Kolumne

Erika Fuchs – die Mutter des „ächz“ und „stöhn“

Von: Tilman Weigel

Erika Fuchs war eine gebildete Frau. Trotzdem hat sie Tausende von Deutschlehrern in den Wahnsinn getrieben und den Propheten des angeblichen Sprachverfalls stetig neue Nahrung gegeben. Denn sie hat nicht nur die meisten Donald Duck und Micky Maus Comics ins Deutsche übertragen, sondern dabei auch den sogenannten Inflektiv populär gemacht. Die Verkürzung von Verben auf ihren Wortstamm wie „ächz“, „stöhn“ und „grübel“. Wörter, die mittlerweile sogar in die Alltaggsprache eingeganen sind.

Erika Fuchs übersetzte viele Jahrzehnte die Abenteuer von Donald und Micky – Foto: Karlo

Denn Erika Fuchs stand vor dem Problem, Ausdrücke wie „scream“ ins Deutsche übertragen zu müssen. Im Englischen bedeutet „to scream“ schlicht schreien, die Texter liesen einfach das „to“ weg. Sollte dort in der Übersetzung „schreien“ stehen? Erika Fuchs entschied sich, die Endung „-en“ wegzulassen, aus „scream“ wurde „schrei“.

Trotz aller Klagen über die sogenannte „Comicsprache“ nicht nur von Deutschlehrern wurden ihre Wortverkürzungen mittlerweile geadelt. Sie gelten als Stilmittel und bekamen einen hochtrabenden Namen. Sie heißen jetzt Inflektiv. Umgangssprachlich werden sie in Erinnerung an ihre Schöpferin auch als Erikativ bezeichnet.

Die Übersetzerin war 1906 als Erika Petri in Rostock geboren worden. Die Frau, die mit der Comicsprache den Inbegriff des angeblichen Sprachverfalls schuf, hatte in den 1920er Jahren Kunstgeschichte, Archöologie und mittelalterliche Geschichte studiert und promovierte 1931 mit „summe cum laude“, der Bestnote.

Zum Comic kam sie 1951, als sie Chefredakteurein der Zeitschrift Micky Maus wurde. Erst 1988 ging sie mit rund 82 Jahren in Rente. Wer ihre Übersetzungen aufmerksam liest, staunt über die vielen Zitate und Anspielungen, oft von Goethe oder Schiller. Auch ihr Mann, nahm Einfluss auf ihre Bücher. Denn Günter Fuchs war unter anderem Erfinder und beriet sie in technischen Fragen. Mit ihm zog sie 1933 nach Schwarzenbach im oberfränkischen Landkreis Hof. Dort verbrachte sie den größten Teil ihres Lebens und dort liegt sie auch begraben.

Erinnerung an Erika Fuchs in Schwarzenfeld – Foto: Gedenkplakette gestiftet von D.O.N.A.L.D.

Auch ihre oberfränkische Wahlheimat findet sich in den Büchern. Onkel Dagobert betreibt beispielsweise in einer Ausgabe einen Skilift am Ochsenkopf, der in Wahrheit nicht bei Entenhausen, sondern im Fichtelgebirge liegt. Auch das kleine Schnarchenreuth hört sich wie eine Erfindung an, doch den Namen entlieh Erika Fuchs ebenso wie Oberkotzau von einem Dorf im Landkreis Hof.

14 Jahre nach ihrem Tod in München soll es in Schwarzenbach jetzt auch ein Erika Fuchs Museum geben. Damit soll ihre Bedeutung für die deutsche Sprache gewürdigt werden, auch wenn viele noch immer zusammenzucken bei Kurzmitteilungen wie „Grad Deutsch – ächz. Noch 2 Stunden – stöhn“.

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