Kolumne

Die Geschichte des Weinbaus in Unterfranken

Von: Tilman Weigel

Würzburg, 21.09.2011 – Wann der erste Weinstock in Unterfranken gepflanzt wurde, weiß heute niemand mehr. Kelten und Germanen, die früher hier siedelten, tranken zwar Wein, dürften einen großen Teil davon jedoch importiert haben. Darauf deuten jedenfalls etruskischen Transportamphoren und in keltischen Gräbern gefundene etruskische Weingeschirre hin. Sie bestanden meist aus einer Schnabelkanne und Trinkschalen oder Trinkhörnern.

Seit 13 Jahrhunderten wird in Unterfranken Wein angebaut – Foto: Maulaff

Vermutlich pflanzten schon siedelnde Römer im Gebiet des heutigen Unterfrankens Wein an. Doch historisch gesichert ist der Anbau erst ab dem Jahr 777. Damals bekam das Kloster Fulda das Königsgut Hammelburg mit acht Weinbergen geschenkt. Das war ganz nebenbei auch die erste Erwähnung einer Stadt im Zusammenhang mit dem Weinbau, weshalb Hammelburg sich als älteste Weinstadt Deutschlands bezeichnet.

Nur zwei Jahre jünger ist eine auf Befehl Karls des Großen angefertigte Markungsbeschreibung aus dem Raum Würzburg. Dort heißt es: «Danan in stachenhoug, danan in wolfgruoba, danan duruh den fredthantes wingarton mitten in die egga…« Ein gewisser Fredthantes muss also dort Weingärten besessen haben. Der Kaiser verfügte auch, dass im Frankenreich mehr Wein angebaut werden solle. Nicht zuletzt weil die immer zahlreicher werdenden Klöster viel davon verbrauchten.

Weinberge bei Großheubach – Foto: © Michael Baudy / PIXELIO

Um 1500 hatte der Weinbau in Franken seinen Höhepunkt erreicht. Bis zum Obermain hin wurden Reben angebaut, die Anbaufläche betrug schätzungsweise 40.000 Hektar und damit siebenmal so viel wie heute. Das war auch nötig, denn es gab keine Weinimporte aus Südafrika oder Chile. Vor allem waren die Franken damals noch trinkfreudiger als heute. Frau wie Mann tranken damals täglich bis zu fünf Maß zu je 1,22 Liter Wein. Allerdings waren Qualität und Alkoholgehalt damals auch noch deutlich niedriger als heute.

Doch dann wurde das Wetter schlechter und vor allem der 30-jährige Krieg zerstörte einen großen Teil der Anbaufläche. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche noch immer rund 12.000 Hektar und damit mehr als die der Pfalz. Neben Massenwein wurde auch zunehmend Qualitätswein hergestellt. „Schicke mir doch einige Würzburger; denn kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin verdrüßlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht!“, soll Goethe geschrieben haben und lies sich seinen Würzburger Wein selbst nach Straßburg senden.

So wird der Wein in Franken serviert: Im Bocksbeutel – Foto: Muskelprozz

Mit dem 19. Jahrhundert ging der Weinanbau noch einmal deutlich zurück. Franken kam wie die Pfalz zu Bayern. Die bayerischen Könige hatten jedoch vor allen den Weinanbau in der Pfalz gefördert. Hinzu kam, dass ab 1830 der Zehnte nicht mehr in Naturalien bezahlt werden konnte. Die Industrialisierung tat ein Übriges. Viele karge Steillagen wurden aufgegeben, weil die Arbeitsplätze in den Fabriken attraktiver waren. Einen noch größeren Anteil hat allerdings ein winziges Tier: die Reblaus. Ende des 19. Jahrhunderts eingeschleppt halbierte sie in weniger als 30 Jahren die Anbaufläche noch einmal.

Noch heute kann man entlang des Mains viele aufgegebene Weinberge sehen. Zuletzt gab es noch einen weiteren Grund für den Rückgang der Weinmenge: die stärkere Ausrichtung auf Klasse statt auf Masse. Schon 1874 war eine Weinbauschule gegründet worden, 1914 lies der Ökonomierat August Ziegler in Veitshöchheim einen Rebzuchtgarten anlegen. Seit dem Tiefpunkt des fränkischen Weinbaus nach dem Ersten Weltkrieg ging es wieder bergauf. Und tranken die Verbraucher vor 50 Jahren noch lieber süße Rhein- statt trockene Frankenweine, so liegen Silvaner und Co. heute wieder voll im Trend.

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