Kolumne

Burg Wolfsegg – Sagen, Gerüchte und eine „Weiße Frau“

Von: Stefan Lachmann

Eine der bekanntesten und sagenumwobensten Burgen der Oberpfalz liegt im kleinen Örtchen Wolfsegg ca. 17 Kilometer nördlich von Regensburg. Dort thront die durchgehend erhaltene gotische Burganlage erhaben über dem Ortskern von Wolfsegg. Die Burg wurde aller Wahrscheinlichkeit nach um 1278 von Wolf von Schönleiten erbaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. So konnten bei der Restaurierung in den 80er Jahren sechs verschiedene Bauphasen datiert werden.

Die Burg Wolfsegg in der Oberpfalz – Foto: Ludwig1991

Eine erstmalige urkundliche Erwähnung erfuhr die Burg Wolfsegg im Jahre 1358. In diesem Jahr trat Ludwig, Herzog von Bayern und Markgraf von Brandenburg, als Lehnsherr für die Töchter des mittlerweile verblichenen Wolf von Schönleiten in Erscheinung. Im Jahre 1367 wurde die Burg Wolfsegg an die Herren von Laaber verkauft. Sie blieb deren Eigentum bis zum Aussterben des Adelsgeschlechts von Laaber im Jahre 1475. Danach hinterließ der Lauf der Zeit an der Burg seine Spuren. Zahlreiche Besitzerwechsel und wenig Fürsorge verschuldeten den kontinuierlichen Verfall der Burganlage. Ein Glücksfall war der Kauf der Burg im Jahr 1933 durch ihren Retter Georg Rauchenberger. Rauchenberger initiierte unter großer persönlicher Anstrengung, die dringend notwendige Restaurierung der Burganlage, die im Jahr 1989 vollendet wurde.

Sie steht quasi mitten in der Stadt – Foto: Gunter Wielage, www.burgen-und-schloesser.net

Architektonisch ist die mittelalterliche Burg Wolfsegg durchaus bemerkenswert. Die Anlage besteht aus einer Hauptburg mit einem drei Stockwerke hohen Palas, oder auch Wohnburg. Interessanterweise befindet sich auf der Burganlage jedoch kein Bergfried, was für den Burgbau zur damaligen Zeit eher unüblich war. Die Ringmauer der Burg mit halbrundem Mauerturm ist komplett begehbar. Die Hauptburg wird von einem bogenförmigen Zwinger umschlossen, in dem der Weg zur Burg verlief. Der Burginnenhof ist mit einer Bühne und einer Zuschauertribüne ausgebaut worden. Außerhalb der Burgmauern befindet sich noch eine Kapelle an der Südseite der Burg, die über einen Steg erreichbar ist.

Mediale Berühmtheit erlangte die Burg Wolfsegg durch die Sage von der „Weißen Frau„, deren Lichterscheinung von mehreren Bewohnern Wolfseggs auf unterschiedlichste Weise wahrgenommen worden sein soll. Die Sage um die „Weiße Frau“ geht wohl auf das 15. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit bewohnte der Burgherr Ulrich von Laaber mit seiner Ehefrau Klara von Helfenstein die Burg Wolfsegg. Die Geschichte besagt, dass Ulrich von Laaber seine Frau aus Eifersucht töten ließ, weil diese ein Verhältnis mit Georg Moller von der in der Nähe befindlichen Hammermühle von Heitzenhofen gehabt haben soll. Seither soll sie als „Weiße Frau“ in der Burg ihr Unwesen treiben.

Sehenswert ist auch die Höhle unterhalb der Burg – Foto: Gunter Wielage, www.burgen-und-schloesser.net

Direkt unterhalb der Burg Wolfsegg gibt es noch eine weitere geheimnisvolle Sehenswürdigkeit, um die sich diverse Sagen und Gerüchte ranken. Dort befindet sich eine große unterirdische Höhle, aus der im Laufe der Zeit immer wieder merkwürdige Geräusche und Laute vernommen wurden. Dies kann jedoch vermutlich damit erklärt werden, dass die Höhle als Versteck und Lager von Wilderern genutzt wurde. Die große Tropfsteinhöhle ist bis heute noch nicht völlig erschlossen, da sie schwer zugänglich und selbst für erfahrene Forscher nicht ungefährlich ist. Nur an Familiensonntagen ist im Rahmen von Führungen die Besichtigung der obersten Etage der Höhle erlaubt. Mehr über die Höhle kann man zudem im Landsknechtkeller der Burg erfahren, da dort ein Höhlenmuseum eingerichtet wurde.

Heute ist innerhalb der Burganlage ein sehr sehenswertes Museum beheimatet, in dem verschiedene Ausstellungen über das Thema Mittelalter gezeigt werden. So kann man im Burgmuseum viel Wissenswertes über das Leben auf einer Burg oder zur Rolle der Frau im Mittelalter erfahren.

Die Burg Wolfsegg bei www.burgen-und-schloesser.net.

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