Kolumne

Die Lorenzkirche in Nürnberg – Wahrzeichen, Kunstwerk, Gotteshaus

Von: Jutta Schneider

Die Lorenzkirche in Nürnberg  ist heute eine der beiden großen Kirchen der Innenstadt. Vor ca. 800 Jahren stellte sich das noch ein bisschen anders dar, denn der Vorläufer des heutigen Kirchenbaus – die Laurentiuskapelle – gehörte zur Pfarrei der benachbarten Stadt Fürth. Als man ca. 1250 damit begann, aus der Kapelle eine stattliche Kirche zu bauen, hatte sich die Zugehörigkeit zu Fürth noch nicht geändert – das geschah erst ca. 1315.

Die Lorenzkirche in Nürnberg – Foto: jailbird

Bis der prächtige Bau vollendet war, dauerte es bis um Jahr 1400. Vorher, bereits 1380, wurde die Basilika mit ihrem dreischiffigen Grundriss und der beeindruckenden Westfassade mit der wunderschönen Fensterrosette fertig, die beiden Türme brauchten noch weitere 20 Jahre, bis sie voller Stolz in den Himmel ragen konnten.

Ganz fertig war die Lorenzkirche damit allerdings immer noch nicht, denn man versetzte kurzerhand die Außenwände, um Kapellen für wohlhabende und einflussreiche Nürnberger Bürger unterbringen zu können. Im Jahr 1400 fehlten auch noch die Emporen und der gotische Hallenchor, die erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte ergänzt werden konnten. Im Jahr 1529 erfuhr die Kirche eine weitere wirksame Veränderung, die allerdings ohne Baumaßnahmen vonstatten ging. Im Zusammenhang mit der Reformation war die Lorenzkirche eine der ersten Kirchen in ganz Deutschland, die evangelisch-lutherisch wurde – das ist sie übrigens bis zum heutigen Tag.

Der prächtige Kirchenbau war, bis auf ein paar Kleinigkeiten, bis zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs unversehrt geblieben. In den Jahren 1939 bis 1945 musste St. Lorenz allerdings sehr starke Beschädigungen hinnehmen. Erst 1949 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden, der zum großen Teil einer Spende eines wohlhabenden US-Bürgers mit Nürnberger Wurzeln zu verdanken war und ist. Als die Kirche 1952 wieder geweiht wurde, erhielt die Nürnberger Innenstadt eines ihrer Wahrzeichen zurück.

Kunst und Kirche

Der Englische Gruß von Veit Stoß

Im Inneren der Kirche befinden sich Kunstschätze von unermesslichem Wert. Während der Kriegsjahre wurden sie rechtzeitig vor der Zerstörung im Kunstbunker unter der Burg in Sicherheit gebracht. Was nicht abmontiert werden konnte – wie z.B. das Sakramentshäuschen – wurde mit einem schützenden Betonmantel umgeben, der den Bombenangriffen tatsächlich standhalten konnte. Adam Kraft schuf Ende des 15. Jahrhunderts einen fast 19 Meter hohen, fragil wirkenden Turm aus Stein, der reich verziert ist und von drei Figuren gestützt wird. Ein weiteres Kunstwerk stellt der Englische Gruß dar, auch Engelsgruß genannt. Dabei handelt es sich um ein Kunstwerk von Holzschnitzer Veit Stoß, das heute, nach einer kunstfertigen Restaurierung im alten Glanz erstrahlt.

Holzschnitzereien, Fensterbilder, Epitaphien, eines der Chorgestühle und viele einzelne Figuren – das alles gehört zum Kunstschatz der Lorenzkirche, die nicht nur Touristen damit beeindruckt. Wenn der sonntägliche Gottesdienst stattfindet, Hochzeiten und Taufen gehalten werden und die Glocken von St. Lorenz zur Andacht rufen, spielen die wertvollen Kunstgegenstände allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Dann ist die Lorenzkirche wieder das, wofür sie eigentlich gedacht war: Ein Gotteshaus.

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