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Kolumne

Ein Münchner im Himmel – Der Bayer „grantlt“ einfach gern

Von: Marlene Soff

Seit jeher fragen sich die Menschen, was passiert, wenn wir aufhören zu leben und in das Reich der Toten übergehen. Der bekannte Schriftsteller Ludwig Thoma hatte gerade im Bezug auf die Bayern da so seine ganz eigene Vorstellung. Mit der Satire „Ein Münchner im Himmel“ hat er nicht nur anschaulich erzählt was passiert, wenn ein echter bayrischer Grantler zu den Engeln kommt, sondern sich gleichzeitig auch selbst ein Denkmal gesetzt. Noch heute ist der fantasiereiche Schriftsteller in aller Munde und auch die Geschichte vom „Münchner im Himmel“ erfreut sich immer noch großer Beliebtheit.

Alois Hingerl als Wandgemälde im Hofbräuhaus – Foto: LepoRello, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Also ich kenne die Geschichte ja noch aus meiner Kindheit, als sich meine Eltern ausgiebig darüber amüsiert haben. Für all jene jedoch, die nicht wissen, worum es bei „Ein Münchner im Himmel“ geht, ist die Geschichte schnell erklärt. Den Anfang macht Alois Hingerl, ein waschechter Münchner, der Dienstmann am Münchner Hauptbahnhof ist. Nachdem er bei einem seiner Aufträge zu viel Eile an den Tag legt, trifft ihn der Schlag und schon mühen sich zwei Engel ab, um den gstandnen Bayern in den Himmel zu hieven. Dort trifft er dann auch gleich auf Petrus, welcher ihm den Namen „Engel Aloisius“ gibt, eine Harfe verpasst und ihm eine Wolke zuteilt. Gleichzeitig wird er mit der sogenannten „himmlischen Hausordnung“ vertraut gemacht, und es wird ihm erklärt, dass er ab sofort auf seiner Wolke sitzen, frohlocken muss und Hosianna singen soll – und das Ganze nach einem strengen Zeitplan. Lange Rede kurzer Sinn, Alois Hingerl wäre kein echter Münchner, wenn er die ihm zugeteilte Aufgabe nicht in echter Manier eines bayrischen Grantlers erledigen würde. Und so kommt es, wie es kommen muss, Engel Aloisius wird während der Geschichte nicht nur handgreiflich, sondern auch zunehmends grantiger, je mehr ihm aufgeht, dass er wohl so schnell kein Bier mehr zu sehen bekommt.

Auch als Plüschfigur ist Aloisius zu haben.

„Himmi Herrgott“, „Saggrament“ und „luuiah“ sind nur einige wenige der vielen Ausdrücke, derer sich Engel Aloisius bedient. Auf diese Weise bemerkt auch Gott den aufsässigen Engel und erkennt, dass der Himmel kein friedlicher Ort mehr ist, solange der grantige Münchner dort oben auf seiner Wolke sitzt. Aus diesem Grund erteilt er Alois Hingerl die Aufgabe, der Bayrischen Regierung die göttlichen Botschaften und Ratschläge zu übermitteln, was ihn regelmäßig in sein geliebtes München führen wird. Alois ist heilfroh über diese Entscheidung, nimmt den ersten Auftrag mit nach unten und geht, wie könnte es anders sein, zuerst einmal ins Hofbräuhaus. Dort bestellt er sich ein Bier ums andere und es wird vermutet, dass er noch heute dort sitzt. Zumindest scheint die Bayrische Regierung noch keine der göttlichen Botschaften erhalten zu haben, oder?

Ich kann nur sagen, wer die Geschichte noch nicht kennt (was in Bayern eine echte Bildungslücke ist), sollte sich wirklich einmal Zeit nehmen und den „Münchner im Himmel“ lesen, oder sich eine der vielen Verfilmungen ansehen. Lachanfälle sind garantiert und es macht einfach Spaß, dem bayrischen Urgestein beim „Grantln“ zuzuhören. Als echter Bayer ist man es dem armen Schriftsteller im Grunde genommen sogar schuldig, da er sich für seinen Schlusssatz über die bayrische Regierung sogar eine Geldstrafe eingehandelt hat. Ein Beweis mehr, dass noch keine der göttlichen Botschaften angekommen ist!

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