Kolumne

Das Kehlsteinhaus

Ein Idyll mit Geschichte

Touristenattraktion in luftigen Höhen – das Kehlsteinhaus von Berchtesgaden gehört mit rund 300.000 Besuchern jährlich zu den am häufigsten besuchten Ausflugszielen Bayerns. Dabei wollen die Besucher die Aussicht von dem Haus aus genießen, da es sich in einer Höhe von 1820m auf einem Bergsporn des 1843m hohen Kehlsteins befindet.

Kehlsteinhaus Kehlsteinhaus

Kehlsteinhaus

Kehlsteinhaus

Es führen mehrere Straße für Wanderer und Fahrradfahrer sowie eine Busstrecke zum Kehlsteinhaus rauf, welche alle an einem großen Wendeplatz enden. Eine alternative Strecke zu dem Haus können Bergsteiger über den Mannigrat erreichen.

Diese Strecke ist allerdings nicht befestigt und nur mit Kletterausrüstung begehbar, weshalb sie nur von erfahrenen Sportlern benutzt werden darf. Für alle anderen wäre das wohl auch zu gefährlich.

Die letzten Meter zum Haus rauf kann man entweder über eine Steinstufe erklimmen oder den sogenannten Kehlsteinlift benutzen, der ins Berginnere des Kehlsteins eingebaut wurde und nur über einen Tunnel erreichbar ist. Nach 41 Sekunden Fahrt hält der Lift direkt in der Eingangshalle des Kehlsteinhauses, von dem aus die Besucher das Grundstück dann allein erkunden oder an einer kleinen Führung teilnehmen können.

Die Kehlsteinhaus-Geschichte

Das Kehlsteinhaus wurde zwischen 1937 und 1938 im Auftrag von Martin Bormann erbaut. Das Haus sollte als Ergänzung des sogenannten Führersperrgebiets dienen, welches von der NSDAP auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden eingerichtet worden war und ein sieben Quadratkilometer großes Gebiet mit mehreren Privathäusern und Bunkeranlagen umschloss.

Bormann, als einer von 18 Reichsleitern mit der Beaufsichtigung des Führersperrgebiets beauftragt, engagierte den Architekten Roderich Fick mit dem Entwurf der Residenz und dem Design des Kehlsteinhauses.

Nach einer Bauphase von nur 13 Monaten war das Kehlsteinhaus fertig gestellt. Es unterteilte sich ein Wohn-, ein Speise- und ein Arbeitszimmer sowie in eine Küche, einen Wach-, einen Ruhe- und einen Wäscheraum auf. Zudem verläuft unter dem Haus eine große Kelleranlage, welche beispielsweise bei Luftangriffen auch als Bunker benutzbar sein sollte.

Am 20. April 1939 wurde das Kehlsteinhaus dann Adolf Hitler zu seinem 50. Geburtstag übergeben. Es war ein Geburtstagsgeschenk seiner Partei, der NSDAP. Hitler selbst erklärte das Kehlsteinhaus zu seiner Sommerresidenz, besuchte es allerdings nur vereinzelt. Man geht davon aus, dass er nur knapp zehn mal zum Kehlsteinhaus fuhr, weil seiner Ansicht nach die Anreise zu Zeitaufwendig und aufgrund der schlecht gesicherten Straßen auch zu gefährlich war. Darüber hinaus beklagte Hitler, dass unter anderem die Gefahr bestünde, dass der Fahrstuhl bei einem Bombenangriff abstürzen könnte. Allerdings war das Kehlsteinhaus nur einmal das Ziel eines Bombenangriffs, nämlich am 25. April 1945, als ein britischer Lancaster-Bomber das Führersperrgebiet angriff.

Am 4. Mai 1945 besetzten amerikanische und französische Truppen das Führersperrgebiet, wobei auch das Kehlsteinhaus offiziell beschlagnahmt wurde. Nachdem der Zweite Weltkrieg mit der Niederlage Deutschland beendet worden war, wurde am 1. April 1949 das Kehlsteinhaus dem Freistaat Bayern als Eigentum zurückgegeben, blieb aber noch bis zum Frühjahr 1951 unter amerikanischer Kontrolle. Ab 1951 wurde dem Landkreis Berchtesgaden von den Alliierten das Alleinnutzungsrecht des Kehlsteinhauses und aller Straßen überschrieben, welche zu dem Gebäude führten. Der Landkreis richtete daraufhin einen Linienverkehr für den Kehlstein ein und gab diesen ab 1956 auch für den Fremdenverkehr frei.

Kehlsteinhaus – Eagles Nest – Geschichte des Kehllsteins

Heutige Nutzung vom Kehlsteinhaus

Heutzutage dient das Kehlsteinhaus als Touristenattraktion mit angrenzender Bewirtschaftung und man kann sich sogar im Internet das Kehlsteinhaus ansehen. Viele Räume sind der Öffentlichkeit zugänglich und wurden wie in einem Museum hergerichtet, sodass die Besucher zu einzelnen Möbelstücken oder Dekorationsgegenständen informative Sachtexte lesen können. Darüber hinaus werden in regelmäßigen Abständen kurze Führungen durch das Haus angeboten, wobei aber nicht alle Räume besichtigt werden können.

Der Keller des Kehlsteinhauses ist beispielsweise nicht regelmäßig betretbar, was unter anderem damit zusammenhängt, dass Forscher noch historisch relevante Dokumente von Adolf Hitler in den Keller- und Arbeitsräumen vermuten. Direkt an das Kehlsteinhaus angrenzend können Touristen auf einem kleinen Plateau die Berchtesgadener Alpen überblicken oder vom Kehlstein eine Klettertour über den Mannigrat machen. Besuchbar ist das Kehlsteinhaus in Berchtesgaden zwischen April und November.

Fazit

Das Kehlsteinhaus ist ein Stück deutscher Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und darum auch eine Anreise wert. Geübte Wanderer können das Kehlsteinhaus zu Fuß in rund 2 Stunden erreichen, wogegen man als normaler Besucher 3 bis 4 Stunden benötigt. Die Strecke mit dem Bus ist dagegen schneller und bequemer.

Im Kehlsteinhaus angekommen können sich die Besucher dann ein Bild davon machen, wie Adolf Hitler seine Besuche im „Adlerhorst“, wie die Amerikaner das Kehlsteinhaus nannten, verbrachte. Neben einem kleinen Exkurs ist das eigentliche Highlight aber sicherlich das Areal um das Kehlsteinhaus herum, das bei gutem Wetter eine fast endlos wirkende Sicht auf das Berchtesgadener Umland bietet.

Die Benutzung des Aussichtsplateaus und des Mannigrats geschehen allerdings auf eigene Gefahr, da nur das Areal direkt um das Kehlsteinhaus mit Zäunen und Geländern abgesichert sind – das Plateau selbst ist nur durch einen schmalen Pfad begehbar, der bei schlechter Witterung auch zur Sicherheit der Besucher gesperrt wird. Man muss also schon schwindelfrei sein, wenn man sich auf die Aussichtsplattform wagen möchte. Alle anderen können dagegen die Bewirtschaftung im Kehlsteinhaus in Anspruch nehmen, um sich zu erholen und neue Kräfte in einem ungewöhnlichen Idyll zu genießen.

Bildquellen
Artikelbild: © panthermedia.net Robert Rudolphi

 

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