Kolumne

Europas ältester Kulturforst

Von: Tilman Weigel

Steckerlaswald – so nennen die Nürnberger abschätzig ihren Wald, der doch den stolzen Titel Reichswald trägt. Den Schimpfnamen verdankt er den vielen Nadelbäumen. Auch als „des Reiches Streusandbüchse“ wurde er geschmäht.

Der Steckerlaswald macht seinem Namen alle Ehre – Foto: Masteraah, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Doch Sandböden machen nur rund ein Drittel der Gesamtfläche aus. Dass heute rund 85 Prozent der Bäume Nadelbäume sind, hat einen anderen Grund: den Menschen. Allerdings weniger die heutigen Generationen als vielmehr unsere Urahnen, die schon im 14. Jahrhundert die Buchen- und Eichenwälder so vollständig abgeholzt hatten, dass der Nürnberger Peter Stromer 1368 Kiefern planmäßig aussähte und damit nebenher die geregelte Forstwirtschaft einführte.Die Erfolge waren bescheiden, zumal die Nürnberger den Wald gleich wieder abholzten. Erst neue Gesetze schützten den Wald. Doch weil Nadelbäume eben schneller wachsen als Laubbäume, wurde der Reichswald zum Steckerlaswald – bis heute. Seit 1979 ist der Reichswald Bannwald – für jeden gefällten Baum muss heute ein neuer gepflanzt werden.

Der Weissensee im Sebalder Reichswald – Foto: Keichwa, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Eigentlich müsste man von den Reichswäldern sprechen. Nämlich vom Sebalder Reichswald im Norden und vom Lorenzer Reichswald im Süden. In den vergangenen Jahren kam auch noch der südliche Reichswald hinzu, der sich vom Landkreis Roth bis in die Oberpfalz erstreckt. Er gehört historisch eigentlich gar nicht dazu, aber praktisch macht es Sinn, ihn mit dazu zu zählen.

Trotz seine schlechten Rufs ist der Reichswald erstaunlich artenreich. Damit sich die ökologische Vielfalt noch weiter erhöht, soll der Anteil der Laubbäume Schritt für Schritt erhöht werden. Denn die Bedeutung des Reichswaldes hat sich geändert. Er soll heute nicht mehr Brenn- und Möbelholz für die Stadt produzieren, sondern dient vor allem als Grundwasserspeicher und als Naherholungsgebiet. Viele Wanderwege lassen sich mit Straßen-, U- oder S-Bahn erreichen. Neben der Stadtnähe dürften auch die vielen Wirtshäuser und Biergärten entlang der Wanderwege zur Beliebtheit des Reichswaldes als Naherholungsgebiet beitragen.

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