Kolumne

Die Bavaria – Patronin des Freistaates Bayerns

Von: Eranie Funderburk

Nicht nur während der Feierlichkeiten des Oktoberfests, sondern das ganze Jahr über, bewacht die Bavaria die Theresienwiese in München. Doch nicht nur hier findet man die mächtige Landesmutter, auch in anderen Stadtteilen und Städten kann man sie auf Wappen, Gemälden, als Reliefdarstellungen oder als Statue bewundern.

Die Bavaria auf der Tölzer Schützenscheibe

Die Bavaria – Patronin von Bayern – Foto: Jonny8

1851 malte ein unbekannter Künstler die Bavaria auf eine Schützenscheibe. Sie steht auf einem Sockel und ist mit einem Schwert bewaffnet. In der linken Hand trägt sie einen Siegeskranz. Im Hintergrund sieht man die Stadt Bad Tölz und die Alpen. Das Stadtwappen befindet sich im vorderen Teil des Bildes.

Die Bavaria im Kloster Fürstenzell bei Passau

Bei der Bavaria im Kloster Fürstenzell handelt es sich um ein Teil eines Deckenfreskos im Fürstensaal des Klosters. Gemalt wurde sie 1773 von Bartolomeo Altomonte. Im Zentrum des Bildes hat der Künstler seine Bavaria als Königin gemalt. Sie wird just in diesem Moment von einem Engel gekrönt und ist umgeben von den Allegorien der Kirche, des Handels, der Agrikultur und der Künste.

„Gallia schützt Bavaria” – ein Gemälde von Marianne Kürzinger

Auch im Kloster Fürstenzell wurde die Bavaria dargestellt.

1805 wurde von Marianna Kürzinger das Bild „Gallia schützt Bavaria“ gemalt. Hier wird die zierliche und mädchenhafte Bavaria, eingehüllt in einem weiß-blauen Gewand, vom bayerischen Löwen geschützt. Die Bavaria selbst sucht Zuflucht bei Gallia, die sie vor einem herannahenden Sturm beschützen soll. Das Bild symbolisiert die Partnerschaft zwischen Bayern und Frankreich, nachdem der Habsburger Kaiser Franz gedroht hatte, Bayern zu verschlingen.

Die Bavaria in den Münchner Hofgartenarkaden

Die Bavaria auf dem Dianatempel im Münchener Hofgarten – Foto: Rufus46

Peter von Cornelius verewigte die Bavaria als Fresko in den Münchner Hofgartenarkaden. Hier wurde die Landesmutter als Kriegerin, bewaffnet mit Brustharnisch, Mauerkrone, Speer und Schild, dargestellt. Auf dem Schild kann man die Worte „Gerecht und beharrlich“ lesen, der Leitspruch König Ludwig I. Neben der Bavaria sitzt der bayerische Löwe. Im Hintergrund sieht man eine Landschaft mit Bergen und Flusstälern.

Die Bavaria im Münchner Hofgarten

Mitten im Münchner Hofgarten befindet sich der Dianatempel. Bis 1623 zierte die bronzene Statue der Diana die Kuppel des Gebäudes. Angefertigt wurde sie von Hubert Gerhard. Der Künstler Hans Krumpper sorgte für eine Art „Typumwandlung“ und so wurde Diana zur Bavaria umfunktioniert mit Salzfass, Hirschfell, Reuse, Ährengabe und Kurapfel. Diese Beigaben sind ein Symbol des natürlichen Reichtums des bayerischen Freistaats. Mittlerweile findet man die Originalfigur im „Theatinergang“ der Münchner Residenz, im Dianatempel selbst befindet sich eine Kopie der Statue.

Die Bavaria oberhalb der Theresienwiese

Die wohl bekannteste Darstellung der Bavaria: vor der Ruhmeshalle, direkt an der Theresienwiese in München.

