Kolumne

Ein Bahnknotenpunkt im Dornröschenschlaf

Von: Tilman Weigel

Gemünden, 06.05.2011 – Der Bahnhof von Gemünden sieht mit seinen riesigen Gleisanlagen noch immer imposant aus. Die Regionalbahn nach Jossa fährt laut Fahrplan von Gleis 9. Ein Gleis 9, das gibt es in den Bahnhöfen vieler Mittel- und sogar einiger Großstädte gar nicht – im kleinen Gemünden aber schon. Denn hier treffen sich nicht nur vier Flüsse, sondern auch vier Eisenbahnlinien. Hier zweigt die Strecke von Würzburg nach Schlüchtern und weiter nach Fulda von der nach Frankfurt ab und hier beginnen die Nebenlinien nach Bad Kissingen und durch das Werntal nach Schweinfurt.

Über die Maintalbrücke verläuft die Schnellfahrstrecke – Foto: Heidas, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Viel los ist jedoch nicht auf den vielen Bahnsteigen. Den Grund dafür kann man an anderer Stelle in Gemünden sehen. Dort überspannt die Brücke der Schnellfahrstrecke Würzburg-Hannover den Main. Seit ihrer Eröffnung hat Gemünden seine Funktion als Bahnknotenpunkt nach und nach weitgehend verloren. Immer weniger Fernverkehrszüge hielten in der Stadt, seit 2008 ist ganz Schluss. Seitdem ist der stolze Bahnhof nur noch eine Regionalhaltestelle. Die Bahn stufte die Station aus der Kategorie drei (Bahnknotenpunkt) in die Kategorie fünf von damals sechs Stufen zurück, auf eine Ebene mit den kleinere S-Bahn-Halten in Nürnberg und München.

Der Bahnhof in Gemünden fristet ein Schattendasein – Foto: Reinhard Dietrich, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Dabei hatten die ersten Planungen für die Schnellfahrstrecke Würzburg-Hannover für Gemünden noch eine zentrale Rolle vorgesehen. Kurz vor der Stadt sollte die Neubaustrecke enden und auf die bestehende Mainlinie schwenken, der Bahnhof sollte ausgebaut werden. Doch daraus wurde nichts. Der gesamte Fernverkehr aus Frankfurt und Fulda hätte sich mit dem Nahverkehr die letzten Kilometer von Gemünden nach Würzburg teilen müssen. Zu viel für die damals ohnehin stark ausgelastete Strecke, befürchteten die Planer der Bundesbahndirektionen.

Also entschied man sich für einen Streckenneubau, Gemünden wurde abgehängt. Ein weiterer Rückschlag für den Bahnknotenpunkt, nachdem schon 1976 der Personenverkehr auf der Werntalbahn eingestellt worden war und seitdem niemand mehr aus Gössenheim oder Thüngen auf dem Weg nach Frankfurt oder Würzburg in Gemünden umstieg.

Aber noch immer benutzen rund 10.000 Reisende den Bahnhof pro Tag. Gemünden ist Endstation für die von der Erfurter Bahn betriebene Fränkische Saaletalbahn nach Bad Kissingen und Umsteigebahnhof in Richtung Fulda, auch wenn heute viele Züge aus Jossa bis Würzburg durchfahren. Und seit dem 1. Januar 2011 gehört Gemünden sogar zur Bahnhofskategorie vier von jetzt sieben Stufen, zur Gruppe der großen Regionalbahnhöfe.

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