Kolumne

Schickedanz – bis heute die Quelle vieler Unternehmen

Von: Tilman Weigel

Zuletzt war der Name Schickedanz nur noch für Negativschlagzeilen gut. Schmerzlich ist im Großraum Nürnberg noch die Pleite des Versandhauses Quelle in Erinnerung. Nun verklagt Madeleine Schickedanz, ehemalige Großaktionärin, ihre Bank und ihren Immobilienberater auf Schadensersatz. Den entlassenen Mitarbeitern wird das wenig helfen.

Gustav Schickedanz, hier mit seiner Frau Grete, baute ab 1927 das Quelle-Imperium auf – Foto: Red Rooster

Dabei hatte der Name früher einmal einen anderen Klang. Schickedanz, das stand für Wirtschaftswunder. Bis heute lebt das Werk von Gustav Schickedanz in der Region fort, trotz Quelle Pleite. Viele lokale Unternehmen haben ihren Ursprung mehr oder weniger in der Quelle-Gruppe. Dazu gehört nicht nur die weiterhin bestehende und keineswegs insolvente Küchen-Quelle, auch die Teambank, die mit ihrem Hauptprodukt easyCredit dem Nürnberger Stadion einen neuen Namen gab, wurde als Noris Kreditbank von der Quelle gegründet. Die Schwabacher Apollo-Optik ging ebenso aus dem Quelle-Konzern hervor wie die Fürther Ergo Direkt, die früher KarstadtQuelle Versicherungen hieß. Und dass die Direktbank DiBa in Nürnberg einen ihrer größten Standorte unterhält, ist ebenfalls Gustav Schickedanz zu verdanken. Der gründete hier die Quelle Bank, die unter ihrem neuen Namen Entrium Direct Bankers von der Frankfurter Direktbank übernommen wurde.

Dabei war der Erfolg Gustav Schickedanz keineswegs in die Wiege gelegt. Sein Vater war Industriemeister, seine Mutter Haushaltsgehilfin. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Angestellter in einem Kurzwarenhandel und gründete wenig später seinen eigenen Großhandel. Zunächst belieferte er kleine Händler, doch mehr und mehr ging er dazu über, vor allem Frauen aus ländlichen Gebieten seine Waren direkt per Post zu liefern.

Das Großversandhaus Quelle mit Kaufhaus in Nürnberg – seit 2009 verwaist – Foto: Holger Schossig

Als dieser Versandhandel immer größeren Erfolg hatte, gründete er 1927 das Versandhaus Quelle GmbH im mittelfränkischen Fürth. Quelle nannte er sein Unternehmen, weil man eben direkt an der Quelle einkaufen konnte, dem Großhändler.

Privat lief sein Leben weniger glatt, 1929 starben seine Frau, sein Vater und sein Sohn bei einem Verkehrsunfall, er überlebte schwer verletzt. Auch sonst war sein Lebensweg mitunter weniger ruhmreich. Bereits 1932 trat er in die NSDAP ein. Im Dritten Reich bewarb er sein Unternehmen als „arisch“ und bereicherte sich bei der Arisierung an jüdischem Eigentum. Unter anderem übernahm er die Vereinigten Papierwerke Nürnberg, deren bekanntestes Produkt die Tempo-Taschentücher waren. Unterdessen verheiratete er sich 1942 mit Grete Lachner neu, aus der Ehe stammt die Tochter Madeleine.

Nach Kriegsende wurde sein Betrieb zunächst unter amerikanische Treuhänderschaft gestellt, doch bald wurde Schickedanz als Mitläufer eingestuft und konnte sein Unternehmen erneut aufbauen. Gustav Schickedanz gründete zahlreiche Unternehmen aber auch gemeinnützige Stiftungen und wurde mit Ehrungen geradezu überhäuft, musste sich aber auch immer öfter kritische Fragen zu seinem Verhalten in der NS-Zeit gefallen lassen.

Als Gustav Schickedanz 1977 starb war die Quelle das größte Versandhaus Europas. An eine Pleite dachte damals wohl niemand.

1 Kommentar zu Schickedanz – bis heute die Quelle vieler Unternehmen

  1. Frank Dörnhöfer // 14. März 2012 um 05:47 //

    Und jetzt ist im ehemaligen Quelle Hauptsitz in Fürth in der Nürnberger Staße ein schönes Altenheim untergebracht.
    Eine der dort lebenden Bewohnerinnen hatte sogar früher im selben Haus ihren Arbeitsplatz.

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