Kolumne

Die andere Pfalz

Von: Tilman Weigel

Franz Josef Strauß verlor gegen Helmut Schmidt, Edmund Stoiber gegen Gerhard Schröder. Ein Bayer kann offenbar ebenso wenig deutscher Bundeskanzler werden wie ein Franke Bayerischer Ministerpräsident. Sieht man mal von Ludwig Erhard ab, der ja ebenfalls Franke war. Und doch regierte ein gebürtiger Bayer die Bundesrepublik länger als jeder andere Politiker.

Die Pfalz als bayerische Provinz im 19. Jahrhundert

Jener Helmut Kohl wurde nämlich 1930 in der bayerischen Stadt Ludwigshafen geboren. Genauer gesagt in Oggersheim, das erst 1938 zu Ludwigshafen eingemeindet wurde. Wer nun einwendet, dass Ludwigshafen doch in Rheinland-Pfalz liege, hat recht. Aber bis zur Auflösung der Länder durch die Nationalsozialisten gehörten große Teile der Rheinpfalz zu Bayern.

Die Verbindung von der Pfalz zu Bayern reicht sehr weit zurück. Schon 1214 wurden die Wittelsbacher mit der Rheinischen Pfalzgrafschaft belehnt.  Die Einheit dauerte allerdings nicht sehr lang. Schon 1329 wurde Bayern wieder geteilt. Der Hausvertrag von Pavia sah vor, dass Ludwig der Bayer Oberbayern und einige Gebiete nördlich von Regensburg erhält und die Erben seines Bruders Rudolf die Rheinpfalz und große Teile des Nordgaus, der heutigen Oberpfalz.

Speyer im Jahr 1900 als es noch bayerisch war

Bayern und die Pfalz gingen von nun an getrennte Wege. Während Bayern ein Hort des Katholizismus blieb, war die Kurpfalz eine bedeutende evangelische Macht, Heidelberg und Mannheim Zentren des Protestantismus. Allerdings übernahmen sich die Pfälzer Herrscher im 17. Jahrhundert, als sie nach der Königskrone von Böhmen strebten und damit nicht ganz unschuldig am Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges waren. Die Pfalz ging dabei fast zugrunde. Zwar wurde sie nach Kriegsende wieder ins Leben gerufen – und erneut von Wittelsbachern regiert – konnte aber nie wieder zu alter Macht zurück finden.

So sah Bayern bis 1945 aus – Grafik: Tk

1777 starb jedoch die Münchner Linie der Wittelsbacher aus und die Pfalz fiel an Bayern – genauer gesagt Bayern an die Pfalz. In den napoleonischen Zeiten verlor Pfalz-Baiern jedoch große Teile der Kurpfalz an Frankreich. Nach dem Wiener Kongreß erhielt es den Großteil der linksrheinischen Gebiete zwar zurück, doch ausgerechnet die ehemalige Residenzstadt Mannheim fiel wie weitere rechtsrheinische Gebiete an Baden.

Der Rheinkreis blieb eine Exklave. Auch waren einige Dinge dort anders als im restlichen Bayern. Während dort noch jahrzehntelang mit Maß, Schoppen und bayerischen Linien gemessen wurde, galt in der bayerischen Pfalz schon das metrische System.

Mit der Auflösung der Länder durch die Nationalsozialisten endete die bayerisch-rheinpfälzische Geschichte. An den Rheinkreis erinnern vor allem noch kirchliche Strukturen. Die bis heute bestehene Evangelische Kirche der Pfalz entspricht von ihrem Gebiet weitgehend dem alten Reichskreis, und das katholische Bistum Speyer ist wie Eichstätt und Würzburg dem Erzbistum Bamberg unterstellt.

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