Kolumne

Der olympische Fackellauf ist ein Bayer!

Olympischer Fackellauf Olympischer Fackellauf
Olympischer Fackellauf

Olympischer Fackellauf

Es ist ein Ritual, dass sich vor allen olympischen Spielen wiederholt. Im antiken Olympia wird eine Fackel entzündet und zur Austragungsstätte getragen. Anders als angenommen handelt es sich dabei aber nicht um eine alte Tradition. Damals gab es schon eine olympische Flamme, doch die Spiele fanden in Olympia statt.

Ein Fackellauf von Olympia hätte wenig Sinn ergeben. Auch bei den ersten Spielen der Neuzeit gab es die Tradition noch nicht. Sie wurde erst 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin begonnen. Initiiert haben den Lauf der Berliner Theodor Lewald und der Würzburger Carl Diem. Diem war wie Lewald Sportfunktionär. 1913 hatte er das Deutsche Sportabzeichen eingeführt.

Daneben war er maßgeblich an der Gründung der ersten Sporthochschule der Welt in Berlin beteiligt. Mit einer von ihm erstellten Ausnahmegenehmigung durfte dort unter anderem ein gewisser Sepp Herberger studieren, dem ohne Abitur das Studium sonst verwehrt geblieben wäre.

Olympische Spiele München 1972: Der Olympische Fackellauf

Aufgrund dieser Verdienste gab es beispielsweise in Würzburg lange Jahre eine Carl-Diem-Halle. Doch 2004 wurde sie umbenannt. Zwar verlor Diem noch 1933 seinen Posten als Prorektor der Sporthochschule, da er noch in die NSDAP eintreten wollte und galt den Nationalsozialisten noch 1934 als „politisch unzuverlässig“.

Doch schon 1924 hatte er sich gegen eine Teilnehme an den Olympischen Spielen in Paris ausgesprochen, „solange Neger in französischer Soldatenuniform am Rhein stehen“.

Liesen sich solche Äußerungen zumindest zum Teil auch aus dem Ärger über die Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrags und die französische Besatzung von Teilen Deutschlands verstehen, schien er vor allem im zweiten Weltkrieg der nationalsozialistischen Ideologie immer weniger abgeneigt.

Olympischer Fackellauf: Will und Kate fiebern mit

Sport sah er als freiwilliges Soldatentum und den Einmarsch in Frankreich rühmte er, als hätte die deutsche Nationalmannschaft die französische überrannt und nicht die deutsche Wehrmacht das Nachbarland. Vor allem aber rief er Hitlerjungen 1945 zum „Heldentod“ auf.

Nach dem Krieg interessiert das zunächst niemanden. Viele wenn nicht die meisten Deutschen hatten sich selbst nicht anders verhalten und die Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde verdrängt. Erst ab Mitte der 1990er Jahre wurden zunehmend Hallen und Straßen unbenannt.

Vorgeworfen wird ihm nicht zuletzt, dass er sich nie öffentlich von seinen Äußerungen in der Zeit des Nationalsozialismus distanziert hatte.

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