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Kolumne

Brauereien im Weinland

Von: Tilman Weigel

Unterfranken ist Weinfranken. Trotzdem soll es in diesem Beitrag um Bier gehen. 46 gewerbliche Brauereien listet das Statistische Bundesamt für Bayerns nordwestlichsten Bezirk auf. Je Einwohner haben nur Oberbayern und Schwaben weniger Brauereien. Das hindert die Unterfranken aber nicht daran, gerne und viel Bier zu trinken. Auch wenn der Gerstensaft hier nicht dieselbe Bedeutung hat wie im Rest Bayerns. Denn Wein ist in Unterfranken genauso ein Volksgetränk wie das Bier.

In Unterfranken schmeckt das Pils genauso… – Foto: © Klaus Steves / PIXELIO

Dabei liegt in Unterfranken sogar eine von drei Berufsschulen für Brauer in Bayern, neben denen in der traditionellen Bierstadt Kulmbach und in der Landeshauptstadt München. Sie ist in Karlstadt nördlich von Würzburg angesiedelt. Doch eine echte gewerbliche Brauerei gibt es in der Kleinstadt nicht mehr. In den 1960er Jahren schloss erst die Löwenbräu, 1988 dann die Frankenbräu.

Vielen Städten ging es ähnlich. In Aschaffenburg gab es nach dem Krieg noch fünf mittelständische Brauereien, überlebt hat davon nur die Schwind Bräu. Die Bavaria Brauerei gibt es ebenso nicht mehr wie die Bayerische Aktien-Bierbrauerei und die Brauerei Schlappeseppel, die traditionellen Heyland’s Brauerei fusionierte und braut jetzt in Großostheim (unter anderem auch die Schlappeseppel-Marken). Doch mit der Gasthausbrauerei Hohe-Wart-Haus ist 2004 sogar wieder eine neue Braustätte dazu gekommen, wenn auch nicht in der Stadt, sondern im Landkreis Aschaffenburg.

…wie auch das Weißbier -Foto: © berwis / PIXELIO

Denn auch wenn Unterfranken Weinland ist, ist jede Brauereischließung eine Kulturkrise. Ein bizarrer Bierstreit spielte sich deshalb in den 90er Jahren in Thüngen ab. Der dortige Graf hatte die Marke Thüngener Bier an die Eder Bräu in Großostheim verkauft. Die verlegte die Produktion kurzerhand in ihr Hauptwerk und brachte die Thüngener damit um ihr vor Ort gebrautes Bier. Weil das den Einwohnern aber gar nicht schmeckte und die Produktionsanlagen weiterhin dem Grafen von Thüngen gehörten, lies der dort durch die Bender Brauerei aus dem benachbarten Arnstein eine neue Sorte herstellen, den Herzog von Franken. Der Erfolg war so überwältigend, dass die Großostheimer ihre eben erst gekaufte Marke gleich wieder abschreiben mussten.

Der Herzog von Franken war wieder ein traditionelles helles Bier. Denn die unterfränkischen Brauereien haben viel stärker als viele ihrer ober- und mittelfränkischen Nachbarn die Moden auf dem Biermarkt mitgemacht. Zunächst wurde Unterfranken Pilsland, fast alle Brauereien stellten ausschließlich Bier nach Pilsener Brauart her. Dann kam das Weißbier dazu. Erst nach und nach werden unter Titeln wie Urtyp wieder mehr klassische helle Bier produziert, wie sie in Ober- und Mittelfranken, aber auch in großen Teilen Altbaierns vorherrschend sind.

So sieht das Nicht-Bier aus, die Bionade – Foto: BIONADE GmbH

Einen ganz anderen Weg bestritt die Peter Brauerei in Ostheim vor der Rhön um zu überleben. Sie stand in den 1990er Jahren kurz vor der Pleite, als der Braumeister Dieter Leipold einen Weg fand, aus Wasser und Malz nicht Bier, sondern eine alkoholfreie Limonade herzustellen. Unter dem Markennamen Bionade trat sie ihren Siegeszug ausgerechnet im weit entfernten Hamburg an und rettete die Brauerei vor der Zahlungsunfähigkeit.

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