Anzeige
Anzeige
Kolumne

Der Karlsgraben, ein Kanalprojekt aus vergangener Zeit

Von: Karola Schmitt

Die Idee, den Main mit der Donau zu verbinden und somit einen direkten Wasserweg von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer zu erschaffen, entsprang nicht der Neuzeit. Bereits im 8. Jahrhundert gab es diesbezüglich Überlegungen, die Karl der Große in die Tat umsetzen wollte. Deshalb spricht man auch heute noch vom Karlsgraben oder von der Fossa Carolina.

Die Reste der Fossa Carolina bei Graben – Foto: Brego

Damals ging es jedoch vorrangig um die Überbrückung der kurzen Strecke zwischen der Schwäbischen Rezat und der Altmühl, um auf dem Wasserweg den Südosten des Reiches zu erreichen. Den Awaren, die bereits in Bayern eingefallen waren, galt es, im Frankenland Widerstand zu leisten. Dazu war ständig Nachschub nötig, der sich auf Schiffen leichter bewerkstelligen ließ. Natürlich war der Kanal auch für Händler gedacht, um ihren Geschäftsradius per Schiff zu erweitern.

Theorie 1

Der ehemalige Bereich des Grabens, noch zu erkennen sind die Wälle – Foto: Janericloebe

Im Jahre 793 begannen Werkleute mit dem Bau eines 3.000 m langen Kanals. Die Arbeiten waren allerdings mit erheblichen Komplikationen verbunden. Zum einen machte der Regen einen Strich durch die Rechnung und zum anderen war der sumpfige Boden für derlei Aushubarbeiten nicht geeignet. Was die Arbeiter mit großer Mühe aus dem Erdreich holten, rutschte zur Nachtzeit wieder in den Graben zurück. Dazu kamen noch die logistischen Schwierigkeiten. Der Tausende Mann zählende Arbeitstrupp wollte schließlich auch mit Nahrung versorgt werden. So lautet zumindest die eine Theorie.

Theorie 2

Einst als Wasserstraße gedacht, sind heute nur noch Reste zu finden – Foto: Vitold Muratov

Eine weitere Annahme geht davon aus, dass der Kanal tatsächlich fertiggestellt wurde. Er hätte sich aber nicht bewährt, da die Anstrengungen für eine erfolgreiche Passage der künstlichen Wasserstraße zu groß waren. Der Höhenunterschied bereitete Schwierigkeiten, die Kähne mussten streckenweise vom Ufer aus geschleppt werden. Auch brachte der nach wie vor auftretende Schlamm massive Probleme mit sich. Zu diesem Ergebnis kamen nun die neuesten Forschungen. Der Ort des Geschehens liegt direkt an der Hauptwasserscheide Europas. Das Flusssystem vom Rhein kommt an dieser Stelle dem Donau-Wassersystem sehr nah.

Der Karlsgraben als touristischer Anziehungspunkt im Altmühltal

Was bis heute übrig blieb, ist ein etwa 500 m langer, mit Wasser gefüllter Graben, teilweise von bewachsenen Erdwällen umsäumt. Große Schautafeln geben dem interessierten Besucher dieses technischen Kulturdenkmals aus dem frühen Mittelalter direkt vor Ort ausführliche Informationen. In der Nähe des Karlsgrabens befindet sich in der Hüttinger Scheune eine Ausstellung, die weitere Auskünfte über das altertümliche Kanalprojekt sowie über die geologischen Begebenheiten des Gebietes erteilt. Zur besseren Veranschaulichung steht eine Mulitmedia-Präsentation zur Verfügung, die den damaligen Bau bildhaft rekonstruiert. Das angrenzende, nur etwa 200 Einwohner zählende Dorf trägt den Namen Graben und gehört zur Stadt Treuchtlingen.

Bei der Betrachtung des modernen, technisch ausgereiften und weitaus tiefer ausgelegten Main-Donau-Kanals mit seinen gigantischen Hebewerken, lassen sich die Anstrengungen der Bauarbeiter am Karlsgraben, die lediglich Hacken und Schaufeln zur Verfügung hatten, zumindest erahnen.

Kommentar hinterlassen