Kolumne

Bergfried, Mauern, Kellerräume – die Reste einer stolzen Burg

Von: Sebastian Herbst

Von weitem grüßt heute noch der Bergfried, doch aus der Entfernung kann man kaum erkennen, dass hier, zwischen Aub und Baldersheim, oberhalb des Gollachtals, einst eine mittelalterliche Festung stand. Doch wirklich, hier stand einst die Reichelsburg, wohl nie eine der Festungen, die erbaut wurde, um gegen feindliche Heere lange zu bestehen, und dennoch eine Burg, wie sich beim Näherkommen allein schon durch die verbliebenen Mauerreste einwandfrei belegen lässt.

Der Bergfried der Reichelsburg – Foto: I, Rosenzweig, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Doch was geschah, dass die Burg heute nur noch aus einigen, wenigen Steinen und einem Bergfried besteht? Wurde sie einst belagert und schließlich erstürmt? Vielleicht im Bauernkrieg in der Wut der Bevölkerung niedergebrannt? Von brandschatzenden Vagabunden genommen? Nein, die Geschichte der Reichelsburg ist leider viel weniger spektakulär. Nachdem der Festungsbau 1230 erstmals urkundlich als „Reigirberc“ erwähnt wurde, fiel er später in den Besitz des Hochstifts Würzburg, wo er allmählich mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts begann dann die Zerstörung der Reichelsburg, in dem die Bewohner aus den umliegenden Orten Steine abtrugen, um sie für den Bau eigener Gebäude zu verwenden.

Heute sind so nur noch zwei Kellerräume, ein paar Mauerreste und der erwähnte Bergfried erhalten. Wer diesen gerne einmal besteigen möchte, muss sich vorher bei der Stadtverwaltung anmelden. Doch viel mehr als ein durchschnittliches Wanderziel gibt die Reichelsburg leider nicht mehr her. Da lohnt es schon eher, sich am Wochenende nach Fronleichnam auf den Weg zur Burg zu machen. Dann findet nämlich das Reichelsburgfest statt, eine Veranstaltung, bei der man vom „historischen“ Truchsess persönlich per Handschlag begrüßt wird, bevor man zu den Feierlichkeiten übergeht. Da ist dann auch wieder etwas los auf der Ruine.

Kommentar hinterlassen