Kolumne

Das Wirtshaus im Spessart

Von: Tilman Weigel

Nur 24 Jahre wurde Wilhelm Hauff alt und trotzdem hat er gleich eine ganze Reihe von bekannten Märchen und Erzählungen hinterlassen, die man oft gar nicht mit seinem Namen verbindet. „Jud Süß“ beispielsweise, auch „Zwerg Nase“ gehört dazu, „Der kleine Muck“, „Kalif Storch“ und natürlich „Das Wirtshaus im Spessart„.

Vorsicht beim Durchqueren des Spessarts 😉 – Foto: Maulaff

Die Idee zu der Geschichte von den Spessart-Räubern soll ihm bei einer Reise nach Frankfurt gekommen sein. Tatsächlich gab es noch wenige Jahre vorher, vor allem während der Napoleonischen Kriege, Räuber im Spessart. Die Erzählung ist die Rahmenhandlung für mehrere andere Geschichten, die von verschiedenen Akteuren erzählt werden. „Wir wollen uns wieder zusammen niedersetzen und durch Sprechen den Schlaf abhalten“, lässt Hauff einen Fuhrmann sagen. Das tun sie, beispielsweise mit der „Sage vom Hirschgulden“ oder „Saids Schicksale“., Die bekannteste Geschichte dürfte „Das kalte Herz“ sein, die Geschichte vom Kohlenmunk-Peter, die ein Student zum Zeitvertreib erzählt.

Bekannt wurde „Das Wirtshaus im Spessart“ aber vor allem durch die Verfilmung in den 1950er Jahren mit Liselotte Pulver und Hans Clarin. Die Drehbuchautoren Luiselotte Enderle und Heinz Pauck stellten dabei die Rahmenhandlung stärker in den Vordergrund. Die Geschichte ist schnell erzählt: Franziska von und zu Sandau ist mit ihrem Verlobten, ihrer Zofe und einem Pfarrer unterwegs nach Würzburg, als ihnen im Spessart ein Rad bricht. Zwei Fremde raten ihnen, in einem Waldgasthof zu übernachten, da es im Spessart bekanntlich Räuber gibt. Doch ausgerechnet das Wirtshaus ist eine Räuberhöhle, die die gesamte Truppe entführen, um Lösegeld zu erpressen. Die Comtesse kann fliehen, kehrt aber in Männerkleidung zurück. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte und ein glückliches Ende.

Drehort für "Das Wirtshaus im Spessart": Miltenberg – Foto: © KlausM / PIXELIO

Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und war seinerzeit so erfolgreich, dass mit dem „Spukschloss im Spessart“ und „Herrliche Zeiten im Spessart“ noch zwei weitere Spessart-Filme folgten. Dann geriet die Gegend filmtechnisch in Vergessenheit, sieht man mal von dem 70er-Jahre-Sexfilm „Das Lustschloß im Spessart“ ab. 2010 allerdings brachte der Fernsehsender Sat.1 den Film „Im Spessart sind die Geister los„, der thematisch das Thema des Spessart-Spukschlosses aufgriff.

Heute haben es die Spessartäuber zusammen mit der Winzerin sogar zum offiziellen Symbol des Landkreises Main-Spessart gebracht. Die Außenaufnahmen für den Film, der sie berühmt gemacht hat, wurden allerdings vor allem in den Landkreisen Miltenberg und Aschaffenburg gedreht. Genauer gesagt in der Stadt Miltenberg und der Gemeinde Mespelbrunn. Auf dem Schloss Mespelbrunn wird bis heute regelmäßig das Wirtshaus im Spessart als Theaterstück aufgeführt.

Kommentar hinterlassen