Kolumne

Der Gamsbart – der Männer Zier in Altbayern

Von: Karola Schmitt

Bei der Krachledernen mit Janker darf der Hut mit Gamsbart nicht fehlen. Die ursprünglich nur für Männer bestimmte Zier entstammt der Tradition des germanischen Stammes der Bajuwaren. Neben Altbayern mit den Regierungsbezirken Ober- und Niederbayern sowie Oberpfalz zählen auch noch Teile Österreichs zu den Gebieten, an denen sich die Bajuwaren zum Ende der Völkerwanderung niederließen. Außer der Tracht verbindet sie ihre Mundart.

Welche Bedeutung hat der Gamsbart?

Prachtvolle Gamsbärte beim Münchner Oktoberfest – Foto: Harald Bischoff

Die Größe und die Qualität des Gamsbartes präsentierte einst den Rang und den Wohlstand eines Mannes. Außerdem diente der Gamsbart als Jagdtrophäe, die darüber Auskunft gab, wie erfolgreich ein Mann bei der Jagd war. Die Emanzipation macht es möglich, dass sich mittlerweile auch Frauen mit einem Gamsbart schmücken.

Wie wird ein Gamsbart hergestellt?

Obwohl der Name etwas anderes besagt, besteht ein Gamsbart aus den Rückenhaaren eines ausgewachsenen Gamsbockes. Der Jäger, der das Tier erlegt hat, zupft diese Haare aus. Die Herstellung des Gamsbartes übernimmt entweder der Jäger selbst oder ein versierter Gamsbartbinder. Verschiedene Arbeitsgänge sind nötig, bis ein Gamsbart gleichmäßig buschig fällt und zum Hutschmuck seines Trägers wird. Zu den Prachtexemplaren zählen Gamsbärte mit möglichst dunkler Farbe und hellem Reif, so wie sie die Böcke mit ihrem Winterfell tragen. Als Reif werden die Spitzen bezeichnet, die bei einem echten Gamsbart nur wenige Millimeter ausmachen. Erstklassige Gamsbärte bestehen aus den Rückenhaaren von bis zu 10 Böcken.

Die Gamsbart-Olympiade

Der Gamsbart wird aus den Rückenhaaren des Gamsbocks gemacht – Foto: Luidger

Bei der alljährlichen Gamsbart-Olympia wählt eine fachkundige Jury das prächtigste Stück aus. Die erste Veranstaltung dieser Art fand 1961 im österreichischen Bad Goisern statt. Seitdem wechselt die Örtlichkeit dieses Geschehens von Jahr zu Jahr. Der Siegergamsbart im Jahr 2011 besteht aus 120.000 einzelnen Haaren in 20 Zentimetern Länge. Zu den Kriterien bei der Bewertung gehören außer der Größe noch die Verarbeitung, die Reinheit des Reifes und das Dunkel der Haare. 2012 steht Mittenwald im Zeichen der Gamsbart-Olympiade. Vom 11. bis 14. Oktober 2012 wird ein neuer Sieger gesucht.

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