Kolumne

Das König-Ludwig-Feuer – Oberammergau gedenkt dem Monarchen auf seine eigene Weise

Von: Marlene Soff

Es ist der Abend des 24. August und in Oberammergau herrscht aufgeregtes Treiben. Die Menschen bereiten sich darauf vor, dem weltbekannten König Ludwig II. ein Denkmal zu setzen und so müssen noch die nötigen Vorbereitungen getroffen werden. Ein Feuer soll es werden, groß und mächtig, wie der Monarch selbst. Doch wer nun denkt, dieses Ereignis sei eine einmalige Sache, der irrt sich gewaltig.  Jedes Jahr am gleichen Tag wird am Kofelfleck ein Kreuz aus Holz meterhoch aufgebaut, nur um dieses nach Einbruch der Dunkelheit aufsehenerregend niederzubrennen. Stellt sich nur noch die Frage, was die Oberammergauer damit bezwecken möchten.

Ludwigfeuer: Kofel mit Krone – Foto: © Ammergauer Alpen GmbH, Fotograf: Thomas Klinger

Nun, dazu muss man zunächst einmal wissen, dass der 24. August den Vorabend des Geburtstages von König Ludwig II. darstellt. Und genau da liegt dann auch der Knackpunkt. Die traditionsbewussten Menschen des oberbayrischen Ortes möchten die Bayern daran erinnern, welch großartiger Mensch einmal das ehemalige Königreich regiert hat und auch der Rest der Welt soll das mitbekommen. Aus diesem Grund zünden die Oberammergauer jährlich ihr König-Ludwig-Feuer an und erhellen so den nächtlichen Himmel. Doch das ist noch lange nicht alles, was sich an diesem Abend abspielt. Wie sich ja bereits erahnen lässt, ist die geballte Manneskraft von Oberammergau gefragt, wenn es darum geht, das Holz für das spätere Feuer heranzuschleppen.

Doch damit ist die Arbeit der jungen Männer noch nicht getan. Ist das Holz nämlich einmal an Ort und Stelle, bleiben die kräftigen Herren der Schöpfung auch gleich auf dem Berg und stimmen sich auf die bevorstehenden Ereignisse ein. Sobald in Oberammergau die Dämmerung hereinbricht, stimmt die Musikkapelle des Ortes einen wunderschönen Choral an. Zu den Klängen von „Die Himmel rühmen“ wird dann langsam aber sicher das Feuer entzündet, bis das riesige Holzkreuz ansehnlich brennt.

Musik gehört mit dazu – Foto: © Ammergauer Alpen GmbH, Fotograf: Thomas Klinger

Selbstverständlich wurde auch der Ort für das Feuer, der Kofelfleck nicht zufällig ausgewählt. Vielmehr zeigt sich durch das Feuer in der Dunkelheit eine imposante Illumination der umliegenden Berge, was sich am besten von einem der vielen Aussichtspunkte erkennen lässt. Den Abschluss der Feierlichkeiten stellt der Auszug der jungen Männer dar, die sich mit Fackeln langsam aber sicher ihren Weg ins Dorf zurück bahnen. Nichtsdestotrotz muss man auch jetzt noch nicht nach Hause gehen, denn sowohl die Einwohner als auch die Besucher feiern noch lange in den Gasthäusern der Stadt weiter.

Es ist in jedem Falle ein unvergessliches Erlebnis, nach Oberammergau zu fahren und sich das König-Ludwig-Feuer einmal live anzuschauen. Wer möchte, darf sich als „gstandner“ Bayer natürlich auch gerne am lustigen Holzschleppen beteiligen!

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