Kolumne

Der Geschichtspark Bärnau-Tachov

Von: Anja Bergler

Erst Ende Juli 2011 wurde der erste Bauabschnitt des Geschichtsparks Bärnau-Tachov eröffnet. Es handelt sich hierbei um ein im östlichen Landkreis Tirschenreuth gelegenes und grenzüberschreitendes Freilichtmuseum an der bayerisch-böhmischen Grenze, das in beeindruckender Weise das alltägliche Leben vergangener Jahrhunderte darstellt. Hauptaugenmerk wurde auf das 8. bis 12. Jahrhundert gelegt. Somit entsteht hier das größte mittelalterliche Freilichtmuseum im süddeutschen Raum.

Der Geschichtspark wächst weiterhin

So wurden im Mittelalter Zäune geflochten – Foto: Bzeitler

Insgesamt werden die Arbeiten noch bis in das Jahr 2013 hineingehen. Bis dahin wird man ein Hochmittelalterdorf, eine 15 m hohe Turmhügelburg (Motte) sowie ein frühmittelalterliches Dorf bewundern können. Ziel ist es, mehr als 20 detailgetreu nachgestaltete Gebäude auf dem riesigen Gelände entstehen zu lassen. Man ist bestrebt, ein komplettes slawisches Dorf mit Kirche nachzustellen.

So kann man bereits jetzt beispielsweise das Grubenhaus eines Schmieds bewundern, ebenso ein slawisches Flechtwandhaus mit Schindeldach, ein Blockhaus oder aber ein slawisches Pfostenhaus. All diese Gebäudetypen wurden in der oberpfälzer Region bei Ausgrabungen gefunden, unter anderem auch in der Stadt Nabburg, die vielen durch das in der Nähe gelegene Freilichtmuseum Neusath-Perschen bekannt sein dürfte.

Des Weiteren wurden bisher ein Tierunterstand sowie ein für das Mittelalter typischer Lehmofen aufgebaut. Derzeit wird an einem slawischen Langhaus gearbeitet, dessen Rekonstruktion eine gewaltige Herausforderung darstellt und in Gesamteuropa nicht noch einmal zu finden sein wird. Es wurde zur damaligen Zeit als Wohnhaus ebenso genutzt, wie als Ort für Versammlungen und sonstige Zusammenkünfte.

Das weitläufige Gelände lädt zu einem Spaziergang ein

Das Gelände wächst langsam aber sicher – Foto: Barbara Brunner

Die Wege durch das Gelände in Bärnau sind bereits angelegt. Ebenso konnte hier ein kleiner Teil des Flüsschens Waldnaab renaturiert werden. Selbst ein naturnahes Teichgewässer mit teilweise unbekannten Fischsorten aus dem Mittelalter hat schon seinen Platz gefunden.

Es versteht sich von selbst, dass für den Bau die gleichen Techniken und Baustoffe verwendet werden, wie damals. So werden die hier erstellten Häuser und Hütten sich auch weiterhin gegen die Witterung durchsetzen können. Außerdem können sie von den Besuchern betreten und natürlich auch genutzt werden. Schließlich wird das alltägliche Leben im Mittelalter teilweise von Laiendarstellern nachgestellt und das Dorf mit Leben gefüllt.

Ein Besuch im Geschichtspark ist immer ein Erlebnis

Die slawisches Siedlung mit der schon vorhandenen Motte (rechts) – Foto: Barbara Brunner

Auch wenn die Bauarbeiten noch in vollem Gange sind, lohnt sich bereits jetzt ein Besuch im Geschichtspark Bärnau – Tachov. Hier lernt man nicht nur sehr viel über Geschichte, sondern man darf sie auch erleben.

In unregelmäßigen Abständen und zu besonderen Aktionstagen werden die Besucher eingeladen, bei sogenannten Mitmachkursen mitzuwirken und einen Eindruck in das damalige Leben zu gewinnen. Auch Handwerksvorführungen kann man verfolgen oder das Archäologische Museum erkunden.

Gruppenführungen unter der Leitung von erfahrenden Parkführern über das Gelände sind selbstverständlich ebenso möglich. Es wird hier um eine rechtzeitige Voranmeldung gebeten. Auch offene Führungen sind möglich.

Wer sich über den aktuellen Stand des Baufortschrittes informieren möchte oder Interesse an den Veranstaltungen hat, der kann sich auf der Webseite des Geschichtsparks Bärnau-Tachov ausführlich informieren. Hier erfährt man auch alles über die genaue Anfahrt, die Öffnungszeiten sowie über die Eintrittspreise.

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