Kolumne

Die Steinerne Brücke in Regensburg – Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst

Von: Michael Neißendorfer

Nach dem Regensburger Dom ist die Steinerne Brücke der zweite große Besuchermagnet in der bayerischen Donaumetropole. Sie war mit ein Grund für die Entscheidung, die Altstadt Regensburgs in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen. Erbaut zwischen 1135 und 1146 – in nur 11 Jahren – galt sie zu ihrer Zeit als achtes Weltwunder. Sie verband damals nicht nur den Stadtteil Stadtamhof mit der Altstadt, sondern war für die nächsten 800 Jahre der einzige Übergang über die Donau in der Region, was nicht unerheblich zum großen Reichtum des mittelalterlichen Regensburg beitrug.

Die Steinerne Brücke in Regensburg – Foto: Hytrion

Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst

Die Steinbogenkonstruktion der ‚Stoanan‘, wie die Regensburger sie liebevoll nennen, war zu ihrer Zeit einzigartig und diente später als Vorlage für viele andere berühmte Brückenkonstruktionen. Ihre 14 Bögen führen auf knapp 300 Metern über die Donau. Von den ursprünglich drei Türmen blieb leider nur der Brückturm auf der Südseite erhalten. Wer wissen will, wie prachtvoll die Steinerne Brücke einmal gewesen ist, der kann im Historischen Museum Regensburg ein altes Holzmodell bestaunen.

Der letzte von drei Türmen, der noch übrig ist: der Brückturm

Wenn man heute über die Brücke schlendert, ist es kaum vorstellbar, dass auf ihr bis vor einigen Jahren noch reger Autoverkehr herrschte. Sogar eine Linie der Regensburger Straßenbahn führte einst direkt über das betagte Bauwerk. Das ehemalige Baubüro gleich nebenan steht übrigens noch immer und ist kaum zu überriechen: Darin befindet sich mit der Historischen Wurstkuchl der wohl älteste Imbissstand Bayerns. Den Holzofengrill riecht man schon von weitem, und wer bei einem Regensburg-Besuch dort nicht gegessen hat, der hat eindeutig was verpasst.

Stadtsage Regensburgs – Der Brückenbaumeister und der Pakt mit dem Teufel

Ob unter der Brücke einst wirklich der Teufel wartete…? – Foto: Nikater

Nach einer bekannten Regensburger Stadtsage hat der Brückenbaumeister der Steinernen Brücke mit dem Dombaumeister die Wette abgeschlossen, wer sein Bauwerk als erster vollendet haben wird. Da der Dombau schneller voranschritt, ging der Brückenbaumeister (wie viele andere mittelalterliche Baumeister auch) zur zügigen Fertigstellung einen Pakt mit dem Teufel ein. Des Teufels Plan war, dass er dank seiner Hilfe die ersten drei Seelen erhalten sollte, welche über die Brücke gehen.

Der Brückenbaumeister erreichte dank teuflischer Hilfe sein Ziel. Der Teufel wiederum freute sich schon auf seine drei Seelen, nur lies man zur Eröffnung der Brücke zuerst einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke laufen. In seiner Wut sprang der um seinen Lohn gebrachte Teufel, der sich unter der Brücke versteckte, so energisch auf, dass die Steinerne einen deutlichen Buckel bekam.

Das mit den Sagen ist ja immer so eine Sache… Tatsächlich war es so, dass die Steinerne Brücke längst fertig gestellt war, als 1273 mit dem Bau des Doms begonnen wurde. Den Buckel allerdings, den gibt es wirklich.

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