Die wohl bekannteste Statue der Patronin des Freistaats ist die Bavaria auf der Theresienwiese. König Ludwig I. ließ in der Zeit von 1843 und 1850 die weltberühmte Bronzestatue anfertigen. Für diese Zeit war die Anfertigung einer so großen Kolossalstatue, die zu 100 % aus Bronze besteht, eine absolute Meisterleistung. Die Statue wurde am Rande der Hangkante oberhalb der Theresienwiese direkt bei der Ruhmeshalle und dem Bavariapark aufgestellt. Über eine Wendeltreppe gelangen Besucher ins Innere der Figur. Im Kopf befinden sich eine Plattform und zwei bronzene Sitzbänke. Vier Sichtluken ermöglichen den Besuchern die Möglichkeit, die Theresienwiese und die naheliegenden Stadtviertel zu betrachten. Der Name Bavaria ist die lateinische Form für Bayern. Die Patronin des Freistaats ist Sinnbild für den Staat Bayern.

Bau der Bavaria und der Ruhmeshalle oberhalb der Theresienwiese

Die endgültige Fassung durch Schwanthaler und Klenze von 1845.

Bereits in der Zeit als Kronprinz, dachte Ludwig darüber nach, die bayerischen Provinzen und deren Bewohner zu vereinen. Um die politische Einheit zu zeigen, wurden mehrere Bauprojekte für Nationaldenkmäler von ihm geplant und finanziert. Dabei entstanden u. a. die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kehlheim und die Ruhmeshalle in München. Ludwig I. liebte Griechenland und die griechische Antike und träumte davon München in ein Isar-Athen zu verwandeln. Er rief 1833 zu einem Wettbewerb auf, bei dem die Bewerber Pläne für eine Halle oberhalb der Theresienwiese gestalten sollten. In der Halle selbst sollte Platz für ca. 200 Büsten sein.

Ein Entwurf Schwanthalers – noch abweichend von der Endfassung.

Im März 1834 entschied sich Ludwig I. für den Entwurf von Leo von Klenze. Vor allem die Idee mit der riesigen Statue vor dem Gebäude gefiel ihm sehr. Diese erinnerte ihn an die beeindruckenden Statuen der Antike, denn Leo von Klenze hatte tatsächlich bei der Gestaltung der Bavaria den Koloss von Rhodos oder die Athena Parthenos im Sinn. 1837 beauftragte Ludwig I. den Bildhauer Ludwig Schwanthaler, den Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier und seinen Neffen Ferdinand von Miller zur Fertigstellung der Bavaria. Ludwig Schwanthaler war ein Anhänger der romantischen Bewegung. Anfangs fertigte er die Statue nach den Vorgaben von Leo von Klenze. Später fügte er eigene Ideen hinzu.

Er entschied sich für den germanischen Stil. Sie erhielt ein langes, hemdartiges Kleid mit einem Bärenfell, einen Eichenkranz und ein Schwert. Neben ihr – der bayerische Löwe. Gegossen wurde die 18,52 Meter hohe und 87,36 Tonnen schwere Statue in Bronze. Insgesamt besteht die Bavaria aus vier Teilgüssen, die im Bronzehohlguss-Verfahren von Johann Stiglmaier und seinem Neffen hergestellt wurde. Der Steinsockel, auf dem die Statue steht, hat eine Höhe von 8,92 Metern. Die Fertigstellung der Bavaria hat Stiglmaier leider nicht mehr erlebt. Er verstarb im April 1844. Sein Neffe, Ferdinand von Miller, übernahm die Leitung und am 1. Dezember 1849 waren alle Teile der riesigen Statue fertig gegossen.

Die Einweihung der Bavaria und der Ruhmeshalle

Die Bavaria bei der Aufstellung, kurz vor ihrer Einweihung.

1850 wurde die Bavaria aufgestellt und eingeweiht. Ludwig I. war in dieser Zeit schon lange kein König mehr und doch fanden die Feierlichkeiten ihm zu Ehren statt. Die Ruhmeshalle wurde erst 1853 fertig gebaut.

Die Bavaria und die Ruhmeshalle im Wandel der Zeit

Während der Regierungszeit der Nationalsozialisten gab es Überlegungen, den gesamten Platz um die Bavaria zu Propagandazwecken umzufunktionieren. Zum Glück wurden die Baumaßnahmen nicht realisiert. Im August 2002 wurde die Landesmutter des Freistaates oberhalb der Theresienwiese aufwändig saniert. Seitdem erstrahlt die Bavaria 365 Tage im Jahr im neuen Glanz und wird täglich von vielen Touristen, aber auch von den Bewohnern der Stadt, besucht und bewundert.

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