

Und auch der fränkische "Dreggsagg" Michl Müller ist mit dabei.

Auch im wenige Kilometer entfernten Karlstadt sieht man sich allerdings als die fränkische Faschingshochburg und verweist darauf, dass der Faschingszug der zweitlängste in Unterfranken sei. Mehr Teilnehmer hat nur der in Würzburg, aber die mit Abstand größte unterfränkische Stadt laufe ja aufgrund ihrer Einwohnerzahl außer Konkurrenz. Außerdem kämen mehrere der langjährigen Künstler der Prunksitzung in Veitshöchheim aus Karlstadt, beispielsweise die Gebrüder Narr, die seit der ersten im Fernsehen übertragenen Sitzung 1987 jedes Jahr dabei sind.

In Kitzingen wiederum verweist man darauf, dass die Stadt das vom Bund Deutscher Karneval betriebene Fastnachtmuseum beherbergt. Doch den höchsten Anteil an Faschingsbegeisterten gibt es meistens in Dörfern, die außerhalb Unterfrankens niemand kennt.

Auch in Unterfranken ist aber der Karneval nicht jedermanns Sache. Manch einer flieht dann lieber in faschingslose Gegenden. Ein Kompliment kommt aber sogar einem überzeugter Faschingsmuffel über die Lippen: „Im gleichen Maße, wie der Starkbieranstich am Nockherberg über die Jahre an Niveau verloren hat, hat Fasching in Franken dazu gewonnen.“


Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*